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So geht auch der Schwarze Schwan k.o.

Im März 2009 begann an der Wall Street ein neuer Bullenmarkt, der bis heute andauert. Historisch dauert eine solche Phase in der Regel weniger als vier Jahre. Mit dem Aufschwung an den Aktienmärkten könnte es also bald vorbei sein. Mit Knock-Out-Produkten sichern Anleger sich jetzt günstig ab.

BÖRSE am Sonntag

So genannte Knock-Out-Produkte, zu denen neben den gleichnamigen Optionsscheinen auch Hebel-Zertifikate mit einer entsprechenden Mechanik gehören, werden in Deutschland rege gehandelt. Nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes haben die Produkte einen Anteil von 27% am Gesamtvolumen der Umsätze mit derivativen Wertpapieren. Vor allem bei semiprofessionellen Anlegern erfreuen sich die Papiere, die auch unter den Bezeichnungen Mini-Future, Knock-out- oder Turbo-Zertifikate bzw. Optionsschein zu finden sind, großer Beliebtheit.

Hauptsache Bewegung

Kein Wunder. Mehr als 100% Gewinn binnen eines Monats – und das mit einem Bluechip wie BMW? Was für manchen Privatanleger nach Träumerei klingt, gehört für Heavy-Trader zum Alltag: Mit Knock-out-Zertifikaten lassen sich die Kursbewegungen der Basiswerte vervielfachen. Weil sich die Papiere wie klassische Optionsscheine sowohl für die Spekulation auf steigende als auch fallende Kurse eignen, lässt sich damit in jedem Umfeld Geld verdienen. Und je stärker die Kurse schwanken, desto mehr Chancen ergeben sich für die Trader. Unterschieden wird zwischen Knock-Out-Long- und Knock-Out-Short-Produkten. Bei letzteren wird ein Leerverkauf des Underlyings simuliert – der Anleger spekuliert also auf fallende Kurse. Demgegenüber werden Long-Produkte genutzt, um an steigenden Kursen zu partizipieren. Welch enormes Rad auch bei „normalen“ Bewegungen mit dem Hebel gedreht werden kann, lässt sich an einem Beispiel nachvollziehen. 

Autowerte mit Turbo

Auf die hervorragenden Zahlen seiner Autobauer ist ganz Deutschland stolz. Besonders die Premiumhersteller genießen im In- und Ausland einen exzellenten Ruf. Das schlägt sich bei den Absatzzahlen, aber auch bei der Gewinnentwicklung nieder. Dementsprechend gut liefen zuletzt die Aktien von Daimler und BMW. Luftsprünge dürften Vollprofis vollführt haben, die Anfang des Jahres mit einem Turbo (WKN: BN9EWQ) auf den bayrischen Autobauer gesetzt hatten. Wer am 04.01. eingestiegen war und das Papier Ende Januar wieder verkauft hat, konnte sich über einen Gewinn von 250% freuen. Doch der Hebel wirkt natürlich in beide Richtungen. Daher gilt: Je höher der Hebel, desto höher das Risiko. Aufgrund der immerwährenden Gefahr eines Totalverlustes werden die Produkte in der Praxis deshalb nur wenige Tage oder auch nur Stunden gehalten. Profis vermeiden es in der Regel, über Nacht engagiert zu sein. Sie schalten stattdessen den Turbo ein, um aus den vielen kleinen Bewegungen großer Indizes Kapital zu schlagen. Neben dem relativ geringen Einsatz, der dafür notwendig ist, trug insbesondere die Tatsache, dass das Verlustrisiko auf eben diesen begrenzt ist, enorm zu der Verbreitung der Produkte bei.

K.O.- Schwelle macht den Unterschied

Um den Anleger von der bei Futures üblichen Nachschusspflicht zu befreien, besitzen Knock-Out-Papiere eine Stopp-Schwelle (K.O.-Schwelle). Diese Konstruktion lässt nun zwei Varianten zu. Einerseits Papiere, bei der die K.O.-Schwelle dem Basispreis entspricht und bei denen somit kein Stop-Loss eingebaut ist. Das heißt bei Erreichen der Schwelle verfallen die Derivate sofort wertlos. Bei ansonsten gleichen Bedingungen sind Knock-Out-Papiere ohne Stop-Loss grundsätzlich günstiger als Hebelpapiere mit einer solchen Schwelle. Das größere Risiko schlägt sich in einem niedrigeren Preis nieder.

Andererseits lassen sich auch Produkte konstruieren, bei denen die Stop-Loss-Schwelle dem Basispreis vorgelagert ist. Wird die Stop-Loss-Marke erreicht, erhalten Anleger zumindest noch eine kleine Rückzahlung. Der Preis eines K.O.-Papiers ist umso niedriger, je näher der aktuelle Kurs des Basiswertes an der Barriere liegt. Aus diesem Grund sind Knock-Outs nicht nur günstiger, sondern besitzen gleichzeitig auch eine größere Hebelwirkung als Papiere ohne diesen Mechanismus. Historisch betrachtet sind Knock-Outs jedoch aus dem Bedürfnis der Anleger nach günstigen Absicherungsmöglichkeiten entstanden. Und unter diesem Aspekt sind sie auch derzeit einen Blick wert.

In luftigen Höhen

So geht ein Gutteil der Gewinne der Wall Street auf die exorbitante Performance einer einzigen Aktie zurück: Apple. Allein seit Mitte Februar ist der Kurs um 100 US-Dollar (20%) auf rund 600 US-Dollar gestiegen. Dank zahlreichen Produkterfolgen, von iPhone bis iPad, stieg das Unternehmen in den letzten Monaten zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Den Börsenerfolg verdeutlicht auch die Tatsache, dass die nach Verkaufszahlen größten Autobauer der Welt – GM, VW und Toyota – zusammen nicht einmal halb so viel wert sind wie der Elektronikriese. Auch bei den Käufern von K.O.-Produkten erfreuen sich die Kalifornier reger Nachfrage. Die Apple-Aktie gehört hierzulande zu den beliebtesten Basiswerten für diese Derivate: „In der vergangenen Woche machten Optionsscheine und Knock-Out-Produkte auf Apple rund ein Fünftel aller Umsätze in Hebelpapieren auf deutsche, europäische und amerikanische Aktien aus“, so Nicolai Tietze, Derivate-Experte der Deutschen Bank, kürzlich in einem Interview. Angesichts der luftigen Höhen, in denen sich das Wertpapier mittlerweile bewegt, könnte nun die Zeit gekommen sein, eine Spekulation auf fallende Notierungen in Betracht zu ziehen. Dies lässt sich mit Stop-Loss (z.B. WKN: BP3HVQ) oder ohne (z.B. WKN: DE925W) bewerkstelligen. Bei einer ansonsten vergleichbaren Ausstattung ermöglicht der Verzicht auf die Stop-Loss-Mechanik nicht nur einen höheren Hebel – 6,7 statt 5,1 – sondern auch einen deutlich niedrigeren Preis.

Unterschätze Häufung von Ausnahmen

Auch der DAX hat sich in den letzten 36 Monaten gut entwickelt: Seit Anfang April 2009 hat der deutsche Leitindex rund 75% zugelegt. Allein in diesem Jahr beträgt die Performance rund 15%. Und der Optimismus wächst. Kürzlich verkündeten die Analysten der Deutschen Bank, dass sie die Aussichten für die weitere Entwicklung deutlich positiver beurteilen als noch Ende letzten Jahres. Grund dafür seien die Einigung über einen Schuldenschnitt Griechenlands sowie die sich stetig verbessernde wirtschaftliche Lage in den USA. Doch nach dem starken Auftaktquartal folgt nun mit dem zweiten Quartal eine traditionell schwächere Phase und die systemischen Probleme in vielen westlichen Staaten wurden nicht behoben, sondern lediglich mit Liquidität zugeschüttet. Trotzdem rechnen aktuell nur wenige Experten mit einem erneuten Einbruch. Genau hier jedoch liegt die Krux. Vorfälle, die es „gar nicht geben sollte“ und die im Falle ihres Eintretens völlig neue Rahmenbedingungen mit sich bringen, die jenseits jeglicher Risikomodelle liegen, kommen nämlich häufiger vor als dies rein statistisch zu erwarten wäre. In der Fachsprache hat sich dafür der Terminus „schwarzer Schwan“ - im Englischen „black swan“ - durchgesetzt. Beispiele sind die Weltwirtschaftskrise von 1929, der Börsencrash von 1987 und die zurückliegende Finanzkrise. Wer daher trotz des allgemeinen Optimismus zumindest eine Korrektur des Leitindex erwartet oder sich gegen eine solche absichern möchte, kann dies über K.O.-Produkte günstig realisieren. Einen Blick wert ist beispielsweise ein Unlimited Turbos Short der BNP Paribas (WKN: BN6F74) mit einem Basispreis von 7.735 Punkten und einem Hebel von derzeit 7,3 (Stand 05. April 2012).

Fazit

Wie wertvoll eine Absicherungsstrategie ist, haben die Märkte in den letzten Jahren mehrfach unter Beweis gestellt. Weil eine solche Versicherung mit K.O.-Produkten relativ günstig zu bekommen ist, sollten Anleger diesem Einsatzfeld zukünftig mehr Beachtung schenken.

 

 

 

Berichtigung

Im Spezial der BÖRSE am Sonntag 13/2012 „Die zwei Gesichter des Anleihemarktes“ vom 1. April 2012 hieß es fälschlicherweise: „Im Unterschied zu Solar Millenium ist Siag nicht börsennotiert und der Bond wurde 2011 im Segment Bondm emittiert.“ Dies ist nicht richtig. Die Unternehmensanleihe von Siaag Schaaf wurde nicht im Mittelstandssegment Bondm der Börse Stuttgart emittiert, sondern im Entry Standard an der Börse Frankfurt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.