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Gold: In welcher Phase des Bullenmarktes befinden wir uns?

Ronald-Peter Stöferle

Ronald-Peter Stöferle


Von Ronald-Peter Stöferle, CMT, Erste Group Bank AG, Group Research

Gold hat sich seit 2001 knapp verfünffacht, dennoch wird die Nachhaltigkeit des Anstieges nach wie vor nicht wirklich wahrgenommen. Ausschlaggebend dafür ist der mehr als 20-jährige Bullenmarkt bei Aktien, Bonds und Immobilien bzw. der konträre Goldpreisverlauf. 1980 machten Gold und Goldminenaktien über 26% des Weltfinanzvermögens aus, heute sind es lediglich 0,8% des Weltvermögens. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob wir bereits in einer Bubble stecken oder ob der stärkste Anstieg des Goldpreises noch bevorsteht. Laut Dow-Theorie spiegeln 3 Phasen einer Hausse die Zuversicht bzw. das Vertrauen der Investoren wider:

1. Phase: Akkumulation
2. Phase: Beteiligung der Öffentlichkeit
3. Phase: Distribution

Je länger die Konsolidierung, desto impulsiver der anschließende Bullenmarkt

Wir glauben, dass die 1. Phase von 1999 bis 2003 ablief. Zu Beginn sind nur „early adaptors“ investiert, das fundamentale Bild ist schlecht. Je länger diese Phase andauert, desto stärker die Entwicklung in den Phasen 2 und 3. Der Ölpreis handelte für mehr als 25 Jahre innerhalb einer Bandbreite von USD 10-35. 2004 brach der Preis aus und stieg innerhalb von 4 Jahren bis auf USD 147 je Barrel. Ähnliches kann man auch an den Aktienmärkten beobachten.

Die zweite Trendphase wird durch bessere Fundamentaldaten, gesteigertem Vertrauen und neuen Investorenschichten geprägt. Die dritte Phase ist schließlich die Euphoriephase, die in einem „blow off“, also einem parabolischen Anstieg endet. Gold ist die Währung der Angst. Insofern werden sowohl Angst als auch Gier in der finalen Phase einen parabolischen Anstieg auslösen.

Überschreiten der USD 1.000 als Übergang zu Phase 3?

Unserer Meinung nach befinden wir uns am Übergang von Phase 2 zu Phase 3. Gold gewinnt als Investment immer mehr an Akzeptanz, die Handelsvolumina nehmen zu, zahlreiche neue Produkte werden lanciert. Zudem gewinnt Gold auch in Asset-Allocations institutioneller Investoren immer mehr an Bedeutung. Wir denken, dass das Überschreiten der USD 1.000 bzw. EUR 1.000 je Unze das Signal für den baldigen Beginn der Trendbeschleunigungsphase bedeutet. Ähnliches war auch bei Rohöl bei USD 100 je Barrel der Fall.

Bullenmärkte enden immer in „blow off“

Beim Vergleich mit dem letzten großen Goldrausch erkennen wir eine ausgeprägte Distributionsphase, die in einem parabolischen „blow off“ endet. Die letzte, finale Phase endete im Januar 1980 beim Hoch von USD 850 je Unze. Im Laufe der letzten 10 Handelstage stieg dabei der Preis um 35%, in den letzten 6 Wochen hat sich der Preis beinahe verdoppelt (+94%). Ähnliches wird auch in der finalen Phase des aktuellen Bullenmarktes passieren. Im Zuge dessen sollte mein Kursziel von USD 2.300 je Unze erreicht werden.

Korrekturen werden immer kürzer

In der aktuellen Phase scheint „buying the dips“ das Motto zu sein. Innerhalb der Korrekturen wechselt das Gold von schwachen in starke Hände. Konsolidierungen sind immer kürzer und korrigieren weniger Prozente des Trends. Seit Anfang 2009 sehen wir diese Entwicklung. Sobald kaum noch größere Korrekturen stattfinden, wechselt der Markt vermutlich in die parabolische Phase.

"I can measure the motion of the heavenly bodies, but not the madness of crowds”  Sir Isaac Newton

Fest steht, dass Gold sicherlich kein Contrarian-Investment mehr ist. Wenn man sich das Stimmungsbild näher ansieht, dann sind wir von Euphorie weit entfernt, Gold ist definitiv kein Mainstream-Investment. Ein klarer Unterschied zur Situation von 2000, als die breite Masse von Technologieaktien sprach. Ist der Vergleich unterschiedlicher Assetklassen überhaupt zulässig? Unser Meinung nach ja, weil das menschliche Verhalten und die Emotionen in Extremphasen gleich sind. Insofern gehen wir davon aus, dass sich Gold bzw. Goldaktien ähnlich wie die NASDAQ Ende der 90er-Jahre entwickeln könnten. Der letzte Bullenmarkt wurde 1980 von der Fed durch eine Leitzinserhöhung auf 20% beendet. Wäre dies heutzutage ebenso möglich? Definitiv nicht! 1980 waren die USA eine der größten Gläubigernationen mit einer positiven Handelsbilanz. Überschuldung war weder auf privater noch auf staatlicher Ebene ein Thema.

 

09.08.2010 | 00:00

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