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Bitcoin bald bei 50.000 Dollar?

Bitcoin: wird's wieder crazy? (Bild: Shutterstock)


Der größte Vermögensverwalter der Welt, Black Rock, forciert offenbar seine Pläne mit Blick auf einen Bitcoin-ETF. Solch ein Papier hatte die US-Börsenaufsicht SEC bislang immer wieder abgelehnt. Klopft jedoch Larry Fink an, könnte sich das ändern. Und das dürfte der Digitalwährung Milliardenzuflüsse bescheren. Gut möglich, dass der Bitcoin gerade auch deshalb erstmals seit Mai wieder über 8.000 Dollar wert ist.

Am Dienstag war es so weit. Der Bitcoin knackte nach langer Durststrecke die 8.000-Dollar-Marke und stieg am Mittwoch gleich weiter auf rund 8.300 Dollar. Damit könnte sich nun auch der lange Negativ- in einen Positiv-Trend umkehren. „Der Optimismus kehrt durch eine Kette an positiven Nachrichten allmählich zurück.“, schrieb Emden Research-Analyst Timo Emden.

Seit seinem Rekordhoch bei knapp 20.000 Dollar im Dezember 2017 ging es für die bekannteste unter den Digitalwährungen kontinuierlich bergab. Bereits im Februar fiel der Bitcoin-Kurs in die Nähe von 6.000-Dollar. Anschließend erholte er sich, stieg kurzfristig sogar wieder auf über 11.000 Dollar, sackte in der Folge dann aber wieder zusammen und markiert erst Ende Juni ein neues Tief bei rund 5.900 Dollar. Im Juli allerdings gewann der Kurs wieder Prozente hinzu und befreite sich so langsam aber sicher aus seinem arg-negativen Jahresverlauf. Mit dem nun erfolgten Sprung über die 8.000-Dollar-Marke scheint – freilich bei weiter hohem Risiko – nach oben hin wieder einiges möglich.

Kommt der Krypto-Boom zurück?

Überhaupt sieht es danach aus, als könnte der Krypto-Markt zu einer flächendeckenden Erholung ansetzen. Neben dem Bitcoin stabilisierten sich im Juli auch die Kurse anderer Digitalwährungen, wie Ethereum, Litecoin oder EOS. Nach zahlreichen Hackerangriffen, Regulierungsmaßnahmen, Crash-Warnungen großer Hedgefonds und Investmentlegenden und natürlich den darauffolgenden Kursstürzen in der Szene seit Beginn des Jahres, scheint nun Ruhe eingekehrt. Eine Ruhe, die immer mehr zum Nährboden sich häufender positiver Signale wird.

Eines davon ist das offenbar steigende Interesse professioneller Anleger und institutioneller Investoren an der globalen Krypto-Landschaft. Zu ihnen gehört unter anderem BlackRock, der von Larry Fink angeführte größte Vermögensverwalter der Welt. Vor einer Woche wurde bekannt, dass die US-Amerikaner bereits 2015 eine Arbeitsgruppe eingerichtet haben, die sich mit Digitalwährungen und der zugehörigen Blockchain-Technologie beschäftigen sollte. Offenkundig haben sie das getan, denn Gerüchten zufolge plant BlackRock inzwischen das, wovon viele Anleger schon lange träumen: Den Bitcoin-ETF. Bislang wurde ein solcher stets von der US-Börsenaufsicht SEC abgelehnt. Doch wenn nun Größen wie BlackRock anklopfen, die nebst viele weitere große Investmenthäuser mitziehen lassen dürften, könnte sich die SEC-Aufseher noch einmal Gedanken machen.

50.000 Dollar – eine Wort genügt!

Käme der ETF, würden für Anleger zuvorderst die vielen Risiken wegfallen, die mit der Beschaffung und Haltung des Computer-Geldes einhergehen. Das würde den Weg für die breite Masse ebnen, prognostiziert Analyst Emden. Schließlich kann dann ein jeder vergleichsweise einfach – wenn auch indirekt – in den Bitcoin investieren. Und dem Bitcoin selbst Milliardenzuflüsse bescheren, was dann wiederum dessen Kurs in die Höhe treiben dürfte. BitMex-CEO Arthur Hayes stellte bei CNBC jüngst sogar den beinahe astronomischen Wert von 50.000 Dollar in den Raum. Der Bitcoin sei nur eine positive regulatorische Entscheidung davon entfernt, um bis zum Ende des Jahres die 20.000 oder sogar 50.000 Dollar zu erreichen, sagte er. Als Chef einer Krypto-Börse muss er so etwas wohl sagen, aber dennoch: Die Aussagen waren auch schon mal deutlich kritischer.

Anleger jedenfalls spekulieren derzeit wohl genau auf einen solchen Durchbruch. Ist zudem dieser erste Schritt einmal gemacht, könnten weitere Indexfonds folgen. Schließlich ist der Bitcoin ja nur die prominenteste unter vielen weiteren Kryptowährungen. Doch auch neben den Spekulationen in Bezug auf mögliche ETF-Angebote dürfte es ganz grundsätzlich ein positives Signal für den Krypto-Markt sein, dass sich BlackRock – und übrigens auch weitere große Vermögensverwalter wie Fidelity oder VanEck – mit Digitalwährungen beschäftigen. Schließlich dürfte dies den Glauben daran stützen, dass es sich bei eben diesen doch nicht nur um eine risikoreiche Spielerei handelt, die mit Glück ein paar Menschen reich gemacht hat. Sondern vielleicht doch um zukunftsfähige Bezahlmodelle. Nachrichten wie die, dass der US-Kreditkartenkonzern Mastercard ein Patent eingereicht haben soll, welches Bezahlungen mit Bitcoin und Co. via Kreditkarte möglich machen könnte, sind da willkommene Glaubensstützen.

Spekulationen nehmen wieder an Fahrt auf

Ebenso willkommen dürfte die sich abzeichnende Entspannung mit Blick auf die nach wie vor gefürchteten Regulierungsmaßnahmen sein. Die Finanzminister und Notenbank-Chefs der G20-Staaten stellten jüngst in Buenos Aires fest: Kryptowährungen seien bislang noch kein Risiko für die globale Finanzstabilität. Im Gegenteil. Neben ein paar kritischen Äußerungen, unter anderem hinsichtlich Geldwäsche und Steuerhinterziehung, hoben sie hervor: „Technologische Innovationen, einschließlich jener, die Kryptowährungen zugrunde liegen, können erhebliche Vorteile für das Finanzsystem und die Wirtschaft im weiteren Sinne mit sich bringen.“ Ziemlich versöhnlich Töne nach all den deutlichen Warnungen, die nicht zuletzt viele Notenbanker während des großen Krypto-Booms noch im Dezember von sich gaben.

So sprechen inzwischen also wieder einige Faktoren für steigende Kurse am Krypto-Markt. Vor allem natürlich mit Blick auf den Bitcoin, der durch die mögliche Auflage eines seinen Kurs abbildenden ETFs groß profitieren könnte. Scheitert ein solches Unterfangen jedoch längerfristig, wäre dies ein umso härterer Dämpfer. Der Kauf von Bitcoins bleibt damit weiter eine Spekulation. Allerdings eine, die nun wieder an Fahrt aufzunehmen scheint. Das Handelsvolumen stieg zuletzt deutlich an. Für risikofreudige Anleger könnte mit der Nachrichtenlage darüber hinaus der Handel mit Optionen und Futures wieder interessanter werden.

Oliver Götz

27.07.2018 | 00:18

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