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Schutz vor Inflation - Rohstoffe als effektive Absicherung


von David Donora, Leiter des Rohstoffteams von Threadneedle

Die Angst vor Inflation wächst und Anleger suchen Sicherheit. Was aber ist ein guter Inflationsschutz? Bislang galten Rohstoffe als effizienter Schutz gegen Inflation und sind seit Langem als Absicherung bekannt. Jüngste Kurskorrekturen an den Rohstoffmärkten, wie bei Silber kürzlich zu beobachten war, werfen jedoch die Frage auf, ob Rohstoffe diesen Schutz noch bieten.

Eines vorweg: Solange das Wachstum der Schwellenländer beständig bleibt und in den entwickelten Ländern weiterhin eine unorthodoxe Geldpolitik betrieben wird, sind Rohstoffe ein wirkungsvoller Schutz gegen die Effekte der Inflation.

Zwei Faktoren sind derzeit wesentlich für die steigende Inflation verantwortlich. Zum einen ist es die Nachfragesituation in den Schwellenländern. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts war vor allem China für die steigende Rohstoffnachfrage verantwortlich. Das Reich der Mitte ist weltweit der größte Verbraucher von Energie und Industrierohstoffen. Andere Länder wie Indien folgen in geringem Abstand. Um den Lebensstandard für fast die Hälfte der Weltbevölkerung zu verbessern, sind enorme Investitionen in die Infrastruktur notwendig und der Energiehunger muss gestillt werden. Das Bevölkerungswachstum, die damit verbundene Urbanisierung sowie die veränderte Einkommenssituation verstärken diese Entwicklung. Die Nachfrage nach Rohstoffen wird also weiter zunehmen.

Eine weitere zentrale Ursache steigender Inflation ist der Wertverlust der US-amerikanischen Währung. Der langfristige Wert des Dollar und seine Funktion als Reservewährung der Welt leiden unter der wachsenden Verschuldung Amerikas. Wenn hier keine Trendwende eintritt, wäre das beste Szenario ein anhaltender Wertverlust des Dollar. In der Regel sind die Rohstoffpreise in Dollar notiert – sie werden in der Folge weiter nach oben klettern.

Neben diesen beiden makroökonomischen Schlüsselfaktoren gelten für die Rohstoffmärkte weitere Besonderheiten. In diesem Jahr konnte man beobachten, wie stark geopolitische Risiken die Preise beeinträchtigen. Aufgrund der Unruhen in Nordafrika im ersten Quartal 2011 stieg der Ölpreis um 24%. Dies erinnerte an die Ölkrise in den 70er-Jahren. Damals versuchte die US-Regierung, mit Preiskontrollen auf die schnell steigende Inflation zu reagieren. Dieser Plan ging nicht auf, denn kurzerhand sprach die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ein Embargo gegen die USA aus. Der Ölpreis schoss zwischen Ende 1973 und Anfang 1974 um 70% in die Höhe.

Ein anderer Mechanismus im Kampf gegen die Inflation sind Zinserhöhungen. Paul Volcker, der ehemalige Vorsitzende der Fed, hat in der Hochinflationsphase Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre in den USA durch Zinserhöhungen die Rendite der dreimonatigen US-Bonds auf über 15% gesteigert. Beim heutigen Stand der Verschuldung in den Industrieländern ist eine solche Maßnahme kaum denkbar. Die entwickelte Welt ächzt schon jetzt unter ihrer Schuldenlast – daher ist aus Sicht der Politik der Verlust der Kaufkraft als ein weniger schmerzhaftes Mittel zu tolerieren.

Bis es jedoch glaubwürdige, nachhaltige Anstrengungen gibt, den Dollar durch höhere Zinssätze, Steuererhöhungen sowie Reduktion öffentlicher Ausgaben zu stärken, wird das Kapital vor allem in harte Asset-Klassen investiert. Dadurch bleibt die Gefahr steiler Preisanstiege bei Rohstoffen größer als in normalen Zeiten. Auch wenn wir mit einer höheren Volatilität auf den Rohstoffmärkten kämpfen, stellen Rohstoffe einen sicheren Hafen für den Kapitalerhalt dar und bleiben eine wirksame Absicherung gegen Inflation.

22.06.2011 | 00:00

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