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„Deutschland ist für uns wichtiger als je zuvor“

Heinz Bednar (Bild: Erste Asset Management)

Oliver Röder (Bild: Erste Asset Management)


Von Österreich aus ist der Blick auf Deutschland sehr positiv, allein schon deswegen, weil hier viele Vermögen zu betreuen sind. Eines der führenden Häuser in Österreich ist die Erste Asset Managemt. Dort wurde eine nun neue Führungsriege berufen. Beständigkeit hingegen in der Chef-Etage: Heinz Bednar ist CEO des Unternehmens, Oliver Röder weiterhin Deutschland-Geschäftsführer. Die BÖRSE am Sonntag hat sich mit beiden über die künftige Ausrichtung des österreichischen Fondshauses unterhalten.

BÖRSE am Sonntag: Welche Auswirkungen hat die Umstellung in der Geschäftsführung für Investoren, insbesondere auf dem deutschen Markt?

Heinz Bednar: Wir haben unser Management erweitert und uns vor allem im Bereich Institutional und Retail Sales sowie Produktmanagement noch stärker aufgestellt. Die Geschäftsführung und strategische Ausrichtung in Deutschland sind unverändert. Deutschland bleibt für uns ein wichtiger Standort, den wir in Zukunft noch intensiver begleiten möchten.

Oliver Röder: Deutschland ist für uns als Markt wichtiger als je zuvor, insbesondere als Anbieter von Fixed Income, Multi Asset Strategien und nachhaltigen Investmentfonds, die bislang gerade einmal drei Prozent des nationalen Fondsvolumens ausmachen. Im Bereich Nachhaltigkeit ist die Marktdurchdringung international höher.

BaS: Was macht Sie so sicher, dass sich das Wachstum fortsetzt?

Röder: Die Tatsache, dass die Nachfrage durch deutsche Investoren steigt. Das belegen etwa die Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen, nach denen die kumulierten AuM nachhaltiger Investmentfonds in Deutschland zwischen 2012 und 2016 um durchschnittlich 19 Prozent pro Jahr gestiegen sind.

Bednar: Mehr Investoren erkennen die positiven Auswirkungen auf die Fondsperformance, die nachhaltige Investments mit sich bringen. So kann durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien Umwelt- und Korruptionsrisiken das Einzeltitelrisiko deutlich reduziert werden. Beispiele wie Petrobras demonstrieren die finanziellen Risiken, die Unternehmen mit Defiziten im Bereich Unternehmensführung, Soziales und auch Umwelt mit sich bringen. Unser ESG Team hat das Unternehmen aufgrund einer internen Analyse bereits vor der negativen Entwicklung  frühzeitig ausgeschlossen.

BaS: Nachhaltige Investmentfonds werden zunehmend als passive Investmentvehikel angeboten. Werden in Zukunft ETFs der Erste AM in diesem Bereich oder anderen Assetklassen geplant?

Röder: Wir haben keine Pläne in diese Richtung. Der ETF-Hype ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Märkte in den vergangenen zehn Jahren nach der Finanzkrise lediglich in eine Richtung verliefen. Aktives Management ist gerade im aktuellen Marktumfeld unverzichtbar. Die globale Wirtschaft wächst zwar nach wie vor. Gleichzeitig lässt aber die Dynamik nach. Zudem wird die globale Geldpolitik zusehends restriktiver, wodurch die Märkte wieder herausfordernder werden. Einfach nur dem Markt zu folgen, reicht in so einem Umfeld nicht aus.

Bednar: Absolut richtig: Anspringende Risiken bedeuten erhöhte Volatilität  und da ist aktives Management besonders gefragt. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Erste Fixed Income Total Return“. Das Fondsmanagement kann hier unabhängig von einer Benchmark Veranlagungsmöglichkeiten an den unterschiedlichsten Marktsegmenten nutzen. Während zum Beispiel ein Carry-Portfolio für laufende Erträge sorgen soll, werden daneben gezielt risikokontrollierte Handels-Positionen aufgebaut. So eine Strategie sucht man im ETF Segment vergebens.

BaS: Recht herzlichen Dank!

28.05.2018 | 14:38

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