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Aufstieg und Fall der Technologiekonzerne

Die Elektronikriesen Sharp und Nokia kämpfen um ihr nacktes Überleben. Sony und Panasonic schreiben tiefrote Zahlen. Apple und Samsung hingegen eilen von einem Rekord zum nächsten. Wie eng Erfolge und Pleiten im Technologiesektor beieinanderliegen, musste jüngst auch Google erfahren. Welche Tech-Werte sind jetzt noch interessant?

BÖRSE am Sonntag

Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt waren Yahoo und Sony auf ihrem jeweiligen Gebiet das Maß aller Dinge. Die Japaner dominierten die Unterhaltungselektronik in jeglicher Hinsicht und drängten amerikanische und europäische Traditionskonzerne reihenweise aus dem Markt. Auf dem gerade in seiner Entstehung begriffenen Internet-Sektor spielten hingegen ausschließlich junge amerikanische Firmen eine Rolle und auch auf dem Software-Markt waren die Rollen klar verteilt: Erst kam Microsoft und dann lange nichts.

Sony, Sharp & Co. vor dem Knock-out

Heute sieht die Welt nicht nur in der Unterhaltungselektronik ganz anders aus. Die einstige Vorzeigebranche der japanischen Industrie steckt in einer existenziellen Krise. In der vergangenen Woche meldete Sharp, dass das Unternehmen im zweiten Quartal netto und operativ schwere Verluste verbuchen musste und unter einem massiven Cashflow-Problem leidet: „Das stellt die Fortführung unseres Unternehmens erheblich infrage“, erklärte der Konzern am Donnerstag. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Rekordverlust, obwohl man eigentlich in einer Zukunftstechnologie gut aufgestellt ist: Sharp ist der größte japanische Hersteller der in Smartphones, Tablets und Fernsehern verbauten Flüssigkristall-Bildschirme. Zuvor hatten bereits Panasonic und Sony hohe Verluste melden müssen. Die Panasonic-Aktie verlor kurz nach der Bekanntgabe 20% an Wert. Allein in den letzten zwölf Monaten büßten die Papiere der beiden Firmen rund 45% ihres Wertes ein.

Die k. u. k. Monarchie

Die neuen Schwergewichte in der Unterhaltungselektronik sind Apple und Samsung. Die Kalifornier sind bei Umsatz und Rentabilität derzeit das Maß aller Dinge: Mit dem Bericht für das dritte Quartal wurde im Juli erneut ein Rekordergebnis vorgelegt, denn nie waren Umsatz und Gewinn in einem dritten Quartal höher. Insgesamt wies Apple einen Umsatz von 35 Mrd. US-Dollar aus, das entspricht einem Plus von 22% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal. Der Gewinn legte um 20,5 auf 8,8 Mrd. US-Dollar zu. Doch offenbar hegen zahlreiche Anleger Zweifel daran, dass sich die Rekordjagd fortsetzen lässt. In den letzten Monaten ist der Aktienkurs von Spitzenwerten bei ca. 540 Euro auf rund 460 Euro deutlich zurückgekommen. In Sachen Stückzahl hat auf dem viel beachteten Smartphone-Markt ohnehin die koreanische Samsung die Nase vorn: Laut den aktuellen Zahlen, die das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) auf seiner Webseite veröffentlicht, liegt der Marktanteil der Südkoreaner bei 31,3%. Auch bei Umsatz und Gewinn sind die Koreaner spitze. An dem Duo aus Kalifornien und Korea kommt so schnell keiner vorbei.

Pleiten, Pech und Pannen

Der einstige Marktführer Nokia taucht in der Liste der Top 5 erstmals nicht mehr auf. Ein entsprechendes Bild bietet auch der Aktienkurs: In den letzten drei Jahren verlor der Wert um über 77%! In den letzten drei Monaten hat sich der Titel jedoch stabilisiert. Wer Anfang August Nokia-Aktien erworben hat, kann sich heute über einen Gewinn von fast 10% freuen – während Apple-Jünger, die Anfang August eingestiegen sind, auf Verlusten von über 7% sitzen. Zwar ist der Vergleich nur eine Momentaufnahme, er zeigt jedoch deutlich, wie schnell sich der Wind im Technologiesektor drehen kann. Davon können mittlerweile auch die erfolgsverwöhnten Google-Investoren ein Lied singen. Nicht genug damit, dass es bei der Veröffentlichung der jüngsten Quartalsergebnisse eine Panne gab, diese fielen auch noch deutlich schlechter aus als erwartet. Der Aktienkurs sank daraufhin in kürzester Zeit um 10%. Auf Sicht der letzten zwölf Monate beträgt das Plus trotzdem komfortable 22%. Henning Wagener, Analyst bei AC Research, rät in einer Analyse zum Kauf von Google-Aktien: „Auf diesem Kursniveau erscheint der Titel mit einem KGV 2013e von knapp 15 vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Wachstumspotenziale nach wie vor relativ moderat bewertet.“

Aussichtsreiche Tech-Stocks

Apropos Bewertung. Informationstechnologiewerte sind nach Ansicht von Sam Stovall, Leiter Anlagestrategie bei S&P, mit einem Bewertungsabschlag von knapp 5% gegenüber dem S&P 500 deutlich unterbewertet. Im Interview mit dem US-Magazin „Forbes“ zeigte er sich von den Aussichten überzeugt: „Für die Titel aus der Informationstechnologiebranche erwartet die S&P-Capital-IQ-Abteilung in den Jahren 2012 und 2013 ein überdurchschnittliches KGV-Wachstum“, so Stovall. „Die anstehende Einführung neuer Produkte und eine Anhebung der Dividenden lassen den Sektor attraktiv erscheinen“, so Stovall weiter. Seine drei Top-Favoriten sind der Software-Riese Microsoft, der Mobilfunktechnologieanbieter Qualcomm und der Datenspeicherspezialist EMC. Auch der Fondsmanager des Franklin Technology Fonds,  JP Scandalios, ist von den Aussichten der Branche überzeugt:  „Nach Berechnungen von Franklin Templeton übertrafen im ersten Quartal 2012 über 70% der Technologieunternehmen ihre Prognosen. Bei einer stabilen oder auch sich leicht verbessernden Konjunktur dürften diese Unternehmen überdurchschnittlich wachsen. Insbesondere der Boom bei Smartphones und Tablet-PCs bringt einen Schub in der Technologiebranche, aber auch Cloud Computing und neue Verfahren der Datenanalyse haben durchaus Potenzial.“   

Achtung Falle!

Hüten sollten sich Anleger jedoch vor Einzeltiteln, die im Zuge von Trends auf exorbitante Bewertungen getrieben werden. Ein Beispiel hierfür ist das genannte Thema Cloud Computing. Firmen wie Netapp (WKN: A0NHKR), Carbonite (WKN: A1JJ44) und Acme Packet (WKN: A0LBT5) konnten im Zuge des Hypes zunächst deutlich zulegen. Als sich jedoch zeigte, dass nicht jede Firma, die auf dem Gebiet tätig ist, aufgekauft wird, stürzten die Kurse wieder ab. Die Titel von Netapp verloren innerhalb der letzten zwölf Monate um 26%, Carbonite um 37% und Acme Packet um über 50%! Wie hoch die Erwartungen sind, zeigt ein Blick auf die Relationen des Rechenzentrumbetreibers Equinix (WKN: 165241): Innerhalb der letzten zwölf Monate hat sich der Wert des Papiers verdoppelt – das KGV liegt nun bei luftigen 92.

Online Payment wächst weiter

Dieses exorbitante Verhältnis ist keineswegs ein Einzelfall. Bei facebook liegt das KGV – trotz des zwischenzeitlichen Kursrückgangs – bei stolzen 197 und amazon ist bei einem Börsenwert von über 100 Mrd. Dollar zuletzt sogar wieder in die Verlustzone gerutscht. Mit einem KGV von 16 wirkt der Online-Marktplatz eBay da schon fast wie ein Schnäppchen. Dies gilt umso mehr, als der E-Commerce-Spezialist seinen Umsatz im ersten Quartal des laufenden Jahres mit +28,7% sogar stärker steigern konnte als Google (24,1%). Die Tochter PayPal leistete hierzu einen nicht unwesentlichen Beitrag. Auch die Analysten bewerten die Aktie daher mittlerweile wieder überwiegend positiv. Das Thema Online Payments und mobile Bezahlverfahren ist dabei auch abseits von PayPal ein äußerst spannendes Geschäftsfeld. Als Pure Play bieten sich hier die Aktien von ACI Worldwide (WKN: A0MXU1) und Wirecard  (WKN: 747206) an.

Fazit

Die Hightech-Branche befindet sich in einem stetigen Wandel. Wohl nirgendwo sonst vollziehen sich Auf- und Abstieg in so kurzen Zyklen. Wer gestern, wie Nokia und RIM, noch ganze Märkte dominierte, kann morgen bereits bedeutungslos geworden sein. Von Stock-Picking ist aufgrund der hohen Bewertungsniveaus einiger Titel sowie der Komplexität der Märkte abzuraten. Ausgewählte Zertifikate, Branchenfonds oder ETFs bieten dagegen eine gute Möglichkeit, von neuen Technologien und den exorbitanten Margen der Marktführer zu profitieren.