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Konsolidierung an den Rohstoffmärkten

Konsolidierung, vorerst (Bild: Fotolia / Luftbildfotograf)


Goldpreis gibt leicht nach, Palladium im Abwärtstrend, Minenaktien unter Druck: Die Konsolidierung bei Edelmetallen hat sich im Oktober fortgesetzt. Der Goldpreis büßte im vergangenen Monat 2,7 Prozent ein und schloss bei einem Kurs von 1.276 US-Dollar pro Feinunze. Der Edelmetallexperte Martin Siegel analysiert.

Die Konsolidierung betrifft den Rohstoffsektor in seiner Breite. Der „kleine Bruder“, Silber, verlor 6,6 Prozent und notierte bei 17,88 US-Dollar pro Feinunze. „Es scheint, als ob die Konsolidierung des Goldpreises noch anhält“, sagt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH. Dabei spielt der aktuell starke US-Dollar auch eine Rolle, denn auf Euro-Basis verlor das gelbe Metall im Oktober nur rund einen Prozentpunkt. Zudem seien im Vorfeld der US-Wahlen die Investoren etwas vorsichtiger geworden. „Ich glaube jedoch kaum, dass sich im Falle eines Sieges von Donald Trump die Menschen mit Gold eindecken werden“, sagt Siegel.

Was Goldanleger in jedem Fall im Auge behalten sollten, sind die langsam steigenden Inflationsraten. Sollten diese weiter nach oben klettern und die Zentralbanken zu Zinsanhebungen nötigen, werden Staatsanleihen extrem unter Druck geraten. „Schon kleine Inflationsanstiege drücken die Staatsanleihen nach unten. Durch die aktuelle Nullzinspolitik hat sich ein dramatischer Hebel aufgebaut, der insbesondere die Kurse der langlaufenden Anleihen auch schon bei einem Anstieg der Inflationsrate auf die von den Zentralbanken angestrebte Rate von zwei Prozent in die Knie zwingen wird. Für Lebensversicherungen etwa, die damit langfristig ihre Verpflichtungen erfüllen wollen, wird das eine enorme Belastung“, sagt Siegel. Der Goldpreis wird in solch einem Szenario wegen fehlender Anlagealternativen haussieren.

Platin unter 1.000 Dollar

Auch Platin und Palladium mussten Verluste hinnehmen. Platin verlor im vergangenen Monat 4,3 Prozent und schloss bei einem Kurs von 981 US-Dollar pro Feinunze ab. Damit ist das Industriemetall wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 US-Dollar pro Feinunze gefallen. Palladium verlor im Oktober sogar 13,8 Prozent und damit auch die Hälfte seines Septembergewinns. „Davon lässt sich schon ableiten, dass die Industrienachfrage nach Metallen nicht gerade hoch ist. Der gesamte Edelmetallsektor wird aktuell vernachlässigt“, sagt Siegel.

Bei den Aktien der Minengesellschaften gab es keine auffälligen Bewegungen. Die entsprechenden Indizes schlossen deutlich im Minus, die aktuelle Konsolidierungsphase wurde von weiteren Gewinnmitnahmen geprägt. „Mit dem vorsichtigen Anstieg der Inflationsraten und dem Ausblick auf eine weitere Zinserhöhung der Fed sollte diese Phase in den nächsten Wochen beendet werden“, sagt Siegel. Zudem haben sich die Bewertungen seit dem Sommer erheblich reduziert. „Viele Minenaktien sind wieder um 30 bis 50 Prozent zurückgefallen. Sollte der Goldpreis erneut zulegen, bieten diese Gesellschaften wieder gute Gewinnmöglichkeiten für Investoren“, sagt Siegel.

Die Basismetalle entwickelten sich uneinheitlich. Während Aluminium mit 3,6 Prozent und Zink mit 3,1 Prozent leichte Gewinne verbuchen konnten, mussten Blei 3,3 Prozent, Nickel 0,8 Prozent und Kupfer 0,1 Prozent an Verlusten hinnehmen. Insgesamt befindet sich der Sektor weiterhin in der Seitwärtsbewegung und ist auf der Suche nach neuen Impulsen. „Zwar signalisieren der leichte Inflationsanstieg und der sich erholende Baltic Dry Index eine gewisse Stärke der Weltkonjunktur, jedoch noch nicht ausreichend, um eine Trendwende bei den Basismetallen auszulösen“, resümiert Siegel.

01.11.2016 | 22:17

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