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Da geht noch mehr!

Vollbeschäftigung im Blick: geht noch mehr bei den US-Zinsen? (Bild: Fotolia / oscity)

Thanos Bardas (Bild: Neuberger Berman)


Vor dem Hintergrund unterstützender Daten macht die Fed den erwarteten Zug, aber das ist weder eine Überraschung noch das Ende der Fahnenstange. Thanos Bardas, Head of Global Rates und Portfolio-Manager beim US-Asset-Manager Neuberger Berman, kommentiert die aktuelle Leitzinsanhebung in den USA.

Seit dem Sommer gab es Zeichen der Zentralbanken, dass sie wieder auf Stimuli setzen. Die EZB sprach von Tapering und die Bank of Japan hat im September die aggressive Negativzinspolitik zugunsten eines bescheidenen Bond-Rate-Targeting-Programms aufgegeben. Gleichzeitig scheinen die Regierungen sich in Richtung auf mehr steuerliche Anreize zur Unterstützung der Wirtschaft zu bewegen. Beide Trends verdeutlichen, dass die "exotische" Geld-und Kreditpolitik – bis zu einem gewissen Grad wirkungsvoll – auch einige Mängel aufweist.

Glücklicherweise hat die entwickelte Welt Zeichen der Reflation gezeigt. Großbritannien erlebte dies schon früh, als nach dem Brexit inflationsgebundene Anleihen binnen einer Woche um 40 Basispunkte in die Höhe schossen, getrieben weitgehend durch Geldentwertung aber auch durch die geldpolitische Lockerung der Zentralbank in Zusammenhang mit einer starken Wirtschaft. In jüngerer Zeit wirken die Kräfte der Reflation auch in den USA, wo die Wirtschaftsdaten sich verbessert haben und Trumps Sieg die Aktienmärkte stützt.

Ein „happy hike“

Die aktuelle Erhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte, die ein Jahr nach der letzten Zins-Erhöhung kommt, spiegelt sowohl die Abkehr von außergewöhnlichen politischen Maßnahmen als auch den Beginn des Aufschwungs in den USA. Und vor dem Hintergrund starker Konjunkturdaten und Märkten auf Rekord-Hoch ist es eine "unbeschwerte Erhöhung", besonders im Vergleich zum düsteren Hintergrund der Erhöhung 2015. Die US-Notenbank freut sich über den wirtschaftlichen Fortschritt, das Potenzial für die Normalisierung der Zinsen und dass sich ihre Erwartungen und der Markt langsam annähern.

Und obwohl später als erwartet, kommt die Zinserhöhung jetzt ein bisschen früh, schaut man auf den lauen Arbeitsmarkt. Sie ist auch nicht durch Inflations-Tendenzen forciert, die 10-jährige US-Inflationsrate bleibt unter 2,5 Prozent (dies entspricht dem impliziten Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent). Insgesamt sind die Bedingungen recht unterstützend, selbst unter Berücksichtigung des jüngsten Aufwärtstrends der Hypothekenzinsen und der Stärke des Dollars.

Drei Zinserhöhungen im Jahr 2017?

Was bedeutet dies für Fed-Führung? In den letzten Jahren war die US-Notenbank nicht besonders genau in ihren Prognosen zu Inflation und Wachstum, und wir sahen bei den kurzfristigen Realzinsen einen stetigen Rückgang. Ich glaube aber, dass die Werte jetzt die Talsohle erreicht haben und wohl wieder steigen werden. Gleichzeitig rücken die Markterwartungen näher an die der Fed, die im Jahr 2017 mit drei Zinserhöhungen um 25 Basispunkte rechnet (zwei im September, so die aktuelle Ansicht im Markt). Die US-Notenbank bleibt auch für 2018 auf Seiten der Falken.

Mit Blick auf zukünftige FOMC-Sitzungen, könnte die Dinge im März interessanter werden, wenn die Fed weitere Informationen über die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung hat. Donald Trump wurde mit den Themen "Amerika zuerst," weniger Regulierung und Steuersenkungen gewählt. Im Laufe der Zeit könnten die beiden letzten Elemente stimulierend wirken, aber Spannungen beim Handel hätten einen gegenteiligen Effekt und würden die Fed entmutigen, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Ein asymmetrisches Risiko

Trotz der schwachen Beschleunigung erwarte ich von der Fed ein schrittweises Vorgehen in den kommenden Quartalen: Es wurde viel geredet über steuerliche Anreize (die einige Vorstandsmitglieder bei der Zins-Erhöhung berücksichtigt haben), aber noch ist nichts geschehen, und das daraus resultierende Wachstum könnte magerer sein als Investoren erwarten. Darüber hinaus ist das Risiko der Fed-Politik sehr asymmetrisch: Ein paar mehr Anleihekäufe sind nicht dramatisch, aber ihr Wohlwollen zu schnell abzuziehen, kann sich sehr negativ auswirken.

Die Board-Mitglieder wissen das und werden wahrscheinlich weiterhin den Daten (und dem Anleihenmarkt) folgen, bis der Beweis erbracht ist, dass die Inflation über ein komfortables Niveau steigt. Sobald dies geschieht, eine einigermaßen stabile ökonomische und politische Situation vorausgesetzt, wird man zum Ende 2017 und Anfang 2018 eine kämpferischere Fed erleben können.

15.12.2016 | 13:40

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