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Patrick Drahi: Rasanter Aufstieg auf Pump

Vor 21 Jahren begann Patrick Drahi, in der französischen Provence Kabelanschlüsse zu verkaufen. Heute ist er Milliardär und einer der risikofreudigsten Akteure im Markt der Netzbetreiber. Drahi nutzt die niedrigen Zinsen, um sich immer wieder frisches Geld für neue Akquisitionen zu besorgen.

BÖRSE am Sonntag

Vor 21 Jahren begann Patrick Drahi, in der französischen Provence Kabelanschlüsse zu verkaufen. Heute ist er Milliardär und einer der risikofreudigsten Akteure im Markt der Netzbetreiber. Drahi nutzt die niedrigen Zinsen, um sich immer wieder frisches Geld für neue Akquisitionen zu besorgen.

Der Franzose machte in den letzten zwei Jahren durchspektakuläre Übernahmen von sich reden. Bei der Bieterschlacht um SFR stieß er den riesigen Mischkonzern Bouygues hart vor den Kopf. Kostenpunkt: Rund 17 Milliarden Euro. Drahi will mit seinem luxemburgischen Konzern Altice offenbar ein Netzwerk aufbauen, das Kunden ganzheitlich versorgt. Anfang 2015 kaufte sich der 51-Jährige schon für 9,1 Milliarden US-Dollar in den amerikanischen Kabelmarkt ein, als er Suddenlink übernahm. Jetzt hat er bei NextRadioTV zugeschlagen, zu dem auch der französische Nachrichtensender BFM TV gehört.

Der Self-Made-Milliardär Drahi, einst mit 15 Jahren aus Marokko nach Frankreich gekommen, ist Sohn eines Mathematiklehrers und einer Mathematiklehrerin. An der prestigeträchtigen Pariser „École Polytechnique“ machte er seinen Abschluss zum Ingenieur. Oft wird er als zurückhaltend beschrieben, was man von seinem Business allerdings nicht behaupten kann. Er setzt zur Wertschöpfung auf aggressive Kostensenkungen in seinen Unternehmen. Das von Altice kontrollierte Numéricable-SFR berichtete nun am Mittwoch, dass man im zweiten Quartal einen Gewinn von 79 Millionen Euro erwirtschaftet habe. Im Vorjahr war es noch ein Verlust von rund 116 Millionen gewesen – kein schlechter Turnaround.

Laut Forbes ist Patrick Drahi zudem der drittreichste Franzose. Wie sein Imperium ist er international aufgestellt: Er hat die israelische Staatsbürgerschaft, einen Wohnsitz in der Schweiz und eine Holding auf der britischen Insel Guernsey. Im Jahr 2013 fragte BFM TV noch in einem Porträt: Wer ist der Mann, der sich hinter Numéricable verbirgt? Spätestens jetzt dürfte es klar sein.

Marius Mestermann