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Gold – Der König der Geldanlage



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Aus Angst vor wirtschaftlichen Unsicherheiten steuern inmitten der Corona-Pandemie immer mehr Anleger Gold als sicheren Hafen an. Der Preis des Edelmetalls steigt und steigt. Und das könnte noch länger so weitergehen.

Wann bekommt die Menschheit die Corona-Pandemie endlich in den Griff? Und wie stark ist deren Auswirkung auf die Weltwirtschaft tatsächlich? Je länger diese zentralen Fragen weiter unbeantwortet bleiben, desto stärker steigt die Verunsicherung in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Und natürlich an den Märkten. Während Covid-19 erst die internationalen Aktienbörsen und jüngst auch den Ölpreis mit voller Wucht getroffen und in die Tiefe gezogen hat, kann ein Bodenschatz seinen Nimbus als krisensichere Anlage abermals unterstreichen: Gold. Immer mehr Investoren flüchten sich dieser Tage in den vermeintlich „sicheren Hafen“ und schichten ihr Vermögen zugunsten des gelben Edelmetalls um. Nachdem der Goldpreis im ersten Quartal dieses Jahres trotz zwischenzeitlicher Kursverlusten zu Beginn der Corona-Krise bereits um fünf Prozent auf knapp 1600 US-Dollar zulegen konnte, hat der Run seit Ostern plötzlich so sehr an Dynamik hinzugewonnen, dass sogar die 1.700-Dollar-Marke geknackt werden konnte – ein neues Sieben-Jahres-Hoch ist nun erreicht, in vielen anderen Währung wurden sogar neue Allzeithochs markiert.

Doch damit nicht genug. Geht es nach der Einschätzung von Experten, ist das Ende der Rally beim Goldpreis noch lange nicht in Sicht: „Ich glaube, dass der Goldkurs noch im Laufe dieses Jahres auf 2.000 Dollar steigen wird. Ich denke man sollte es in seinem Portfolio haben. Die massiven Liquiditätsspritzen der US-Notenbank werden die Aktienkurse, aber auch Gold stützen", gibt sich etwa Bill Baruch, Präsident von Blue Line Capital, gegenüber dem US-Sender CNBC optimistisch. Im Zusammenhang mit der Preisentwicklung beim Gold spricht der renommierte Chartanalyst von einer sogenannten inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Diese besteht aus zwei Hochs (Schultern) und einem Tief (Kopf). Baruch erklärt: „Der Chart zeigt eine inverse Kopf-Schultern-Formation - eine schöne technische Formation, die sich über den Zeitraum März und April ergab und wir brechen nun nach oben aus. Der Ausbruch hat bereits begonnen."

Getoppt wird sein sich ohnehin schon auf Rekordniveau bewegendes Kursziel – das aktuelle Allzeithoch in Dollar liegt bei 1.900 pro Feinunze und stammt aus dem Jahr 2011, also einer Zeit, in der die Märkte unter dem Eindruck der Finanzkrise standen – allerdings noch von der Bank of America. Diese hält einen Goldpreis-Anstieg auf 3.000 Dollar innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre für realistisch. Neben dem Argument der Krisensicherheit führen die Analysten der zweitgrößten US-Bank ein weiteres zentrales ins Feld. Sie verweisen auf eine erneute Lockerung der Geldpolitik der führenden Notenbanken verbunden mit milliardenschweren Wertpapierkäufen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Diese dürfte – so die Experten – tendenziell dazu führen, dass sich die Zinsen in den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern mittel-bis langfristig auf oder sogar unter die 0-Prozent-Marke bewegen werden. Zinslose Geldanleihen wie Gold könnten davon profitieren und beispielsweise gegenüber Staatspapieren an Attraktivität gewinnen. Kurzum: Die Zentralbanken könnten zwar ausreichend viel Geld drucken – Gold hingegen nicht.

In dieselbe Kerbe schlagen zudem die Experten von Goldman Sachs und sprechen in ihrer jüngsten Goldpreis-Studie von einer durch die Geldflut der Notenbanken befeuerte bevorstehenden Preisrally beim gelben Edelmetall. „Wir argumentieren seit langem, dass Gold die Währung der letzten Instanz ist, die als Absicherung gegen Entwertung der Währung dient, wenn politische Entscheidungsträger handeln, um Schocks wie dem, der jetzt erlebt wird, entgegenzuwirken", meint Jeffrey Currie, Leiter Rohstoffe bei der Wall Street Bank. Und auch der deutsche Rohstoffexperte Daniel Briesemann ist davon überzeugt, dass der Goldpreis „von der schieren Geldmenge, die derzeit von den Zentralbanken in den Markt gepumpt wird" profitieren werde. „Mit dem Abbau dieser sich auftürmenden Schuldenberge werden wohl Generationen beschäftigt sein", so der Commerzbank-Experte. Da sei es nicht verwunderlich, dass „Gold als wertstabile Anlage gefragt ist". 

Trotz dieser von Briesemann hervorgehobenen Wertstabilität sollten sich Anleger, die über ein Investment in Gold nachdenken, allerdings darüber bewusst sein, dass der Goldpreis durchaus volatil ist. Das zeigt nicht zuletzt der Blick in den zurückliegenden Monat März, in dem der Goldpreis eine regelrechte Achterbahnfahrt erfuhr mit einer deutlichen Differenz von mehr als 250 Dollar zwischen dem Monatshoch- und tief. Nicht auszuschließen also, dass die Kurse nach dem steilen Aufstieg zuletzt erst einmal nachgeben könnten, meint auch Goldhändler Zumpfe: „Nach dem rasanten Anstieg der vergangenen Tage wird der Goldpreis auch zunehmend anfällig für vorübergehende Korrekturen." Dennoch empfiehl Goldman Sachs: „Es ist Zeit, die Währung der letzten Zuflucht zu kaufen.“ Der sichere Hafen wartet.

WIM

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23.04.2020 | 11:06

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