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500.000 US-Dollar für den Ur-Apple

Das Besondere an dem versteigerten Apple I: Das Gehäuse besteht aus dem Holz der auf Hawaii heimischen Koa-Akazie (Foto: picture alliance / Cover Images | John Moran Auctioneers/Cover Images).



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45 Jahre alter PC mit Holzverkleidung: Ein seltenes Exemplar des Apple I ist in Kalifornien versteigert worden.

Wer findet, dass das MacBook teuer ist, der wird staunen: Es geht noch deutlich hochpreisiger. Bei einer Auktion in Kalifornien wurde kürzlich ein Apple I für 500.000 US-Dollar (etwa 443.700 Euro) inklusive Gebühren versteigert. Der Apple-Computer ist bereits 45 Jahre alt, mit Holz verkleidet und zählt zu den raren Exemplaren der ersten PCs der Welt. Und funktionsfähig ist er auch noch.

Mehr Retro bei einem Computer geht wohl kaum: Den versteigerten Apple I umhüllt ein Gehäuse aus Holz, genauer der nur auf Hawaii heimischen Koa-Akazie. Der Computer zählt zur ersten Serie von Apple, die Steve Jobs und Steve Wozniak zu Beginn ihrer Karriere 1976 in einer Garage herstellten. Auf dem Computer mit Holz-Gehäuse steht ein kleiner Monitor von 1986, ein Panasonic TR-930U. Zum Rechner mitsamt Monitor gehören eine zeitgenössische Kopie der ursprünglichen Bedienungsanleitung, Software auf Kassetten, alle Kabel, ein Programmierhandbuch sowie handschriftliche Inhaltsverzeichnisse für den Inhalt der Datasetten. Mit diesem Zubehör erzielte der Apple I bei einer Auktion ein Höchstgebot von 400.000 US-Dollar, zusammen mit einer Auktionsprovision von 25 Prozent lag die Gesamt-Kaufsumme bei 500.000 US-Dollar.

Dass der Ur-Apple für solch eine hohe Summe unter den Hammer kam, liegt an seiner Historie: Der Apple I war der erste Computer, den das Unternehmen ab 1976 vermarktete und mit 666,66 US-Dollar Kaufpreis damals für Privathaushalte erschwinglich war. Zudem wurde der Einplatinenrechner erstmals direkt mit allen benötigten Anschlüssen ausgestattet, um ihn auf moderne Weise per Tastatur und Monitor zu bedienen. Die Apple-Gründer Wozniak und Jobs hatten den Apple I eigenhändig zusammengebaut und produzierten insgesamt 200 Exemplare. Heute gibt es davon noch 60 Stück, von denen 20 funktionstüchtig sind.

Der Apple I gilt als einer der frühesten Rechner, die noch vor der sogenannten Heimcomputer-Revolution im Jahr 1977 auf den Markt kamen. Jobs und Wozniak hatten 1976 eigens die Firma Apple gegründet, um Desktop-Rechner für den Heimanwendermarkt anbieten zu können – zu dieser Zeit ein weitgehend unvorstellbarer Gedanke. Im April 1976 stellten die Firmengründer den Apple I erstmals als Computerbausatz vor, ehe sie ein Jahr später mit dem Nachfolgemodell Apple II den Durchbruch auf den Massenmarkt schafften. Die 200 von Jobs und Wozniak gefertigten Apple I verkauften sie an interessierte Hobbyisten, die diese häufig in eigene Gehäuse einsetzten. Nach Angaben des Auktionshauses beschloss ein Elektronikhändler namens Paul Terrell, der rund 50 Computer bestellte, einige davon mit Holz zu verkleiden. Sechs Apple I mit Holzverkleidung existieren heute noch.

Laut Auktionshaus gehörte der nun versteigerte Apple I, der sogenannte “Chaffey College“, nur zwei Menschen. 1976 hat ihn ein Professor für Elektrotechnik am Chaffey College im kalifornischen Rancho Cucamonga erworben und 1977 an einen Studenten weiterverkauft. Laut einem Artikel der „Los Angeles Times“ zahlte der Student damals 650 US-Dollar und behielt das Gerät über 40 Jahre bis zur jetzigen Versteigerung.

Trotz des horrenden Verkaufspreises bei der Auktion blieb der Rechner der ersten Stunde unter dem Schätzwert des Auktionshauses John Moran von 600.000 US-Dollar. Auch wenn er etwas günstiger den Eigentümer wechselte: Ein Schnäppchen ist das mit Akazienholz verkleidete Modell beileibe nicht. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen MacBooks dann doch nicht so teuer.

Vera König

10.01.2022 | 13:01

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