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Das Inflationsschutzschild für Ihr Geld

Nicht nur der Kurs der EZB ist umstritten. Auch an der Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, dass die Europäische Zentralbank alles Notwendige tun werde, um den Euro zu erhalten, scheiden sich die Geister. In Deutschland fürchtet man sich vor allem vor einer ausufernden Inflation. Anleihen, die einen etwaigen Kaufkraftverlust ausgleichen, kommen da gerade recht.

BÖRSE am Sonntag

Fest steht derzeit nur: Die Geldmenge und die Verschuldung der westlichen Industriestaaten sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Gleichzeitig wurden die Zinsen drastisch gesenkt. Die Gründe für diese Entwicklung sind der Kampf gegen die Finanzkrise und die daraus resultierende Schuldenkrise.

Inflation, ja oder nein?

Für die überwiegende Mehrheit ist das Ergebnis dieser Vorgehensweise klar: Viel billiges Geld führt unweigerlich zu einer hohen Inflation. Unter Experten ist dies jedoch zumindest umstritten. So meldete Bundesbankchef Jens Weidmann immer wieder Zweifel am Kurs der Europäischen Zentralbank an: „Im weiteren Verlauf artet das Treiben in Inflation aus und das Geldwesen wird infolge der rapiden Geldentwertung zerstört“, so Weidmann. Selbst in den USA – dem Vorreiter auf diesem Gebiet – gibt es kritische Stimmen. So äußerte sich der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Richard Fisher, zur Geldpolitik in den USA kürzlich wie folgt: „Wir haben einen starken Anstieg der Inflationserwartungen gesehen. Wenn man dem freien Lauf lässt, werden wir meiner Einschätzung nach eine entsprechende Reaktion der Märkte erleben“, so Fischer gegenüber Bloomberg Radio.

Kurzfristig Entwarnung

Demgegenüber sieht Stephan Kuhnke, Leiter Portfoliomanagement des Anleihenmanagers Bantleon, keine größeren Probleme auf uns zukommen: „Beim Thema Inflation wird oft Angst geschürt“, so Kuhnke in einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“. Von den Milliardenbeträgen, die die EZB bereits ins Finanzsystem gespült hat, gehe derzeit keine Inflationsgefahr aus, weil die Liquidität nicht bei den Konsumenten in Form von neuen Krediten ankomme, sondern bei Banken beziehungsweise der EZB geparkt werde, so Kuhnke. Auch weitere Eingriffe fürchtet er nicht: „Selbst wenn die EZB jetzt wieder beginnen sollte, Staatsanleihen von Krisenstaaten aufzukaufen, geht hiervon keine Gefahr aus, da sie die zusätzliche Liquidität über wöchentliche Refinanzierungsgeschäfte sterilisiert.“ Ähnlich äußert sich der renommierte Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau: „Aufkaufprogramme durch Zentralbanken können unter bestimmten Umständen durchaus Inflation schaffen. Aber diese Umstände sind nicht gegeben.“ Auf der Suche nach Orientierung könnte bei so viel Uneinigkeit der Experten eine Einschätzung helfen, die so etwas wie die Rückzugsposition beider Lager ist: „Die Intelligenteren unter den Hardlinern hier in Europa geben zumindest taktisch zu, dass jetzt kurz- und mittelfristig tatsächlich keine Inflation droht, sondern erst langfristig, wenn sich die Weltwirtschaft vollständig von der Krise erholt hat“, so Münchau in einem Artikel im „Spiegel“.

Schleichender Kaufkraftverlust

Auch bei nüchterner Betrachtungsweise stellt die aktuelle Situation Sparer vor große Probleme. Denn auch wenn es zukünftig nicht zu der gefürchteten Hyperinflation kommt, droht ein herber Vermögensverlust, weil bereits heute sichere Anlagen keinen Inflationsausgleich mehr bieten: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen liegt momentan bei rund 1,51% – die Inflationsrate betrug im August rund 2,1%. Berücksichtigt man Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag, ergibt sich eine Belastung von 2,6375% (ohne Kirchensteuer). Auf dem aktuellen Niveau ergibt sich damit ein Minus von gut 1% pro Jahr. Weil sich Letzteres natürlich nicht absolut – sprich in einem niedrigeren Betrag auf dem Konto – widerspiegelt, sondern in einem schleichenden Kaufkraftverlust äußert, unterschätzen viele Sparer die Wirkung der Preissteigerung. Dies wird an einem Beispiel deutlich: Übersteigt die Inflation die Zinsrate nur um einen Prozentpunkt, entsteht dem Anleger innerhalb von 15 Jahren bereits ein Kaufkraftverlust von 14%. Nach 30 Jahren sind es bereits 26%!

Anleihen mit Inflationsschutz

Wer sich gegen einen solchen inflationsinduzierten Vermögensverlust absichern möchte, sollte einen Blick auf inflationsgeschützte Anleihen, sogenannte Linkers, werfen. Grundsätzlich sind diese Papiere bei ihrer Emission so gepreist, dass sie über die gesamte Laufzeit genauso abschneiden wie gewöhnliche Anleihen – unter der Voraussetzung, dass sich die Inflation so entwickelt wie erwartet. Die Realverzinsung eines Linkers setzt sich zu diesem Zweck aus einem fixen Zinscoupon und aus einer Kompensationszahlung für den Kaufkraftverlust zusammen. Letzterer bewirkt, dass der Nennwert der Anleihe mit zunehmender Inflation sukzessive steigt. Dadurch erhöht sich – bei festem Coupon – auch die Höhe der Zinszahlung.

Das lässt sich am besten an einem Beispiel nachvollziehen: Ein Anleger investiert 1.000 Euro in eine inflationsgeschützte Bundesanleihe, für die es einen festen Zins von 1,0% gibt. Nach einem Jahr erhält er zunächst 10 Euro Zinsen. Nun ist aber in demselben Jahr das Preisniveau um 2,0% gestiegen. Dafür bekommt der Anleger einen Ausgleich. 2,0% von 10 Euro sind 20 Cent. Insgesamt beträgt die Zinsausschüttung 10,20 Euro. Wäre die Anleihe zum selben Zeitpunkt fällig, bekäme der Anleger nicht nur seine ursprünglich eingezahlten 1.000 Euro zurück, sondern auch einen Inflationsausgleich von 2,0% oder 20 Euro für den Nominalbetrag. Die Rückzahlung beträgt demnach 1.020 Euro. Unterm Strich hätte der Anleger mit der inflationsgeschützten Anleihe nach einem Jahr 1.030,20 Euro erhalten.

Der Teufel steckt im Detail

In der Praxis ist dies jedoch leider viel komplizierter, da die Berücksichtigung der Inflation die Linker zu einem äußerst komplexen Finanzprodukt macht. Das beginnt mit der Berechnung des Zeitwerts und des Nominalzinses. Der Coupon der Anleihe ist fix, im Fall der  Bundesanleihe mit Laufzeit 15. April 2020  (ISIN: DE0001030526) beträgt er beispielsweise 1,75%. Entscheidend für die Zinszahlung, aber auch den Rückzahlungswert, ist nun jedoch die von der Bundesfinanzagentur berechnete sogenannte Index-Verhältniszahl. Letztere bildet die Inflationsentwicklung ab und hat für den 01. Oktober 2012 den Wert 1,07124. Mit dieser täglich berechneten und von der Finanzagentur veröffentlichten Zahl wird der Coupon multipliziert. Daraus berechnen sich sowohl die Zinszahlung, der Kurswert bei einem unterjährigen Kauf als auch der Rückzahlungsbetrag bei Fälligkeit. Beim Kauf an der Börse werden daher nicht nur die mit der Index-Verhältniszahl multiplizierten Stückzinsen fällig, sondern auch ein entsprechender Kurswert. Dieser berechnet sich wie folgt:

Nennwert x Börsenkurs x Index-Verhältniszahl = Kurswert

Wann sich ein Kauf lohnt

Aktuell notiert das Wertpapier bei 105,42%. Wer die Bundesanleihe also am Montag, dem 01. Oktober 2012, erwirbt, kauft nicht zu dem vorgenannten Börsenkurs, sondern zum Kurswert von 112,93% – zuzüglich der entsprechenden Stückzinsen. Neben der aufwendigen Kalkulation müssen Anleger die Renditedifferenz zwischen inflationsgeschützten und herkömmlichen Produkten im Auge behalten: Weil die Verzinsung der Linkers stets niedriger ist als die herkömmlicher Papiere, macht ein Kauf nur Sinn, wenn ein bestimmtes Maß an Inflation erreicht wird. Ein von Profis genutztes Mittel zur Berechnung der Differenz ist die sogenannte Break-even-Inflationsrate (BEI). Dabei gilt: Wenn klassische Anleihen Erträge erwirtschaften, die auch nach Abzug der Inflationsrate höher ausfallen als die Erträge der inflationsgeschützten Produkte, rechnet sich ein Kauf nicht.

Fazit

Der Streit unter den Experten über die richtigen Maßnahmen zur Krisenbewältigung hilft Anlegern und Sparern nicht weiter. Fakt ist, dass die Realverzinsung bereits heute negativ ist und das Geld Jahr für Jahr an Kaufkraft verliert. Da die Berechnung und der Vergleich inflationsgeschützter Anleihen schwierig sind – und auch entsprechende Produkte anderer Staaten infrage kommen – greifen Anleger, die mit einem deutlichen Anstieg der Inflation rechnen, zu Fondsprodukten – beispielsweise einem ETF der Deutschen Bank (WKN: DBX0AL) oder einem AXA-Fonds (WKN: A0JDG8).