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Optimisten kaufen am besten, wenn die Nervosität steigt

Die Nervosität an den Aktienmärkten ist groß: Zwischen Mitte April und Anfang Mai verdoppelte sich beispielsweise der VDAX, stürzte dann ab, nur um kurze Zeit später ein neues Jahreshoch zu erklimmen und zuletzt wieder in den Sinkflug überzugehen. Mit Bonuszertifikaten können Anleger daraus Kapital schlagen. Produkte mit Cap sind auch für konservative Anleger interessant.

BÖRSE am Sonntag

Der VDAX, der die Volatilität des DAX angibt, hat in den letzten Monaten eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich gebracht. Die enormen Schwankungen sind ein Spiegelbild der dramatischen Nachwehen der Finanzkrise. Angefangen bei der Schuldenkrise in Griechenland, bis hin zu dem gigantischen Rettungsschirm der EU, sind es vor allem die Extremereignisse, die die Märkte prägen. Langfristig orientierten Anlegern bereiten solche Phasen meist kein Vergnügen. Auch die sorgfältigsten Analysen und Strategien werden durch die starken Schwankungen an den Märkten schnell zu Makulatur. Es gibt jedoch auch Instrumente, die von der Nervosität der Marktteilnehmer profitieren. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem auch die Bonuspapiere.

So kommen Anleger zu ihrem Bonus

Bonuszertifikate verfügen im Normalfall über zwei Schwellen: Eine Kursschwelle und eine Bonusschwelle. Die Kursschwelle liegt bei Emission der Zertifikate unter der aktuellen Notierung des Basiswerts. Dagegen ist die Bonusschwelle über dem aktuellen Kurs des Underlyings angesiedelt. Durch die Kombination der beiden Schwellen lässt sich daher das Chance-Risiko-Profil der einzelnen Papiere steuern. Bewegt sich der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit in dem durch Kurs- und Bonusschwelle vorgegebenen Kursband, bekommt der Anleger am Laufzeitende einen fixen Betrag (Bonus) in Höhe der Bonusschwelle ausgezahlt, dieser entspricht in der Regel einer Verzinsung von 6%-8% p.a. Liegt der Kurs des Underlyings am Verfallstermin über der Bonusschwelle, partizipiert der Anleger bei diesen Produkten voll an diesem Wertzuwachs. Sein Gewinnpotenzial ist somit, trotz Sicherheitspuffer nach unten, nicht begrenzt. Fällt der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit aber unter die Kursschwelle, verhält sich das Bonuszertifikat wie ein normales Direktinvestment, das heißt die Bewegungen des Basiswerts werden nun 1:1 nachvollzogen – der Anleger partizipiert nun auch unbegrenzt an den Verlusten. Steigen die Kurse danach wieder, nimmt der Anleger eins zu eins an den Kursgewinnen teil. Der Anspruch auf eine Bonuszahlung ist in diesem Fall aber verloren. Er lebt auch dann nicht mehr auf, wenn die alte Kursschwelle zurückerobert wird. Um zu verstehen, warum diese Vehikel gerade in unruhigen Zeiten interessant werden, ist ein Blick hinter die Kulissen notwendig.

Börsenschwankungen geschickt nutzen

Um ein solches Auszahlungsprofil zu konstruieren, bedienen sich die Emittenten aus dem Zertifikate-Baukasten. Bonuspapiere bestehen aus einem sogenannten Zero-Strike-Call, also einer Call-Option, deren Basispreis bei null liegt, sowie einer exotischen Down-and-out-Put-Option. Letztere entspricht einer Verkaufsoption mit einer Barriere, bei deren Durchbrechen die Option sofort wertlos verfällt. Finanziert wird dieser Down-and-out-Put durch die Dividende, die der Emittent einbehält, oder durch das Aufgeld. Mit einer ansteigenden Volatilität wird der für das Zertifikat benötigte Down-and-Out-Put billiger, diesen Preisvorteil kann der Emittent in Form von besseren Konditionen an den Anleger weiterreichen. In die gleiche Richtung wirkt auch der Verkauf der Call-Option. Steigt die Volatilität, erhöht das den Preis des Calls, der verkauft wird. Der höhere Verkaufserlös ermöglicht wiederum bessere Konditionen für den Anleger: „Die vergleichsweise hohe Volatilität macht den Kauf von Bonus- und Discount-Zertifikaten derzeit besonders attraktiv“, so Markus Jakubowski, Derivateexperte bei Société Générale Anfang Juni in einem Interview. Zu diesem Zeitpunkt notierte das Angstbarometer VDAX noch immer fast doppelt so hoch wie im März dieses Jahres. Mit dem Anziehen der Kurse in den letzten Wochen ist die Schwankungsbreite zuletzt jedoch deutlich zurückgekommen, sprich, die Konditionen haben sich bei gleicher Ausstattung wieder etwas verschlechtert. Im Vergleich zu den ruhigen Zeiten zwischen Ende 2004 und Anfang 2007 ist das Umfeld für Bonuspapiere aber nach wie vor attraktiv.

Konservative Kurzläufer interessant

Für Anleger, die nur leicht steigende Märkte erwarten und sich insbesondere vor sinkenden Kursen schützen wollen, ist vor allem die Variante mit Cap und kurzer Restlaufzeit interessant. Gerade die Capped Bonuszertifikats vereinen auf diese Weise die besten Eigenschaften von Bonus- und Discount-Zertifikaten. Bei Fälligkeit erfolgt eine attraktive Bonuszahlung, wenn die Aktie oder der Index während der Laufzeit den Sicherheitslevel nicht touchiert. Ein Cap begrenzt zwar den Gewinn, ermöglicht aber gleichzeitig im Vergleich zu klassischen Bonuszertifikaten eine höhere Bonuszahlung und einen niedrigeren Sicherheitslevel – sprich einen höheren Puffer. Ein Beispiel für ein solches Produkt ist das von der BNP Paribas auf den DAX emittierte Capped-Bonus-Papier (WKN: BN5KC7). Das Papier läuft nur noch bis 23.12.2010, hat einen Bonuslevel bei 6.250 Punkten und besitzt eine Sicherheitsschwelle bei 4.200 Punkten. Der Puffer beträgt somit komfortable 32%. Wird er bis zur Fälligkeit kein einziges Mal berührt, erhalten Anleger für die überschaubare Restlaufzeit von rund 5 Monaten eine Verzinsung von 2,9%. Dies entspricht einer jährlichen Rendite von 6,7% und damit erheblich mehr als gegenwärtig am Geld- und Bondmarkt zu erzielen ist. Zum Vergleich: Produkte ohne Cap (z.B. GS107W) schaffen im gleichen Zeitraum nur rund 1,6%. Weil Cap und Bonuslevel bei zahlreichen Papieren identisch sind, sind die Papiere zudem sehr transparent: In diesem Fall entspricht die maximal erzielbare Rendite der Bonusrendite. Mit dem Verzicht auf unbegrenzte Partizipation „erkaufen“ sich Anleger bei diesen Produkten also deutlich mehr Sicherheit.

Bonus-Anleger sind Optimisten

Nichtsdestotrotz sollten Anleger bei klassischen Papieren ohne Cap eine positive Erwartung hinsichtlich der Entwicklung des Basiswertes mitbringen. Den größten Vorteil im Vergleich zum Direktinvestment haben Anleger nämlich dann, wenn es sich um einen klassischen Seitwärtsmarkt handelt und die Bonusrendite die Performance der Aktie deutlich übertrifft, da sich letztere bis zum Fälligkeitstermin des Zertifikats unter dem Strich nicht bewegt hat. Dass dies auch tatsächlich der Fall ist, zeigt ein Blick auf den vom Deutschen Derivate Verband (DDV) für Mai veröffentlichten Index-Report: „Wie im Vormonat scheinen die Bonus-Käufer immer noch sehr optimistisch zu sein, was den Markt betrifft. Zumindest langfristig. Denn um sich einen noch höheren Bonusbetrag sichern zu können, haben sie für den Juni mal eben die durchschnittliche gewichtete Restlaufzeit auf über 600 Tage geschoben (Vormonat 538).“ Der Index wird vom DDV monatlich veröffentlicht und vergleicht die Entwicklung ausgewählter Bonuspapiere auf den EURO STOXX 50 mit der Entwicklung der Benchmark. Eine Outperformance konnte bis Ende Mai jedoch nicht erzielt werden. Aufgrund der zwischen Januar und Mai stetig gestiegenen Barriere ist der Bonus-Index in der aktuellen Marktphase zu einem Indextracker geworden. Die jüngsten Gewinne an den Börsen dürften hier aber kurzfristig für Abhilfe sorgen und den Bonus-Index in die Pole-Position katapultieren.

Fazit

Die im Zuge der Finanzkrise unter die Räder gekommenen Bonuspapiere dürften bei einer Fortsetzung der moderaten Aufwärtsbewegung rasch wieder an Popularität gewinnen. In der aktuellen Niedrigzinsphase bieten sich zudem gerade die Produkte mit Cap, hohen Sicherheitspuffern und kurzen Restlaufzeiten als Alternative zu Festgeld & Co. an.