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Berlin


Horst Zielske und sein Sohn Daniel fotografieren seit 1993 im Team. Im Unterschied zur historischen Fotografie wollen sie mit ihren Bilder nicht nur dokumentieren, sondern sie bedienen sich oftmals einer poetischen Bildsprache, die von Kritikern als „poetische Sachlichkeit“ charakterisiert wird.

Es ist die einzigartige Inszenierung des Lichts, eingefangen in vielminütigen Dauerbelichtungen, und der scharfe chirurgische Blick für das Bühnenbildhafte in der Stadtlandschaft, was die Fotografie der Zielskes so herausragend macht. Wie Landschaftsmaler zeigen Vater und Sohn in diesem Werk anhand 58 großformatiger Fotografien die urbanen Strukturen auf, spielen mit dem Licht und inszenieren das Kulissenhafte der Metropole Berlin.

Ein magischer Realismus, der zeigt, was ist, und doch alles ganz anders erscheinen lässt. Denn die Ansichten, die bei den Reisen in die deutsche Hauptstadt entstanden, zeigen ein ganz eigenes Bild Berlins von seltener Intensität. Ein weitgehend menschenleeres Bild, in dem alles Klischeehafte fehlt.

Sauber sezieren die Fotokünstler die historischen Schichten und erzählen die Geschichten dieser Stadt. Die Gründerzeit und das Berlin der Nazis, das jüdische Berlin und das Berlin des Kalten Krieges, das Berlin der Moderne und der Postmoderne, die Hauptstadt der DDR und Westberlin – und schließlich das Berlin der Nachwende mit seinen prunkenden Glasbauten.

Horst und Daniel Zielske ist es durch ihren Erzählansatz und ihre besondere Bildsprache gelungen, der meist fotografierten Stadt Deutschlands vollkommen neue Facetten abzugewinnen und in ihren Bildern die Geschichte Berlins ungemein bewegend zu erzählen.

Eckdaten:

Berlin

H. und D. Zielske

Verlag: Kunth Verlag

Ausgabe: 112 Seiten

Sprache: Deutsch

ISBN: 978-3-86859-180-4

Preis: 68,00 Euro

www.kunth-verlag.de

01.02.2013 | 00:00

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