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Die Concorde wird neu geboren

(Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited)



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United Airlines bestellt 15 Überschalljets beim US-Startup Boom Supersonic. Nachhaltiger Treibstoff soll das Gewissen beruhigen.

n nur vier Stunden von Frankfurt nach New York. Für die einen klingt es gruselig, für die anderen wie ein wahr gewordener Traum: Geschäftsreisen an nur einem Tag. Morgens hin, abends zurück. Schneller als der Schnall. Einen Riesenauftrag für den möglichen Concorde-Nachfolger gibt es jetzt jedenfalls. Mit „Overture“-Jets von Boom Supersonic, einem 2014 gegründeten US-Unternehmen aus Denver, will United Airlines die Ära der Überschallflüge wieder aufleben lassen und ordert deshalb 15 Stück, die jeweils 50 bis 60 Passagiere befördern könnten. Das neue Flugzeug befindet sich noch in Entwicklung, doch in nur wenigen Jahren könnten Reisende bereits um die Welt jetten.

Wegen des hohen Treibstoffverbrauchs blieb die britisch-französische „Concorde“ ihrerzeit absolut unrentabel. Mit riesigem Aufwand zogen die Europäer ihr Projekt trotzdem durch, wichtig für das Ansehen, wirtschaftlich ein Flop. Seit dem Aus des Flugzeugs im Jahr 2003, das mit Mach 2 den Atlantik überquerte, gab es kein vergleichbares Vorhaben mehr. United Airlines will es dennoch versuchen – umweltverträglich, mit nachhaltigem Treibstoff und rentabel, kündigt die Fluggesellschaft an. Zwar wird das neue Flugzeug pro Passagier drei bis fünfmal mehr CO2 ausstoßen als ein konventioneller Flieger auf gleicher Route und nach Schätzungen der Wissenschaftler des International Council on Clean Transportation (ICCT) fünf- bis siebenmal mehr Treibstoff je Passagier verbrauchen, aber laut Fluggesellschaft kein Problem, denn: Boom verspricht, „Overture“ als erstes Verkehrsflugzeug überhaupt so zu konstruieren, dass es zu 100-prozentig mit nachhaltigem, synthetischen Kraftstoff fliegen kann.

Die Krux: Von diesem synthetischen Kraftstoff gibt es bisher viel zu wenig und die Produktion ist viel teurer als bei Kerosin. Laut ICCT reicht die Menge des in der gesamten EU vorhandenen nachhaltigen Treibstoffes nicht einmal für alle 15 Jets aus. Kritiker sehen sich mit diesem Argument bestärkt und werfen United Airlines Greenwashing vor. Einen Kaufpreis für die Überschall-Jets, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 1,7 Mach deutlich langsamer fliegen als die einstige Concorde, nannten Airline und Flugzeugbauer nicht. Voraussetzung für einen Kauf der Maschinen sei aber, so United, dass die Anforderungen der Fluggesellschaft bezüglich Sicherheit, Betrieb und Nachhaltigkeit erfüllt werden. Man wird sehen.          

FS

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14.07.2021 | 17:00

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