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Lithium, Kobalt, Nickel: Die neuen Stars am Rohstoffhimmel

Kobalt: ein neuer Star! (Bild: Shutterstock)


Von wegen Gold und Silber! Die Nachrichten machen derzeit andere. Lithium, Kobalt oder Nickel sind populär wie nie zuvor. An der Börse präsentieren sie sich nun schon seit langer Zeit im Rally-Modus. Digitalisierung und Automatisierung lassen grüßen. Doch wie lange geht das noch so weiter? Und lohnt es sich jetzt noch einzusteigen? Ein Blick auf Chancen und Risiken.

Von Oliver Götz

Kobalt

Gemeinsam mit Lithium und Coltan gehört Kobalt zu den Grundstoffen, ohne die bislang kein Smartphone funktioniert und kein E-Auto fährt. Das silberblaue Metall nämlich ist essentieller Bestandteil des wichtigsten Energiespeichers der Neuzeit, dem Lithium-Ionen-Akku. Den braucht man – den Blick in die Zukunft gerichtet – vor allem in Bezug auf die globale Fahrzeugelektrifizierung. Auch wenn bereits an Alternativen geforscht wird, am Speicher auf Lithium-Ionen-Basis führt bislang kein Weg vorbei.

Noch wird ein Viertel der gesamten Kobalt-Produktion im Smartphone-Sektor verwendet, doch der Hunger der Autoindustrie nach dem wertvollen Rohstoff wächst stetig an. Das treibt die Preise, denn: während in der Smartphone-Batterie gerade mal acht Gramm Kobalt stecken, braucht der E-Auto-Akku im Schnitt 8.000 Gramm, also tausendmal so viel. Innerhalb von zwölf Monaten hat sich der Preis für eine Tonne des Schwermetalls um 60 Prozent von 54.500 auf 88.500 US-Dollar erhöht. Mitte März schien mit einem Kurs von 94.000 Dollar sogar die 100.000 Dollar-Marke in Reichweite. Und das, wo der Kobalt-Preis vor drei Jahren doch noch im Bereich von 30.000 Dollar umherdümpelte.

Grund für diesen exorbitanten Preisanstieg ist das bislang knappe Angebot des Rohstoffs und nicht zuletzt der Fakt, dass mit fast zwei Dritteln der Großteil des weltweit geförderten Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo stammt. Dort wiederum werden 20 Prozent des Metalls im informellen Sektor gewonnen. Ungesicherte und unkontrollierte Minen sind in dem afrikanischen Krisenstaat mehr Regel als Ausnahme. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach Kobalt in jüngster Zeit erhöht und dürfte dies Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur nach zukünftig noch deutlicher tun. Lag die weltweit nachgefragte Kobalt-Menge 2010 noch bei 65.000 Tonnen pro Jahr, rechnen die Experten bis zum Jahr 2025 mit einem Anstieg auf 155.000 Tonnen.

Egal ob Apple oder Samsung,  Tesla, Volkswagen oder BMW, alle wollen sie ein Stück ab vom Kobalt-Kuchen, versuchen sich an eigenen Lieferverträgen mit den Produzenten. Lieferengpässe könnten sich so häufen, weitere Preiserhöhungen die Folge sein. Risiken wie eine hohe Volatilität, der bereits kräftig gestiegene Preis und der sich langsam sättigende Smartphone-Markt bleiben allerdings bestehen. Weiterhin halten vor allem die Automobilkonzerne Ausschau nach Alternativen, versuchen sich überhaupt an einer Reduzierung des Rohstoffaufwandes.

In Kobalt zu investieren dürfte nichts für Anleger mit schwachen Nerven sein. Nicht zuletzt auch deshalb, da es hierzulande bislang weder ETFs noch spezielle Kobalt-Aktienfonds  gibt. Bleibt das Investment in einzelne Aktiengesellschaften. Mit Blick auf kleinere Unternehmen ist ein solches aber oft riskant. Und bei Großkonzernen wie Glencore bestimmen – noch – andere Rohstoffe die Geschäftsentwicklung.

Lithium

Da sind die Anlageoptionen mit Blick auf den Lithium-Markt vielfältiger. Über ETFs lässt sich schon länger breit aufgestellt in den Sektor investieren. Und das bislang ziemlich erfolgreich.
Bekam man 2014 für eine Tonne Lithium um die 5.500 US-Dollar, sind die Preise inzwischen auf über 16.000 Dollar in die Höhe geschnellt. Branchenexperten rechnen bis 2020 mit weiteren Preissteigerungen in Höhe von zwölf Prozent pro Jahr. Nicht nur die Aktie des weltgrößten Lithium-Produzenten Albemarle stieg kräftig mit und verteuerte sich innerhalb von zwei Jahren um 130 Prozent, auch die Papiere kleinerer Explorer, die noch nicht einmal in Produktion gegangen sind, konnten teils deutliche Zuwächse verzeichnen.

Zu Beginn des Jahres mussten sie ihren hohen Bewertungen dann erstmals länger anhaltend Tribut zollen. Die Chancen, dass es bald wieder bergauf geht, stehen aber nicht schlecht. Denn derzeit teilen sich nur vier Unternehmen die gesamte Lithium-Produktion untereinander auf. Allein 30 Prozent, schätzen Experten, dürfte auf Albemarle entfallen. Ein weiteres knappes Drittel auf den zweiten großen Player am Markt, den chilenischen Bergbaukrösus SQM. Damit verfügen allein diese beiden Konzerne über eine große Preismacht.

Und die Lithium-Nachfrage wird weiter zunehmen, davon ist der Großteil von Analysten und Experten überzeugt. „Es wird erwartet, dass die Anzahl der neu verkauften Elektroautos in den kommenden Jahren auf fünf bis sechs Millionen Fahrzeuge ansteigt, was einem Marktanteil von ungefähr fünf bis sieben Prozent entspricht“, schreibt der Lynxbroker-Experte Sascha Sadowski. In der Folge sei bereits 2025 mit einem zusätzlichen Bedarf an Lithiumcarbonat von bis zu 300.000 Tonnen zu rechnen. Damit würde sich das derzeitige Marktvolumen in Höhe von 210.000 Tonnen mehr als verdoppeln. 2016 noch, lag die globale Lithium-Produktion bei gerade einmal 40.000 Tonnen.

Ähnlich wie bei Kobalt, streiten sich Autohersteller, Batterieproduzenten und Co. teils erbittert um langfristige Lieferverträge. Vor allem die Chinesen bemühen sich in Australien, Afrika und Südamrika um Lieferanten. Da in den kommenden Jahren nur wenige Förderstätten neu in Produktion gingen, rechneten viele Experten in der Folge mit Engpässen, erklärt Sadowski.

Ein Investment in Lithium-Aktien klingt da schnell nach sicherer Rendite. Doch Obacht!  Noch ist nicht abzusehen, wie lange die Lithium-Ionen-Batterie die bevorzugte Akku-Variante bleibt. Längst gibt es Alternativen, wie beispielsweise die Natrium-Ionen- oder die Kohlenstoff-Batterie. Wenn technologisch ausgereift, könnten sie dem auf Lithium basierenden Energiespeicher Konkurrenz machen. Bis solche Konkurrenz-Batterien oder vielleicht sogar Antriebe auf Brennstoffzellenbasis den Sprung auf den Massenmarkt schaffen, dürfte es aber noch ein weiter Weg sein. Noch wächst der Lithium-Bedarf schneller als seine Förderung. Und das führt in der Regel zu steigenden Preisen. Gut möglich also, dass viele Lithium-Aktien nach dem Korrekturkurs in den ersten Monaten 2018 nun eine günstige Einstiegsgelegenheit bieten.

Nickel

An Nickel dachten lange Zeit die wenigsten, wenn es um den Rohstoffbedarf der Zukunft ging, der wiederum maßgeblich von den Umwälzungen in der Fahrzeugindustrie beeinflusst werden dürfte. Während Lithium und Kobalt das globale Medieninteresse auf sich zogen, wollte sich mit Nickel keiner so recht auseinandersetzen. Mit einem Plus von mehr als 60 Prozent seit dem Zwischentief bei 8.880 Dollar im Juni 2017 schickt sich das Metall nun aber an, etwas verspätet doch noch zum großen Profiteur der globalen E-Auto-Revolution zu werden. Mit einem Kurs von 14.440 Dollar ist Nickel an der Börse derzeit so viel wert, wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

In den meisten Elektro-Fahrzeugen komme eine Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Kathode zum Einsatz, erklärt Nitesh Shah, Director Commodities Strategist bei ETF Securities. Die Chancen, dass sich diese langfristig durchsetze, stünden gut. Und während derzeit Nickel, Mangan und Kobalt noch zu gleichen Teilen vorkämen, verschiebe sich das Verhältnis der Metalle allmählich zugunsten von Nickel auf 8:1:1. Mit Blick auf die Tesla-Batterien ist Nickel bereits heute mengenmäßig der wichtigste Bestandteil der positiven Elektrode.

Mit ein Grund für diese von vielen Experten erwartete Verschiebung: Nickel kommt zu einem Großteil aus Russland, Australien und Kanada. Gemeinsam sind die drei Länder für mehr als 50 Prozent der Weltfördermenge verantwortlich. Nochmal zum Vergleich: Mehr als 60 Prozent des global verfügbaren Kobalts werden im politisch instabilen Kongo aus der Erde geholt. Die Nickel-Quellen gelten daher vielen Batterie- und Fahrzeugherstellern sowohl als vergleichsweise sichere wie auch deutlich günstigere Alternative. Eine Tonne Kobalt kostet derzeit sechsmal so viel wie eine Tonne Nickel. Selbst wenn der Nickelpreis weiter steigen sollte, wäre das Metall immer noch deutlich günstiger zu haben, als Kobalt.

Dass er weiter steigt, gilt bei der momentanen Marktsituation als nicht gerade unwahrscheinlich. Laut der Internationalen Studiengruppe Nickel dürfte die primäre Produktion des Rohstoffs 2018 um 148.000 Tonnen, gemessen an der Nachfrage also um 8,7 Prozent, hinter dem primären Nickelbedarf (2018: 2,1 Millionen Tonnen) zurückbleiben. Das entspräche bereits im dritten Jahr in Folge einem Angebotsdefizit. Im Zuge der Preisschwäche mussten in den letzten Jahren viele Bergbauunternehmen ihre Investitionen kürzen, womit das Minen-Angebot in der Folge nicht mehr ausreichte, um die weltweite Nachfrage zu decken. Zudem schloss China einige Minen aus Gründen des Umweltschutzes.
Angesichts der früheren Preise für den Rohstoff – eine Tonne Nickel kostete vor zehn Jahren auch schon mal mehr als 50.000 Dollar – mangelt es dem Metall an der Börse nicht an Aufwärtspotenzial.

Fazit

Nach den Prognosen der Internationalen Energiebehörde sollen 2025 zwischen 40 und 70 Millionen Elektrofahrzeuge über die Straßen rollen. Heute sind es gerade einmal zwei Millionen. Die Boston Consulting Group rechnet in einer Studie mit einem Anstieg des Marktanteils von elektrisch beziehungsweise teilelektrisch angetriebenen Fahrzeugen an den weltweiten Neuwagenverkäufen auf insgesamt 50 Prozent. Derzeit liegt er bei zirka vier Prozent. Und selbst wenn sich der Wandel langsamer vollziehen sollte, allein ein Marktanteil von 30 Prozent wäre gleichbedeutend mit einer um 300.000 Tonnen ansteigenden Kobalt-Nachfrage. Das entspräche mehr als dem Doppelten des aktuellen Marktvolumens. Für die Nachfrage nach Nickel und Lithium sieht es ähnlich aus.

Die Chancen, dass die drei Metalle weiterhin die Nachrichten machen und vielleicht sogar noch populärer werden, stehen damit nicht schlecht. Investoren allerdings sollten eines nicht vergessen: Die Abhängigkeit vom Erfolg der E-Auto-Revolution ist hoch. Und deren Gelingen ist bei allem Optimismus noch längst keine ausgemachte Sache. Und selbst wenn sie gelingt, könnten bis dahin auch schon neue und bessere Batterietechnologien auf dem Markt sein. Das Setzen auf Kobalt, Lithium und Nickel bleibt damit weiterhin auch und vor allem eines:  eine Wette.

21.05.2018 | 14:22

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