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Die Zinsfalle spitzt sich zu

Daria Breuer (Bild: Sauren Gruppe)

(Bild: Twitter)


Die Kapitalmarktzinsen befinden sich weltweit in allen bedeutenden Märkten auf einem historisch niedrigen Niveau. Von den rückläufigen Zinsen konnten in der Vergangenheit sämtliche Segmente des Anleihemarkts profitieren. Dieser positive Effekt für die Anleihemärkte ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern hält bereits seit mehr als 30 Jahren an. In den letzten Jahren hat sich dieser Trend – bedingt durch die Notenbankpolitik – weiter verschärft. Ein erstes Umdenken ist jedoch zu erkennen.

Von Daria Breuer

Die historisch günstige Lage auf den Anleihemärkten ist Grund genug für Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren und sein Research-Team, die jüngsten Marktentwicklungen genauer zu analysieren. Das Ergebnis ist die neue Studie mit dem Titel „Die Zinsfalle spitzt sich zu“, in der die Fondsgesellschaft auf die Auswirkungen der geldpolitischen Entscheidungen auf die verschiedenen Anlageklassen eingeht und aufzeigt, wie Anleger der Zinsfalle begegnen können.

Die Notenbanken üben mit ihren Ankaufprogrammen einen immer größeren Einfluss auf die Märkte aus und verursachen mit ihrer Niedrigzinspolitik teils irrationale Entwicklungen. So notierten im August 2016 etwa 54 Prozent der Staatsanleihen entwickelter Länder mit einer negativen Rendite. Dies entspricht einem Volumen von 8.000.000.000.000 Euro (acht Billionen!), mit denen Investoren sichere Verluste erleiden. Auf der Suche nach Renditechancen in einem schwierigen Umfeld erweitern immer mehr Investoren ihr Anlageuniversum beispielsweise auf Unternehmensanleihen oder auch auf vermeintlich defensive Aktien und erhöhen somit teils unbewusst ihr Risiko-Profil.

Gesucht waren dabei insbesondere Aktien von Qualitätsunternehmen mit einer in der Vergangenheit niedrigen Schwankungsbreite und einer zumeist attraktiven Dividendenrendite, die als Zinsersatz gesehen wurde. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass mit dem verstärkten Interesse der Investoren und der damit einhergehenden positiven Wertentwicklung der defensiven Aktien, deren absolutes Bewertungsniveau deutlich angestiegen ist. Diese im historischen Vergleich hohe Bewertung wurde lange Zeit über die Relation zum Anleihemarkt bzw. vor dem Hintergrund niedriger Zinsen gerechtfertigt. In einem möglichen Umfeld steigender Zinserwartungen verändert sich auch die Bewertung der Aktien und birgt somit ein erhöhtes Rückschlagpotenzial für die vermeintlich defensiven Aktientitel.

In der Vergangenheit deckten die meisten Anleger den defensiven Teil Ihres Portfolios klassischerweise über Investitionen am Anleihemarkt ab, während der offensive Portfolioanteil über aktienorientierte Investmentideen abgebildet wurde. Mit dieser Herangehensweise konnten viele Anleger in der Vergangenheit attraktive Wertsteigerungen erzielen. Angesichts der aktuellen Marktrahmenbedingungen sollten Investoren Ihr Portfolio allerdings hinterfragen.

Angesichtes des nach wie vor niedrigen Zinsniveaus sowie eines möglichen und sich zum Teil, insbesondere in den USA und Japan, abzeichnenden Umdenkens der Notenbanken sind weitere Zinsrückgänge unwahrscheinlich. In einem möglichen Szenario steigender Kapitalmarktzinsen aber weisen klassische Anlegerportfolios aus Anleihen und defensiven Aktien aufgrund der Zinssensitivität beider Portfoliobestandteile keine sinnvolle Diversifikation mehr auf.

Daher stehen Anleger bei der sinnvollen Positionierung Ihres Portfolios vor einer besonderen Herausforderung, vor allem bei der Auswahl defensiver Positionen. Investitionsentscheidungen, die auf in der Vergangenheit erzielten Renditen getroffen werden, vernachlässigen die aktuellen Marktrahmenbedingungen und hinterfragen das Zukunftspotenzial nicht. Daher empfiehlt das Kölner Research-Team um Fondsmanager Eckhard Sauren die Hinzunahme von Absolute Return-Strategien, an deren langfristiger Attraktivität sich auch nach einem schwierigen Jahr 2016, insbesondere vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden Zinsfalle, nichts geändert hat. Eine breit gestreute Portfolioaufstellung besteht daher nicht nur aus den zwei zunehmend korrelierenden klassischen offensiven und defensiven Bestandteilen, sondern sollte um Absolute-Return-Strategien ergänzt werden, um für vielfältige Szenarien breit diversifiziert aufgestellt zu sein.

Daria Breuer ist PR Managerin der Sauren Gruppe.

17.12.2016 | 11:13

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