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Russland auf Kauftour: Yuan und Gold, statt US-Staatsanleihen und Dollar


Der Dollar als weltweite Leitwährung hat in den letzten Jahren einen Konkurrenten bekommen. Der chinesische Yuan tritt langsam aber sicher immer mehr in den Vordergrund und ersetzt zunehmend den Dollar als Devisenreserve der Wahl. Bestes Beispiel ist Russland, das bereits vor rund einem Jahr fast seine gesamten Bestände an US-Staatsanleihen aufgelöst hat.

„Rund 81 Millionen US-Dollar in Staatsanleihen hat die russische Zentralbank im April und Mai 2018 abgestoßen. Die Summe war so hoch, dass Russland aus der Liste der 30 größten Eignern von US- Staatsanleihen herausfiel“, erklärt Sascha Sadowski, Finanzmarktexperte beim Online-Broker LYNX. „Gleichzeitig investierte Russland jedoch verstärkt in den chinesischen Yuan, was angesichts der immer noch begrenzten Konvertierbarkeit des Yuan durchaus bemerkenswert ist.“ Seiner Meinung nach limitiert diese Eigenschaft die Eignung des Yuan als Devisenreserve für Zentralbanken und erklärt das zweite Standbein, auf das Russland derzeit bei seinen Investitionen setzt: Gold.

„Gold war eigentlich fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch eine sichere Bank, wenn es um eine verlässliche Geldanlage ging. Daran hat sich allen anderslautenden Prophezeiungen zum Trotz bis heute nichts geändert. Das weiß man auch in Russland und so verwundert es nicht, dass es im vergangenen Jahr 2018 so viel des Edelmetalls gekauft hat wie nie zuvor und damit quasi einen Boden beim Goldpreis eingezogen hat. Über die letzten zehn Jahre hat das Land seine Goldreserven nahezu vervierfacht. Sollte Russland dieses Investitionstempo in Gold noch steigern, könnten die Käufe durchaus erkennbare Auswirkungen auf den Preis haben“, so der Experte. Er sieht in der geänderten Anlagestrategie der Russischen Zentralbank ein deutliches Zeichen für eine Abkehr vom Dollar als sicherer Hafen und für eine Umstrukturierung der Devisenreserven des Landes.

Nicht nur Russland versucht derzeit, sich von der Vormachtstellung des Dollar und damit aus der Abhängigkeit der USA zu befreien. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte kürzlich, dass Europa seiner Meinung nach zu abhängig vom Greenback sei und Polen und Ungarn waren 2018 die ersten EU-Länder seit mehr als zehn Jahren, die nennenswerte Beträge in Gold investierten. „Die USA unter Donald Trump haben sich in den vergangenen Jahren nicht immer als verlässlicher Partner erwiesen. Mit Strafzöllen und Drohungen hat sich die US-Regierung weltweit nicht unbedingt beliebt gemacht und das hat auch Auswirkungen auf den Status des Dollar als Leitwährung. Immer mehr Länder suchen mittlerweile nach Alternativen. Trotz all seiner Schwächen und Limitierungen erscheint der Yuan als attraktive Möglichkeit, sich aus der Abhängigkeit von den USA zu befreien. Um die Sicherheit der Währungsreserven nicht zu gefährden ist hingegen Gold optimal geeignet. Mit ihrer Strategie könnte die russische Zentralbank also auch als Vorbild für andere Länder dienen – und damit den US-Dollar dauerhaft schädigen“, fasst Sadowski zusammen.

09.04.2019 | 16:51

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