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Paradise Now


Paradise Now, das im März dieses Jahres im Hatje Cantz Verlag erschienen ist, zeigt sowohl inszenierte als auch vom Stadtwachstum unberührt gelassene Naturfragmente am Rande der künstlich beleuchteten Infrastruktur jener asiatischen Großstädte, deren Lichter ein unwirkliches, surreales Ambiente schaffen, das zum Teil auf Naturausbeutung, Dekadenz und Unvernunft beruht. Beispielsweise fotografiert der Autor Dschungelidyllen, die im Hintergrund schimmernde Hochhäuser zeigen – ein Zeichen für den Übergriff der Zivilisation in die unberührte Natur.

Die Lichter der Großstadt folgen im Unterschied zum natürlichen Licht keiner Richtung, die künstlichen Sonnen aus Natriumdampflampen, Autoscheinwerfern und angestrahlten Wolkenkratzern bilden eine Art “Vernacular Light“, welches das städtische Super-Grün zwischen hyperreal und surreal changieren lässt. Die Bilder zelebrieren das üppige Grün als Zeichen der Hoffnung, werfen aber auch die Frage auf, ob wir dieses Leuchten angesichts der prognostizierten Klimakatastrophe überhaupt noch verantworten wollen. Niemals zuvor waren unsere Städte so hell; in Zukunft werden sie nicht mehr so strahlen können. Bialobrzeskis Fotos, in denen eine Künstlichkeit, Märchenhaftigkeit und Schönheit steckt, sollen daran erinnern, dass Dekadenz und Unvernunft immer ziemlich gut aussehen und ein pfleglicherer Umgang mit natürlichen Ressourcen in unserer Zeit geboten ist.

Paradise Now

Peter Bialobrzeski
Verlag: Hatje Cantz
Gebundene Ausgabe: 132 Seiten
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN: 978-3-7757-2332-9
Preis: 58,00 Euro
www.hatjecantz.de

03.11.2009 | 00:00

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