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Eine erfolgreiche Mischung

Der Erfolg von Mischfonds spricht f&uuml;r sich. Gleichg&uuml;ltig, ob Baisse oder Hausse, das Anlagevolumen dieser Fonds ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile haben die einst ungeliebten Produkte selbst Geldmarktfonds und offene Immobilienfonds hinter sich gelassen. Kein Wunder: Langfristig sind die Mischlinge kaum zu toppen.<br />

BÖRSE am Sonntag

Wie aus der aktuellen Investmentstatistik des BVI Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hervorgeht, ist das in Mischfonds veranlagte Vermögen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im Vergleich mit dem Stand von vor der Finanzkrise (Ende Mai 2007) hat sich das verwaltete Vermögen verdoppelt und selbst in guten Börsenzeiten, wie zwischen Ende Mai 2009 und Ende Mai 2010, stieg das veranlagte Kapital um 28%. Im Gegensatz dazu hatten Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds zwischen Ende Mai 2007 und Ende Mai 2010 unter dem Strich mit rückläufigen Volumina zu kämpfen.

Positive Entwicklung in jedem Umfeld

Dabei waren die Mischlinge lange Zeit nicht besonders beliebt. In den Hausse-Zeiten um die Jahrtausendwende sollten in einem Aktienfonds, bitteschön, auch nur Aktien enthalten sein und in einen Rentenfonds gehörten ausschließlich Anleihen. Ziel dieser strikten Trennung war es, einen möglichst einfachen Vergleich mit der jeweiligen Benchmark zu ermöglichen. Einige schwere Krisen und ein – für Inhaber europäischer Aktien – verlorenes Jahrzehnt später hat sich dieses Bild gründlich gewandelt. Im Zuge der heftigen Börsenturbulenzen und neuer Anforderungen im Rahmen der privaten Altersvorsorge wurden Konzepte populär, die in jedem Umfeld eine positive Entwicklung aufweisen können. Mit reinen Aktienfonds ist das nicht zu schaffen.

Erfolgreiche Fondsboutiquen bringen Mischfonds zurück

Stattdessen wird ein Produkt benötigt, das dem Fondsmanagement echte Spielräume lässt. Diese Anforderung erfüllen Mischfonds: So kann das Management den Aktienanteil hier beispielsweise nach Belieben zwischen null% und 100% modulieren, das Geld am Geldmarkt parken oder in festverzinsliche Wertpapiere stecken. Weil dieser Ansatz dem einer Vermögensverwaltung sehr nahe kommt, sind es vor allem die kleinen Fondsboutiquen, die hier ihre Chance erkannten. Aufgrund ihrer beachtlichen Erfolge konnten sie sich nicht nur gegen die großen Fondsgesellschaften durchsetzen, sondern haben die Anlagegattung selbst wieder populär gemacht: Kleinere Anbieter wie die französische Carmignac Gestion oder die österreichischen Boutiquen C-Quadrat, Ariqon und Dr. Höller belegen Jahr für Jahr die vorderen Ränge bei den Mischfonds mit der besten Wertentwicklung. Zwischen den einzelnen Konzepten gibt es jedoch große Unterschiede. Häufig wird daher innerhalb der Gattung noch einmal in aggressiv, ausgewogen (balanced), flexibel (flexible) und konservativ (defensiv) ausgerichtete Fonds unterschieden. Dabei gilt: Je höher die Aktienquote ist, desto „aggressiver“ das Produktkonzept. Defensive Mischfonds legen in der Regel bis zu 35% in Aktien an, ausgewogene normalerweise nicht mehr als 60% und aggressive bis zu 80%. In den letzten Jahren haben sich vor allem solche Fonds besonders gut entwickelt, die einen flexiblen Anlagestil verfolgen. Wie die Bezeichnung bereits verrät, haben sie in der Regel die größtmögliche Flexibilität und können daher auf unterschiedliche Marktphasen besonders gut reagieren. Eindeutige Grenzen, ab wann ein Mischfonds zu welcher Kategorie gehört, gibt es jedoch nicht.

Die besten Mischfonds

Im Segment „Mischfonds Konservativ“ wurde der Deka-Euroland Balance CF bei den Lipper Fund Awards 2010 gleich zweimal zum besten Produkt gekürt, sowohl über den Drei- als auch über den Fünfjahreszeitraum. „Wir nutzen bei Deka-Euroland Balance CF eine quantitative Anlagestrategie, basierend auf Trendfolgemodellen. Unser Ansatz ist frei von emotionsgetriebenen Entscheidungen und ermöglicht es uns, Markttrends durch Über- und Untergewichtungen einzelner Asset-Klassen auszunutzen. Das Resultat ist eine schwankungsarme Wertentwicklung“, beschreibt Dr. Ulrich Neugebauer, Leiter Quantitative Produkte / Alternative Strategien und Geschäftsführer der Deka Investment, die Strategie des Fonds. Bei den aggressiv (global) ausgerichteten Vehikeln lag der LGT Strategy 5 Years (EUR) vorn, bei den ausgewogenen Produkten der LGT Strategy 4 Years (EUR), bei den „Konservativen“ der RAM Konservativ und bei den Fonds mit flexibler Strategie der berühmte Carmignac Patrimoine (WKN: A0DPW0). Letzterer führt die Dreijahreswertung bei den Mischfonds an, nachdem der Gründer, Edouard Carmignac, im Jahr 2007 frühzeitig gegen amerikanische Finanzaktien wettete und damit enorme Gewinne erzielte. Gemessen an ihrer Performance und der stabilen Ertragsentwicklung über die letzten drei Jahre gehören zudem auch der Ethna Global Defensiv A (WKN: A0LF5X), der C-Quadrat Arts Total Return Global (WKN: A0F5G9) sowie der Ariqon Konservativ (WKN: A0KFXB) zu den besten Mischfonds.

Mischlinge optimal für langfristigen Vermögensaufbau

Auch über längere Zeiträume liegen die Mischfonds dank ihrer besonders stabilen Wertentwicklung ganz vorn: Wer vor 30 Jahren mit einer monatlichen Einzahlung von 100 Euro in einen Mischfonds mit Anlageschwerpunkt Euroraum begonnen hat, konnte sich laut einer Berechnung des BVI per 31. Dezember 2009 über einen Depotwert von 115.604 Euro freuen. Das Ergebnis entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 6,9%. Dabei sind laut BVI alle Fondskosten inklusive des Ausgabeaufschlags bereits berücksichtigt. Weder Rentenfonds noch offene Immobilienfonds konnten da mithalten. Lediglich Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland schnitten geringfügig besser ab (7,1% p.a.). Auch europäisch und international ausgerichtete Aktienfonds blieben mit 5,5% p.a. beziehungsweise 5,4% p.a. dahinter zurück. Betrachtet man „nur“ die letzten 20 Jahre, liegen Mischfonds mit den Aktienfonds (Fokus Deutschland) sogar ganz vorn. Die sehr gute Performance über solch lange Zeiträume ist daher auch ihr größter Pluspunkt: Die Strategie, weniger auf kurzfristige Renditemaximierung zu setzen, sondern in erster Linie die Marktrisiken so gering wie möglich zu halten, hat die Mischfonds zu Krisengewinnern gemacht.

Die Besten sind nicht billig

Allerdings lassen die Anbieter sich ihre Leistungen inzwischen auch üppig vergüten. Die beiden Dachfonds von C-Quadrat vereinnahmen neben laufenden Gebühren (von bis zu 2% beziehungsweise 1,85%) 20% aller Erträge bei neuen Fondshöchstständen (High Watermark). Auch beim Ethna aktiv (20%) und Carmignac Patrimoine (10%) wird zusätzlich zu den fixen Verwaltungsgebühren eine Performancegebühr fällig. Letztere wird bei Erreichung einer bestimmten prozentualen Outperformance gegenüber der jeweiligen Benchmark fällig. Aufgrund der enormen Freiheitsgrade des Fondsmanagements sind gerade diese erfolgsabhängigen Vergütungen jedoch richtig und wichtig. Das Analysehaus Morningstar äußerte sich dazu in einem Research Report zum Carmignac Patrimoine wie folgt: „Die Gebühren liegen im Rahmen. Die Performancegebühr ist so gestaltet, dass sie die Interessen von Fondsmanagern und Anlegern in Einklang bringt.“ Dies entbindet den Anleger jedoch nicht davon, sich gerade bei langfristigen Anlageentscheidungen das Management und den Track Record des Fonds genau anzusehen. 

Fazit

Aufgrund ihrer breiten Anlagemöglichkeiten eignen sich Mischfonds vor allem für mittel- bis langfristig orientierte Investoren, die insbesondere die im Zeitablauf immer wieder neu zu justierende Aufteilung des Vermögens auf die verschiedenen Anlageklassen einem Profi überlassen möchten.