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Trump oder Clinton? Aussichten für Healthcare und Biotech bleiben jedenfalls gut!



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Das erste TV-Duell zu den Präsidentschaftswahlen in den USA brachte keinen klaren Sieger. Vieles – sogar bisher undenkbares – scheint möglich. Die BÖRSE am Sonntag sprach mit Michael Sjöström, Gründer und CIO der auf Anlagen im Gesundheitswesen spezialisierten Fondsboutique Sectoral Asset Management, über die Folgen des Wahlausgangs für die Healthcare- und Biotech-Branche.

BaS: Der US-Wahlkampf ist in vollem Gange. Auch wenn Themen wie Innere Sicherheit, Migration oder Wirtschaftsfragen im Vordergrund stehen, sind auch die hohen Medikamentenpreise in den USA Wahlkampfthema. Muss sich die Pharma- bzw. Biotechindustrie Sorgen machen?

Sjöström: Trotz negativer Presse und des Rummels um Medikamentenpreise halten wir bedeutsame Reformen in dieser Hinsicht für unwahrscheinlich. Beide Parteien im Kongress müssten dem zustimmen. Es spricht jedoch alles dafür, dass der Kongress auch nach der Wahl geteilt bleiben wird, was jeglicher Reform des US-Gesundheitswesens im Wege steht.

BaS: Was bedeutet ein Wahlsieg Clintons für die Healthcare-Industrie, welche Subsektoren (Generika, Medizintechnik, medizinische Dienstleistungen etc.) werden besonders  profitieren?

Sjöström: Wir rechnen damit, dass die medizinische Grundversorgung unter Clinton erschwinglicher und zugänglicher wird. Zuschüsse zu Krankenversicherungen und Auslagen dürften erhöht und mehr Bundesstaaten dazu ermutigt werden, den Zugang zu Medicaid zu erleichtern. Infolgedessen rechnen wir mit Rückenwind zugunsten großer Volumina, die durch eine stabile Preispolitik gestützt werden. Aus Investorensicht ist die anstehende Wahl eine „Value Story“,  Aktienselektion nach dem Prinzip ‘Outcomes at the right price‘ somit höchst bedeutsam. Optimal positioniert sind hier Unternehmen mit innovativen Heilmethoden und Therapieansätzen. Interessant sind aber auch kosteneffiziente Modelle der Gesundheitsversorgung: Managed Care, ambulante Pflegedienste und exklusive Healthcare-IT.

BaS: Wie wirkt sich ein Wahlsieg Trumps aus? Ist damit zu rechnen, dass der so genannte  Affordable Care Act (ACA), Stichwort „Obamacare“,  wieder aufgehoben wird?

Sjöström: Ein Wahlsieg Trumps bedeutet Volatilität am gesamten Markt, da seine Präsidentschaft Unsicherheiten birgt. Wir rechnen jedoch nicht mit einem Widerruf des ACA, selbst wenn er das wollte. Dafür fehlt ihm die Mehrheit im Kongress. Was aber noch schwerer wiegt: Politisch würde das Land tief erschüttert. Der Versicherungsschutz von mehr als 21 Millionen Amerikanern ginge verloren. Wir gehen letztlich davon aus, dass eine Trump-Regierung in weiten Teilen der republikanischen Doktrin folgen wird: mehr Wettbewerb und weniger politischer Einfluss auf das Gesundheitswesen.

BaS:  Gerade die Biotech-Industrie steht für innovative Therapieansätze: Doch das kostet Geld. Wird sich die Zahl von Innovationen, beispielsweise in der Alzheimer- und Krebsforschung, weiterhin positiv entwickeln? Welcher Kandidat steht eher für ein innovatives Klima?

Sjöström: Clinton hat explizit erklärt, wie ihre Regierung Innovationen in Hinblick auf Alzheimer fördern wird – wohl wissend um den wirtschaftlichen Schrecken der Krankheit. Alzheimer ist ein gutes und gleichzeitig düsteres Beispiel für ein bislang ungestilltes Bedürfnis. Wem es gelingt, den Verlauf der Krankheit zu verzögern oder gar umzukehren, wird die Preise am Markt diktieren können. Trotz Clintons Rhetorik zum Thema Medikamentenpreise und –transparenz hat sie versprochen, Wirkstoffinnovationen für Krankheiten zu fördern, die bislang nicht zufriedenstellend therapierbar sind. Aber auch die unternehmerfreundliche Einstellung Trumps spricht für zusätzliche Investitionen in diesem Bereich, auch wenn er sich in seinem Wahlprogramm nicht explizit dazu äußert.

BaS: Der Healthcare-Markt insgesamt, vor allem aber der Biotechsektor haben in den letzten Monaten eine ziemliche Berg- und Talfahrt hingelegt: Wie wird es in den nächsten Monaten weitergehen? Wie stehen die langfristigen Aussichten?

Sjöström: Je näher die Wahl rückt, desto volatiler werden sich beide Märkte präsentieren. Medikamentenpreise stehen grundsätzlich im Fokus der Öffentlichkeit und werden von Politikern gern genutzt, um auf Stimmenfang zu gehen. Wir rechnen dennoch mit einem starken Wachstum von Healthcare und Biotech. Die Bewertungen sind attraktiv und die Fundamentaldaten solide. Kursrücksetzer in Folge des Wahlkampfs sollten Anleger daher nutzen, um mittel- und langfristige Positionen aufzubauen. Interessant sind dabei vor allem Unternehmen mit innovativen und lebensrettenden Therapien und entsprechender Preismacht.

BaS: Aus Sicht von Healthcare-Investoren: Wer ist der bessere Präsident?

Sjöström: Schwer zu sagen, doch auf kurze Sicht dürfte Clinton unter Healthcare-Investoren mehr Anhänger haben. Trotz ihrer Kritik an den Arzneimittelpreisen zielt ihr Programm darauf ab, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Trump bedeutet in dieser Hinsicht mehr Unsicherheit, was kurzfristig auch die Märkte stärker verunsichern dürfte.

BaS: Und nun mal Hand aufs Herz: Wem drücken Sie persönlich die Daumen?

Sjöström: Wir sind unpolitisch, aber offen gesagt: Der amerikanische Wähler steht vor einer armseligen Entscheidung. Beide Kandidaten haben Charakterzüge, die einem doch erheblich zu denken geben. Wir sind nicht sicher, ob überhaupt einer der beiden einen guten Präsidenten abgeben wird.

BaS: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Sjöström.

27.09.2016 | 15:31

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