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OPEC dreht an der Ölschraube: Preise steigen deutlich

Achterbahnfahrt an den Rohstoffmärkten (Bild: Fotolia / Björn Wylezich)

Es könnte sich bald wieder lohnen, Ölaktien zu besitzen. (Bild: Fotolia / Georg Lehnerer)


Algerien scheint ein gutes Pflaster für die Opec zu sein. Obwohl das derzeitige Treffen als informell  klassifiziert war, gelang es dem Kartell, eine Begrenzung der Fördermengen zu beschließen. Entscheidend war, dass zwischen dem Iran und Saudi-Arabien eine Annäherung stattgefunden hat. haben. Die Ölpreise schwappen in die Höhe: gute fünf Prozent ging's nach oben.

Die Opec-Staaten wollten ihre Produktion auf 32,5 von bisher 33,24 Millionen Barrel pro Tag senken, wie nach Angaben des Handelsblattes zwei Vertreter des Kartells sagten. Beim nächsten offiziellen Opec-Treffen im November würden die genauen Fördermengen einzelner Länder bestimmt. Dann sollten auch Nicht-Opec-Staaten wie Russland dazu aufgefordert werden, ihre Produktion ebenfalls zu drosseln, so die Wirtschaftszeitung.

Für den aufmerksamen Beobachter müssen die Preissprünge auf dem Ölmarkt derzeitzuvir reichlich irrational gewirkt haben: Seit Anfang August befanden sich die Preise in einem stetigen Aufwärtstrend, sie überschritten teilweise sogar die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar pro Barrel. Ende August war die Rallye jedoch auch schon wieder vorbei. Die Preise für die Nordseesorte Brent fielen um fast zehn Prozent auf 45,5 Dollar pro Barrel. In der ersten Septemberwoche wiederholte sich dieses Schauspiel, ebenso wie in der darauffolgenden Woche.

Nervös reagierten die Märkte auf die kleinsten Hinweise, und eutlich war nun der Ruck nach der Ankündigung der OPEC. Auslöser für einige kleinere Preissteigerungen im September waren die Daten des amerikanischen Energieministeriums in Washington gewesen. Dieses hatte mitgeteilt, dass die Rohöllagerbestände der USA überraschend um 14,51 Millionen auf 511,4 Millionen Barrel zurückgegangen seien. Anleger hofften daher auf eine Erholung des Marktes und griffen beim Öl zu. Doch schon einen Tag später setzte die Ernüchterung ein. Wie die Analysten der Commerzbank richtig erkannt hatten, war der Rückgang der Lagerbestände keineswegs auf eine gedrosselte Produktion oder sogar eine gestiegene Nachfrage zurückzuführen. Vielmehr waren es die Auswirkungen des Tropensturms Hermine. Dieser hatte die Rohölimporte aus dem Golf von Mexiko drastisch verringert, wodurch der Rückgang der Lagerbestände fast gänzlich erklärt werden konnte.

Abgesehen von dieser Ausnahmemeldung waren es aber vor allem die Äußerungen verschiedener Politiker aus den OPEC-Staaten, die den Ölpreis immer wieder ins Schwanken gebracht hatten. So hatten sowohl Irans als auch Saudi-Arabiens Ölminister in den letzten Wochen betont, dass sie an einer Stabilisierung des Ölpreises arbeiten wollen. Der Iranische Amtsinhaber Bidschan Namdar Sanganeh hatte beispielsweise festgestellt, dass er einen Preis zwischen 50 und 60 Dollar für ökonomisch halte. Und gerade erst hatten am Rande des G20-Gipfels die Staaten Saudi-Arabien und Russland angekündigt, eine gemeinsame Arbeitsgruppe einzurichten, um eine mögliche Förderbegrenzung zu diskutieren.

Einigung unwahrscheinlicher denn je

Doch diese Vorhaben stehen im krassen Gegensatz zur Realität. Das Hauptproblem in der Krise besteht nämlich in einem Produktionsüberschuss an den Märkten, der auf eine geringe Nachfrage trifft und damit zu einem niedrigen Preisniveau führt. Dieser Überschuss resultiert jedoch vor allem aus einem Kampf um Marktanteile, der die beteiligten Staaten zwingt, immer mehr Öl zu produzieren. So fördern Russland und Saudi-Arabien aktuell so viel Öl wie nie zuvor in der Geschichte der beiden Staaten. Und auch der Iran macht nach dem Ende der westlichen Sanktionen keinen Hehl daraus, dass es mindestens auf das Förderniveau zurückkommen möchte, dass es vor den Sanktionen innehatte. Dies würde bedeuten, dass Iran seine Produktion noch um mindestens 200.000 Barrel pro Tag steigern wird. Zudem haben Staaten wie Nigeria, Irak und Libyen bereits angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion wieder aufzunehmen.

Darüberhinaus ist eine Begrenzung der Fördermenge schon aus rein praktischen Gründen problematisch. Denn die Staatshaushalte der meisten Petrostaaten hängen am Tropf des Ölverkäufe. Würden diese ihre Produktion verringern, der Preis jedoch nicht schnell steigen, wären Staaten wie Venezuela oder Brasilien wohl bald bankrott und selbst Saudi-Arabien und Russland würden in enorme Schieflage geraten. Ein schneller Anstieg des Preises wird jedoch durch die weltweit vollen Lagerbestände verhindert.

Nicht zuletzt stehen aber auch die Streitigkeiten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran einer Einigung im Weg. Die sunnitischen Saudis und die schiitischen Iraner gelten als heillos zerstritten. Im Januar hatte Riad nach gewaltsamen Protesten vor der saudischen Botschaft die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Zuletzt sorgte der Ausschluss der Iraner von der Hadsch, der alljährlichen Pilgerreise nach Mekka, für einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen der beiden muslimischen Länder. Eine Einigung der beiden mächtigsten OPEC-Länder und damit auch das Ende der aktuellen Ölpreiskrise ist demnach unwahrscheinlicher denn je. Daran werden auch die aktuell in Algerien stattfindenden Gespräche des Kartells nichts ändern können. Egal, was führenden Politiker im Vorfeld auch behaupten mögen. Robin Schenkewitz / Update: sig

 

 

28.09.2016 | 22:29

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