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Apple: Wenn’s drauf ankommt, wird geliefert

(Foto: Shutterstock)



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Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, an dem der Aktienmarkt Apple wirklich brauchte, um die derzeit negative Stimmung aufzuhellen, dann diesen. Und die Anleger wurden mit der Vorlage der Quartalszahlen nicht enttäuscht.

Das Unternehmen konnte mit einem Umsatzplus von elf Prozent auf knapp 124 Milliarden Dollar nicht nur einen neuen Quartalsrekord aufstellen, sondern auch die Erwartungen deutlich übertreffen. Gleiches gilt auch für den Gewinn pro Aktie, der auf 2,10 Dollar kletterte. Profitieren kann davon nicht nur die Aktie selbst, sondern auch der Gesamtmarkt, der so seine Stabilisierung nach dem Ausverkauf zum Wochenstart und dem Fed-Schock vom Mittwoch heute zunächst fortsetzen dürfte.

Ein Fels in der Brandung, aber nicht ohne Risiken

In einem seit Jahren laufenden Bullenmarkt und wegen erneuter Befürchtungen über eine weitere Corona-Welle wurde Apple Anfang Dezember vergangenen Jahres in einem zu diesem Zeitpunkt schon unter Druck geratenen Technologiesektor von den Anlegern zu einer Art sicherem Hafen auserkoren. Die Größe des Hafens zumindest stimmt, denn die Marktkapitalisierung von Apple liegt über der des gesamten Deutschen Aktienindex mit 40 Unternehmen. Viele Analysten überboten sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit ihren Kurszielen und bezeichneten die Aktie sogar als autark gegen jegliche Abwärtsbewegungen.

Sicherlich sind in einem sehr positiven Szenario und einem stabilen Gesamtmarkt auch die hohen Kursziele der Wall-Street-Analysten erreichbar, die teilweise bei 200 US-Dollar je Aktie liegen. Wie man allerdings bereits im Covid-Crash im Frühjahr 2020 gesehen hat, ist Apple mit seinen riesigen Bargeldreserven, enormen Cash-Flows und dem Aktienrückkaufprogramm zwar immer wieder ein Fels in der Brandung, aber nicht komplett gefeit vor solchen exogenen Schocks.

Apple hat die gleichen Probleme,...

Mit einem steigenden Aktienkurs steigen auch immer die Erwartungen an die Umsatz- und Gewinnentwicklung mit, sodass es irgendwann zwangsläufig zu Enttäuschungen kommen muss. Dies könnte insbesondere bei einer nachlassenden Nachfrage aus Asien passieren, wie es bereits 2015 der Fall war. Damals verlor die Apple-Aktie ein Viertel ihres Wertes vom Höchststand bis zum Tiefpunkt, schaffte aber Anfang 2017 ein Comeback und erreichte neue Rekordstände. Auch jetzt kämpft Apple wie viele andere Unternehmen, die auf Halbleiter aus Asien angewiesen sind, mit Problemen in den Lieferketten und zurückhaltenden Konsumenten. Die Situation sollte man als Anleger bei aller Euphorie nicht komplett aus den Augen verlieren, um von negativen Nachrichten aus dieser Richtung nicht komplett überrascht zu werden.

… aber auch immer erfolgreiche Lösungen

Apple ist bekannt dafür, sich durch Adaption und einfache Bedienelemente in bereits bestehenden Märkten einzunisten, um eigene Lösungen anzubieten. Ein solches neues Feature könnte bald auf dem iPhone zu finden sein. Apple arbeitet Berichten zufolge daran, die Kreditkartenakzeptanz direkt ins Smartphone zu integrieren, ohne dass eine zusätzliche Hardware benötigt wird. Das Unternehmen tüftelt schon seit anderthalb Jahren an dieser Funktion, nachdem es damals mit Mobeewave ein Startup-Unternehmen übernommen hat. Die Kanadier haben eine Technologie entwickelt hat, die es Smartphones ermöglicht, Kreditkarten ohne den Einsatz von Near Field Communications (NFC) zu akzeptieren.

Der Kreditkartenakzeptanzdienst könnte bald durch ein Software-Update eingeführt werden. Die Funktion wird bereits in der ersten Beta-Version von iOS 15.4 erwartet, die im Frühjahr erscheinen soll. Warum es wichtig ist: Um Zahlungen zu akzeptieren, müssen die Nutzer entweder ein Plug-in-Gerät oder ein Bluetooth-Terminal verwenden. Das Square-Gerät von Block dominiert gerade den Markt für eine solche Hardware. Der Erfolg von Block in den vergangenen Jahren lässt erkennen, wie groß und wichtig dieser Markt sein und Apple dadurch neue Einkommensströme liefern kann. Dass solche Vorhaben gelingen können, hat Apple bereits mit der Einführung seiner Air-Pods und dem zunehmenden Anteil seiner Cloud-Dienste in der Bilanz bewiesen.

Eine Analyse von Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMC Markets

02.02.2022 | 14:50

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