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Seattle Art Fair gibt selbstbewusstes Debüt

Seattle Art Fair mit einer Fotographie von Clifford Ross

Clifford Ross: "Hurricane LXII", 2009, Silbergelatine Print. Quelle: Ryan Lee, New York

Seattle Art Fair: Aktuelles Werk von Gaylen Hansen, Two Dogs - One White One Black, Acryl auf Leinwand

Gaylen Hansen: "Two Dogs (One White One Black)", 2015, Acryl auf Leinwand. Quelle: Linda Hodges Gallery, Seattle

Bronzeskulptur Yume Lion von TAkashi Murakami auf der Seattle Art Fair

Takashi Murakami Bronzeskulptur "Yume Lion" (The Dream Lion), 2009. Quelle: 2015 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co., Ltd., All Rights Reserved. Courtesy Gagosian Gallery. Foto: Robert McKeever


Große Tech-Unternehmen, allen voran Microsoft und Boeing, bescheren Seattle rasantes Wachstum und bereiten den Nährboden für eine neue Kunstmesse. Gleich die erste Ausgabe der Seattle Art Fair lockt namhafte Galeristen an. Doch die Stadt an der Nordwestküste will nicht nur Marktplatz sein und bietet deshalb auch eine Fülle von Kunstausstellungen.

Gleich in ihrer ersten Ausgabe überrascht die Seattle Art Fair mit großen Namen. Gagosian, James Cohan, Pace oder Zwirner kümmern sich für gewöhnlich nicht um lokale Messen. Sie reihen sich vom 30. Juli bis 2. August 2015 aber unter die 61 Aussteller in der Mehrzweckarena CenturyLink Field. Es lockt offenbar ein neuer Goldrausch im pazifischen Nordwesten. Das derzeit wieder rasant wachsende Seattle, im 19. Jahrhundert Tor zu den Goldfeldern am Klondike, verdankt den aktuellen Boom der Fortune der hier angesiedelten 500 Unternehmen wie Microsoft, Costco, Starbucks und vor allem Tech-Giganten wie Amazon.

Neue Technologie ist dementsprechend auch im Bild der Messe gut vertreten. Es gibt einen eigenen Sektor “Creative Lab”, aber es reiste auch die auf neue Medien spezialisierte bitforms gallery (New York) an und die Pace Gallery (New York) bringt digitale Kunst des multidisziplinären japanischen Kollektivs teamLab mit. Bis auf vier asiatische Teilnehmer kommen alle Händler aus den USA. 26 Galeristen repräsentieren die Szene an der Westküste. Allein 13 von ihnen sind in Seattle selbst angesiedelt. 20 Händler stoßen aus New York dazu. Gezeigt wird überwiegend zeitgenössische Kunst. Aber auch Donald Ellis (New York), bekannter Spezialist für antike nordamerikanische Stammeskunst ist dabei.

Microsoft-Mitbegründer als Partner

Messeveranstalter Art Market Productions aus Brooklyn, New York, betreibt bereits sechs kleine Messen in San Francisco, Bridgehampton, Miami, New York und Houston. Für Seattle hat er aber ganz aber besonders ehrgeizige Pläne und sicherte sich einen gut vernetzten lokalen Partner: das Beteiligungsunternehmen Vulcan des visionären Microsoft-Mitbegründers Paul G. Allen. Allen ist nicht nur wichtiger Kunstsammler und Philantrop, sondern revitalisierte durch seinen Immobilienarm das ehemalige Gewerbegebiet South Lake Union. Dort befindet sich nun die Zentrale von Amazon. Allens Kurator Greg Bell, der damals Kunstwerke für den öffentlichen Raum in dem Bezirk auswählte, gestaltet auch das ebenso wichtige Rahmenprogramm der Messe mit.

Inspiriert von internationalen Biennalen sollen sich temporäre Ausstellungen über die ganze Stadt erstrecken. Ausdrücklich will man sich damit von dem Einmal-Effekt der Art Basel Miami Beach absetzen und gleichzeitig Seattles Anspruch als Mitspieler in der globalen Kunstlandschaft anmelden. Handelsblatt / Barbara Kutscher

03.08.2015 | 19:00

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