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Das wertvollste Auto der Welt

(Bild: Shutterstock / VanoVasaio)



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Ein Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé aus dem Jahr 1955 wird für den Rekordpreis von 135 Millionen Euro an einen privaten Sammler versteigert – und zwar von Mercedes-Benz selbst. Was machen die mit dem Geld?
 
Unter Autofans gilt er als eines der herausragendsten Beispiele für Automobilkonstruktion und -design: der 300 SLR Uhlenhaut Coupé, benannt nach seinem Schöpfer, dem legendären Chefingenieur Rudolf Uhlenhaut, der 1989 gestorben ist. Diese Ikone der Automobilgeschichte ist eine absolute Rarität und einer von nur zwei Prototypen, die 1955 gebaut wurden. Seit jüngstem ist der Oldtimer von Mercedes-Benz das wertvollste Auto der Welt. Der silberne Sportwagen wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Auktionshaus Sotheby’s für eine Rekordsumme von 135 Millionen Euro versteigert. Zuvor hielt ein Ferrari 250 GTO den Rekord, der 2018 für 48 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Weit abgeschlagen, wie die Italiener zähneknirschend eingestehen müssten.

Die Versteigerung fand bereits Anfang Mai im Museum von Mercedes-Benz in Stuttgart statt. Mercedes hatte für die Auktion das Gebäude extra geschlossen. Man wollte unter sich bleiben, was insbesondere dem erlauchten Bieterkreis wichtig gewesen sein dürfte. Manch ein Scheich hängt sein Hobby offenbar ungern an die große Glocke und es lockt ja auch Neider, oder schlimmer noch: Diebe an, wenn bekannt ist, wo das wertvolle Stück künftig in der Garage steht. Nach Informationen, die öffentlich zugänglich sind, gehörten zum handverlesenen Kreis zugelassener Bieter Industrielle aus dem europäischen Ausland. Ein Bieter war vor Ort, die anderen wurden digital zugeschaltet. Wer der Käufer ist, möchte das Unternehmen nicht mitteilen. Es handelt sich aber laut Autobauer um eine Privatperson.
 
„Die 300 SLR Uhlenhaut Coupés sind Meilensteine der Sportwagen-Entwicklung und wichtige historische Eckpfeiler unserer Marke. Die Entscheidung, einen der beiden einzigartigen Sportwagen zu verkaufen, wurde wohl überlegt getroffen zugunsten eines guten Zwecks“, sagt Mercedes-Chef Ola Källenius. Mit dem Erlös aus der Versteigerung soll ein Klimaschutz-Fonds eingerichtet werden, der Bildungs- und Forschungsstipendien für junge Menschen weltweit finanzieren soll. Källenius will eine neue Generation ermutigen in die „innovativen Fußstapfen von Rudolf Uhlenhaut zu treten und großartige, neue Technologien zu entwickeln.“ Die 135 Millionen Euro dienen den Angaben zufolge als Startkapital, der Konzern werde in den nächsten Jahren mehr Geld besteuern. Der symbolträchtige Verkauf war intern durchaus umstritten, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das Vorstandsmitglied Renata Jungo Brüngger räumte ein, dass es im Unternehmen verschiedene Meinungen über den Verkauf der Rarität gegeben habe. Der private Käufer habe aber zugestimmt, das 300 SLR Uhlenhaut Coupé auch nach dem Verkauf für die Öffentlichkeit zu besonderen Anlässen zugänglich zu machen. Das zweite originale 300 SLR Coupé soll weiter im Firmenbesitz und im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ausgestellt werden.

Uhlenhaut war Leiter der Personenwagen-Entwicklung von Mercedes-Benz, wozu auch die Rennsportabteilung gehörte, und damit auch Vater des 300 SL und der W 196 R Silberpfeile. Er gilt als jemand mit besonderem Faible und Gespür für Geschwindigkeit, wovon zahlreiche Anekdoten überliefert sind. So soll sich Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio einmal während eines Lunches bei Uhlenhaut darüber beschwert haben, dass sein Wagen noch nicht optimal abgestimmt sei. Uhlenhaut stand vom Tisch auf, setzte sich selbst in Anzug und Krawatte ans Steuer und absolvierte den Kurs des Nürburgrings drei Sekunden schneller als Fangio. Er müsse halt noch ein bisschen üben, sagte Uhlenhaut anschließend grinsend zu ihm.
 
FS

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20.06.2022 | 16:48

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