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Gute Perspektiven für europäische Aktien



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Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity, bewertet europäische Aktien positiv. Der schwache Euro stützt aus seiner Sicht die Exportwirtschaft, zudem bemerkt er, dass die Konsumausgaben steigen. Zudem habe sich das Leistungsbilanzdefizit in einen Überschuss verwandelt.

Die Eurokrise der Jahre 2010 bis 2013 hat die europäischen Peripherieländer zu massiven Anpassungen gezwungen. Nachdem nun die Weichen auf Erholung gestellt sind, lohnt sich laut Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity, ein genauerer Blick auf die dortigen Aktienmärkte. Doch auch anderswo in Europa seien ausgewählte Firmen weiterhin in der Lage, überdurchschnittliche Wachstumsraten zu erwirtschaften. „Wenn Investoren attraktive Renditen erzielen wollen, sollten sie daher sehr selektiv vorgehen“, erklärt der Experte.

„Europäische Aktien sind bereit für eine lebhafte Erholung“, sagt Niall Gallagher, Investment Director bei GAM. In den kommenden zwei bis drei Jahren dürfte das Gewinnwachstum europäischer Unternehmen stärker als erwartet ausfallen. Das gelte zumindest für Unternehmen, die wachstumsstark und zugleich attraktiv bewertet sind. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der europäische Aktienmarkt besser als andere Aktienmärkte entwickelt.

Die Konsumenten geben wieder Geld aus

„Die Eurozone hat das Schlimmste hinter sich. Gleich mehrere Faktoren bereiten nun den Nährboden für eine Erholung“, ist Gallagher überzeugt. Viele Strukturdefizite seien überwunden, das Leistungsbilanzdefizit habe sich in einen Leistungsbilanzüberschuss verwandelt und in mehreren Mitgliedstaaten seien die Staatshaushalte einem fiskalischen Primärüberschuss näher gekommen. „Für viele Länder war das ein schmerzhafter Prozess, der nun aber weitgehend beendet ist. Die Inlandsnachfrage ging zurück, weil sowohl der staatliche als auch der private Sektor die Ausgaben gekürzt hatten“, sagt Gallagher. Jetzt würden die Regierungen den Sparkurs lockern, die Konsumenten fingen wieder an, Geld auszugeben und in Folge beginne die Wirtschaft wieder zu wachsen. „Die stärkste wirtschaftliche Erholung sehen wir in Spanien und Irland“, sagt der Investment Director.

Auch das europäische Bankensystem habe während der vergangenen Jahre an Stärke zurückgewonnen. „Europas Banken können eine wachsende Kreditvergabe gewährleisten“, stellt Gallagher fest. Zudem unterstütze der gegenüber dem US-Dollar schwache Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte aus der Eurozone, und schließlich beschere der fallende Ölpreis sowohl den Unternehmen als auch den Konsumenten Kostenvorteile und stärke ihre Kaufkraft.

„Wir glauben, dass die Unternehmensgewinne aus diesen Gründen in Europa steigen werden und dass der Abstand zu den amerikanischen Gewinnen innerhalb der kommenden Jahre kleiner werden wird“, prognostiziert Gallagher. Allerdings gebe es in diesem grundsätzlich positiven Szenario auch einen Risikofaktor: Ein potentieller Austritt Großbritanniens aus der Eurozone würde den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhalt in der Europäischen Union schwächen, fürchtet Gallagher.

Der Energiesektor sollte die Talsohle erreicht haben

Investoren sollten genau prüfen, in welche Branchen sie investieren: „Unter der Oberfläche hat es in diesem Jahr eine deutliche und teuflische Rotation der Sektoren gegeben. Das kann noch eine Weile so weitergehen“, gibt Gallagher zu Bedenken. Der Bankensektor ist aus seiner Sicht unattraktiv und werde es auch bleiben. Die strukturell niedrige Eigenkapitalrendite der Branche ergebe sich aus dem strukturell niedrigen Bewertungsniveau. Seit dem Jahr 2007 hätten sich die Bewertungen der Branche halbiert. In der Metall- und Bergbauindustrie werde es bei Stahl, Eisenerz und vielen anderen Rohstoffen langfristig Überkapazitäten geben. Der Energiesektor dagegen sollte die Talsohle erreicht haben, meint Gallagher. „Unsere Analysen zeigen, dass Angebot und Nachfrage nach Öl 2016/2017 wieder ins Gleichgewicht kommen werden. Die Märkte haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich im Zeitverlauf selbst korrigieren“, sagt der Investment Director. Wenn der Ölpreis falle, gingen der Kapitaleinsatz und die Betriebsausgaben zurück, das wiederum führe zu einer geringeren Produktion. Somit kämen Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht.

18.05.2016 | 16:12

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