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Abwärtspotential auf dem Ölmarkt

Geht es doch wieder bergab? (Bild: Fotolia / artemegorov)


Die bevorstehende Opec-Konferenz wird darüber entscheiden, ob die Ölförderung tatsächlich gedrosselt werden wird. Analysten und Beobachter sind äußerst skeptisch, und die Preisentwicklung der vergangenen Tage scheint sie bestätigen.

Kommt die Einigung oder kommt sie nicht? So fragt das Handelsblatt. Die Wirtschaftszeitung fährt fort: „Marktbeobachter richten den Fokus in dieser Woche auf die Opec – und hoffen inständig ihre Handlungsfähigkeit. Am Mittwoch trifft sich das Ölkartell in Wien, um sich erneut auf eine konkrete Reduktion der Ölfördermenge zu einigen, die wiederum den Preis stabilisieren soll. Bereits am heutigen Montag kamen Opec-Experten zur Vorbereitung zusammen. In der Vergangenheit wurde man allerdings häufig enttäuscht oder vertröstet – und daher bringen einige Experten dem Optimismus gehörig Skepsis entgegen. Es wachsen die Zweifel, ob das Ölkartell am Mittwoch tatsächlich eine konkrete Produktionskürzung festzurrt.“

 

Die Opec selbst jedenfalls äußert sich vorsichtig zuversichtlich. „Wir sind noch hoffnungsvoll“, sagte ein Vertreter aus Libyen am Montag. „Solange wir uns unterhalten, sollten wir optimistisch sein“, so die Delegation aus Kuwait. Kritiker halten dagegen: Für eine gemeinsame Vereinbarung seien die internen Meinungsverschiedenheiten noch zu groß.

Die Entwicklung der vergangenen Tage bestätige diesen Eindruck, so das Handelsblatt weiter: „Ursprünglich war dieser Tage auch ein Gespräch mit marktrelevanten Akteuren geplant, die dem Ölkartell nicht angehören – so etwa mit Russland. Der größte Opec-Player, Saudi-Arabien, drängte allerdings erfolgreich auf eine Absage. Solange man sich intern nicht einigen könne, seien konkrete Verhandlungen mit anderen Förderländern nicht sinnvoll, hieß es. Stattdessen treffen sich nur die Opec-Staaten, während vereinzelt Delegierte des Ölkartells für lose Gespräche nach Moskau reisen.“

Aus Riad kommen neue Äußerungen, die indirekt alle Kritiker stärken. Energieminister Khalid al-Falih erklärte am Sonntag, Saudi-Arabien müsse die Ölförderung  gar nicht kürzen, um den Preis zu stabilisieren. Vielmehr erwarte er, „dass die Nachfrage 2017 ermutigend sein wird“, so al-Falih. Womöglich sei es daher ausreichend, die Produktion konstant zu halten statt sie gleich zu senken.

Sollte die Förderung letztlich gedrosselt werden, soll dies nach Wunsch der Opec Hand in Hand mit anderen wichtigen Ölstaaten wie Russland geschehen. Nur so könnten die Preise nachhaltig erhöht werden, argumentiert die Opec. Der Kreml fördert derzeit selbst auf Rekordniveau. Russlands Ölminister Alexander Nowak sagte kürzlich, dass bereits eine konstante Fördermenge eine „schwierige Situation“ bedeuten würde – daher halten Experten gar einen Produktionsrückgang für unwahrscheinlich.

Wohin die Preise wohl steuern

Dass das Treffen in Wien tatsächlich die gewünschten und angekündigten Ergebnisse liefert, scheint dieser Tage also ungewisser denn je. Die Preise jedenfalls reagierten zu Wochenbeginn eher verhalten: Ein Barrel der Nordseesorte Brent (159 Liter) kostete am Montagnachmittag 48,32 US-Dollar – am Morgen waren es noch 47,11 US-Dollar. Experten der Commerzbank vermuten eine Preisbewegung in Richtung der 40-Dollar-Marke, sollten sich die OPEC-Staaten nicht auf weniger Förderung einigen können.

Diese Entwicklung erwartet auch Analyst David Hufton vom Brokerhaus PVM Oil Associates. „Anfang nächsten Jahres könnte es dann auf 30 Dollar runtergehen, so Hufton. Andere Experten wiederum gehen bei einer Einigung von einer Konvergenz hin zu 50 oder 55 Dollar pro Barrel aus. Sollte die OPEC die Fördermenge regulieren können, wäre das die fast nicht mehr erwartete Umsetzung der Einigung der Opec-Staaten, die sie Ende September bei einer Konferenz in Algier beschlossen und als „Weg nach vorn“ angekündigt hatten – das entspricht einer Drosselung der Produktion um 800.000 Barrel auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag. Und die ist, was eine nachhaltige Erholung des Ölpreises betrifft, lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein.

29.11.2016 | 00:43

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