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OPEC kürzt Öl-Fördermenge – wie könnte der Ölpreis reagieren?

(Bild: Fotolia / Björn Wylezich)

Dr. Ulrich Stephan


In den 1970er-Jahren verfügte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) noch über eine derart hohe Preissetzungsmacht, dass sie die westlichen Industrieländer durch die Verknappung des Angebots in zwei Ölkrisen stürzen konnte. Bis heute hat sie jedoch an Marktmacht eingebüßt: In den vergangenen Jahren hat die Konkurrenz deutlich zugelegt – allen voran die USA. Was bedeutet angesciths dessen die aktuelle Ankündigung der Förderkürzung.

Von Ulrich Stephan

Die USA konnten ihre Förderkapazitäten durch die Ausweitung des Frackings deutlich erhöhen. Dabei wird Öl mittels hohen Drucks aus unterirdischen Gesteinsschichten gepresst. Während die USA laut US-amerikanischer Energiebehörde im Jahr 2010 noch rund 9,7 Millionen Barrel pro Tag förderten, waren es 2015 bereits 15 Millionen. Und auch Russland weitete seine Produktion sukzessive aus – und produzierte im vergangenen Jahr mit elf Millionen Barrel pro Tag so viel wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. Weil das Nachfragewachstum der Angebotsausweitung nicht standhalten konnte, schlug sich das seit 2014 in tendenziell sinkenden Ölpreisen nieder.

Die OPEC ließ den Ölhahn lange unangetastet, die Sicherung von Marktanteilen genoss für sie oberste Priorität – auch weil die Staatshaushalte zahlreicher Förderländer stark von den Öleinnahmen abhängig sind. Zuletzt sahen sich die OPEC-Mitglieder jedoch zum Handeln veranlasst – und beschlossen am 30. November in Wien eine Kürzung ihrer Förderung von 33,8 auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag. Bemerkenswert ist, dass die Kürzung der Produktion auch außerhalb der Organisation Zustimmung findet: Die OPEC geht davon aus, dass Nichtmitglieder ihre Förderung um insgesamt 600.000 Barrel pro Tag kürzen werden. Allein Russland soll bereits zugesichert haben, 300.000 Barrel pro Tag weniger zu fördern.

Die Marktteilnehmer reagierten umgehend auf die Beschlüsse: Allein am Tag der Sitzung zog der Ölpreis zwischenzeitlich um rund 10 Prozent auf über 50 US-Dollar pro Barrel an. Mit größeren Preissprüngen dürfte jedoch trotz der OPEC-Beschlüsse nicht zu rechnen sein. Die Deutsche Bank erwartet zwar, dass die Förderkürzungen ein erneutes Absinken des Ölpreises unwahrscheinlich machen und zu einer Stabilisierung der Notierungen führen dürften – es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich alle Mitglieder auch an die Vereinbarung halten.

Mögliche Preisanstiege auf breiter Front sollten jedoch insbesondere von Seiten der USA begrenzt werden. Denn ab einem Ölpreis von rund 50 US-Dollar dürften die US-amerikanischen Öl-Unternehmen ihre Produktion wieder hochfahren und eine eventuelle Angebotslücke schließen. Zahlreiche Bohrlöcher in den USA stehen bereit und könnten dann recht kurzfristig aktiviert werden.

Insgesamt rechnet die Deutsche Bank in diesem Umfeld weiterhin mit einem Ölpreis von 55 US-Dollar zum Jahresende 2017. Dabei dürfte die erwartete Stabilisierung nicht nur vielen Förderländern zugutekommen. Auch auf die Gewinnsituation von Unternehmen aus dem Energie- oder Versorgungssektor dürften sich stabilere Ölpreise positiv auswirken. Weiter könnten zahlreiche Volkswirtschaften von einem ölpreisbedingten Anziehen der Inflation profitieren.

 

Dr. Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

 

 

09.12.2016 | 14:56

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