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IBU-Tec Advanced Materials wächst durch Übernahme

Chemie aus dem Bitterfelder Dreieck: IBU-tec (Bild: IBU-tec)


IBU-Tec aus Weimar hat die die im benachbarten Bittefeld ansässige BNT Chemicals übernommen. Auf Jahresbasis soll der Umsatz sich gegenüber den bisherigen Prognosen ganz deutlich mehr als verdoppeln, die Gewinnerwartung hat mit den bisherigen Planungen – im positiven Sinne – nunmehr auch nichts mehr gemein. Bis jetzt scheint IBU-Tec indes ein Geheimtip für Anleger zu sein.

Auf diese Meldung aus dem beschaulichen Weimar haben die Aktionäre der IBU-Tec Advanced Materials AG gewartet: Mit der jüngst angekündigten Übernahme von BNT Chemicals katapultiert sich das Unternehmen (ISIN DE000A0XYHT5) wirtschaftlich und strategisch in eine neue Dimension. Mit dem Zukauf bereitet IBU-Tec all jenen Börsianern auch eine faustdicke Überraschung, die nach der vor wenigen Wochen verkündeten Eröffnung eines neuen Firmenstandorts in Bitterfeld gemutmaßt hatten, das Unternehmen setze gut ein Jahr nach dem Börsengang bei der Expansion allein auf organisches Wachstum. Offenkundig will Firmenchef Ulrich Weitz, der auch größere Teile am Unternehmen hält, aber zweigleisig fahren.

Mit BNT Chemicals erweitert IBU-Tec zunächst einmal seine Wertschöpfungskette. Bisher als Spezialist für thermische Verfahren hat das Unternehmen jetzt auch die vorgelagerte „Nasschemie“ mit ins Portfolio genommen. Zusätzlich bedeutsam: während IBU-tec bislang als reiner Dienstleister agierte, verfügt BNT Chemicals auch über eigene Produkte vor allem im Bereich der Organo-Zinn-Katalysatoren. Diese Produkte kommen beispielsweise in der Pharmaindustrie oder bei der Glasbeschichtung zum Einsatz, was den Kundenkreis und die adressierten Märkte von IBU-Tec erweitert. Ein weiteres Standbein von BNT ist die Automobilindustrie, die sie mit Katalysatoren versorgt – allerdings unabhängig vom Verbrennungsmotor und damit anders als IBU-Tec bislang.

IBU-Tec erweitert mit dem Zukauf auch in der Automobilzulieferbranche das Kundenklientel. Gleichzeitig plant Unternehmenslenker Weitz kräftig Synergien zu heben. Sowohl in der chemischen- als auch in der Bauindustrie bündeln die Unternehmen durch die Fusion künftig ihr weitreichendes Know-how. Die Stoffe, die IBU-Tec bislang behandelt und veredelt, können nun problemlos im eigenen Haus hergestellt werden. Weiteres organisatorisches Synergiepotential sieht Weitz in der strategischen Lage der BNT Chemicals im Chemiepark Bitterfeld.

Erst kürzlich hat IBU-Tec dort selbst einen weiteren Standort errichtet, dessen Produktion im Bereich der Batteriewerkstoffe und chemischen Katalysatoren bereits in der späteren zweiten Jahreshälfte 2018 anlaufen soll. Das Firmengelände von BNT liegt nur einen Steinwurf davon entfernt. Einen Großteil des künftigen Umsatzes der BNT Chemicals hat sich IBU-tec durch eine strategische Kooperation mit der ehemaligen Muttergesellschaft des Bitterfelder Unternehmens schon im Vorfeld gesichert. Darüber hinaus seien gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit TIB geplant, wie man aus Unternehmenskreisen hört.

Die Übernahme lässt IBU-Tec auch wirtschaftlich in eine neue Dimension vorrücken. Anstelle der bisher avisierten 18,5 bis 20 Millionen Euro beim Umsatz im laufenden Geschäftsjahr soll sich dieser auf das Jahr hochgerechnet auf 45 bis 50 Millionen. Euro mehr als verdoppeln. Beim Ergebnis wird sich die Akquisition ebenfalls deutlich positiv durchschlagen. Nach einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 4,3 Mio. Euro im vergangenen Jahr sollen es im laufenden Jahr zwischen 5,5 und sieben Mio. Euro werden. Einmalige Akquisitionseffekte sind darin nicht berücksichtigt, allerdings ist es nach Angaben des Unternehmens sogar möglich, dass diese Effekte gewinnsteigernd wirken. IBU-Tec Chef Weitz sieht bei der neu übernommenen BNT weiteres Margenpotenzial, das künftig gehoben werden soll.

Die Akquisition gibt dem Unternehmen aus Weimar einen dynamischen Schub. IBU-Tec hat die Versprechen aus dem Börsengang vollends eingehalten und Mittel aus dem IPO zielgerichtet in das organische und anorganische Wachstum investiert. Die weiteren operativen Entwicklungen stehen somit auf einer starken Basis, die Fundamentaldaten sind solide, die Story absolut intakt. Einzig der Kapitalmarkt hat die jüngsten Entwicklungen bislang noch nicht honoriert. Arno Göbel

11.07.2018 | 14:52

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