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Die teuersten Auktionen der Welt

Der stellvertretende Sotheby’s-Chef David Redden

Der stellvertretende Sotheby’s-Chef David Redden zeigt die 1-Cent-Magenta von 1856 aus British Guiana.

Bild von Andy Warhol

Andy Warhol: „Death and Disaster“.

Bild von Edward Hopper

Edward Hopper: „East Wind Over Weehawken“.

Das Bay Psalm Book, 1640 in Nordamerika gedruckt.

Der Apple I von 1976.


Eine 1-Cent-Frankatur aus dem 19. Jahrhundert hat einen Weltrekord gebrochen: Sie wurde für 9,5 Millionen Dollar in New York versteigert und ist damit die teuerste Briefmarke aller Zeiten. Ein Blick auf die spektakulärsten Auktionen der Welt. Wie das Auktionshaus Sotheby's mitteilte, wurde die legendäre British Guiana One-Cent Magenta von 1856 abermals in New York versteigert: diesmal für 9,5 Millionen Dollar, umgerechnet 7,0 Millionen Euro.

Es ist das vierte Mal, dass sie in ihrer langen Geschichte den Auktionsrekord für eine einzelne Briefmarke erobert hat. Der Käufer wollte laut Sotheby's anonym bleiben. Der stellvertretende Vorsitzende von Sotheby's, David Redden, bezeichnete die Auktion als „wahrhaft großen Moment für die Welt der Briefmarkensammler“. Die 2,5 mal 3,2 Zentimeter One-Cent Magenta war seit 1986 nicht mehr öffentlich zu sehen. Es ist die einzige wichtige Briefmarke, die in der privaten Briefmarkensammlung der britischen Königsfamilie fehlt. David Beech, der frühere Kurator der Britischen Bibliothek, sagte, ein Kauf dieser Briefmarke sei mit dem des berühmten Gemäldes der „Mona Lisa“ vergleichbar.

War die Nachricht von der teuersten Briefmarke eher eine Seltenheit, so sind die Nachricht aus dem Bereich der modernen Gemälde schon eher im Bereich des Erwarteten. Zwei Werke aus Andy Warhols Serie „Death and Disaster“ haben bei einer Auktion in New York zusammen mehr als 100 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) erlöst. „Race Riot, 1964“ wechselte am 13. Mai bei Christie's in New York für 62,9 Millionen Dollar den Besitzer und brachte damit weit mehr als die zuvor geschätzten 45 Millionen. Auch Warhols „White Marilyn“-Gemälde, das kurz nach dem Selbstmord von Marilyn Monroe im Jahr 1962 entstanden war, lag mit 41 Millionen Dollar mehr als 20 Millionen über dem erwarteten Erlös.

Ein Gemälde des US-Malers Edward Hopper ist in New York für umgerechnet 30 Millionen Euro versteigert worden. Das ist der höchste Auktionspreis, der je für ein Werk des New Yorker Künstlers erzielt wurde, wie Christie's mitteilte. Unter den Hammer kam das melancholische Gemälde „East Wind Over Weehawken“ von 1934, das eine vom Hudson River umsäumte Straße in einer Stadt in New Jersey zeigt. Sein Schätzwert lag zwischen 22 Millionen (rund 16,1 Millionen Euro) und 28 Millionen Dollar. Der Verkaufserlös soll in die Schaffung einer neuen Stiftung der Kunstakademie von Pennsylvania fließen, in deren Besitz sich das Gemälde bislang befand. Der Käufer von „East Wind Over Weehawken“ blieb anonym.

Das „Bay Psalm Book“ hat den Rekord für das teuerste gedruckte Buch gebrochen. Für knapp 14,2 Millionen Dollar (10,5 Millionen Euro) wurde eines der letzten Exemplare des ersten auf dem Gebiet der heutigen USA gedruckten Buches in New York versteigert. Dabei verfehlte das 1640 gedruckte Buch der Psalmen allerdings die Erwartungen von Sotheby's. Das Auktionshaus hatte einen Schätzwert von 15 bis 30 Millionen angegeben. Damit hätte das seltene Werk das teuerste Buch der Welt überhaupt werden können. Das bleibt nun aber „Codex Leicester“ mit Notizen, Skizzen und Zeichnungen von Leonardo da Vinci. Dafür zahlte Microsoft-Gründer Bill Gates vor 19 Jahren 30,8 Millionen Dollar. Die gebundenen Blätter sind aber handgeschrieben.

Großer Aufmerksamkeit erfreuen sich auch rare und bedeutende Kommunikationsmittel. Das „Bay Psalm Book“ zum Beispiel ist eine englische Übersetzung des im Original hebräischen „Buches der Psalmen“ aus dem Alten Testament. Es ist handgebunden, elf der einst 1700 Exemplare sind bis heute erhalten. Gekauft wurde das Werk vom Investmentbanker und Milliardär David Rubenstein. Der Philanthrop aus den USA gab bekannt, dass er das Buch mit der Öffentlichkeit teilen wolle. Es solle zum Beispiel in Museen ausgestellt werden und für jedermann zugänglich sein.

Einer dieser ersten Apple-Computer aus dem Jahr 1976 ist dagegen ein Klassiker der modernen Kommunikation. Er hat bei einer Auktion in Köln gut eine halbe Million Euro eingebracht. Die 516.461 Euro sind ein neuer Rekord für einen Apple I, der Käufer aus Fernost wolle anonym bleiben, teilte das Kölner Auktionshaus Breker mit. Es sei einer von nur sechs weltweit bekannten noch funktionierenden Apple-Computern der ersten Baureihe. Der Apple I wurde von Steve Jobs und Steve Wozniak in der Garage von Jobs' Eltern zusammenbauten. Er bestand nur aus der Platine und hatte weder Gehäuse noch Tastatur oder Monitor. Der Preis betrug damals 666,66 Dollar. Der am Samstag verkaufte Apple I trägt eine Signatur von Wozniak und ihm liegt ein Brief von Jobs bei. Schon im vergangenen Herbst kam ein Apple-I-Set bei dem Auktionshaus auf gut 490 000 Euro.

Handelsblatt / WiWo online / Bilder: dpa, ap

24.06.2014 | 20:03

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