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Die Finanzbranche ringt um Nachwuchs mit Digitalkompetenz



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Die Finanzbranche klagt über Fachkräftemangel, da die Anforderungen an Bewerber aufgrund der zunehmenden Digitalisierung immer höher werden. Banken und Finanzdienstleister suchen deshalb verstärkt im Internet und im Ausland nach neuen Mitarbeitern und bilden die eigenen Kräfte weiter.

Studie: Qualifizierte Mitarbeiter sind schwer zu bekommen

Aufgrund der Digitalisierung sehen sich Banken und Finanzdienstleister vielen neuen Herausforderungen gegenüber. Um diese meistern zu können, benötigen die Unternehmen Mitarbeiter mit IT- und Digitalkompetenz. Doch die sind auf dem Markt rar gesät: Wie eine Studie der Personalberatung Maxmatch unter 201 Führungskräften aus dem Finanzbereich ergab, sind Fachkräfte mit den nötigen digitalen Fähigkeiten kaum vorhanden. Konkret sind demnach beispielsweise Kenntnisse im Datenbankmanagement und bei der Analyse großer Datenmengen gefragt sowie ein sicherer Umgang mit kollaborativen Technologien.

Unzureichende Ausbildung und demografischer Wandel verstärken Mangel

Offenbar vernachlässigen die Hochschulen die Ausbildung in digitaler Hinsicht. Informatik steht bei den finanz- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen auch 2020 noch gar nicht oder in unzureichendem Maße auf dem Lehrplan. Auch wenn die Universitäten sich der Notwendigkeit bewusst werden, dauert die Umsetzung oft Jahre.

Der demografische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel zusätzlich. Denn laut der Arbeitsmarktprognose des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wird die Zahl der Erwerbspersonen bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Jahr 2010 um 2,9 Millionen abnehmen. Die Suche nach qualifiziertem Personal wird künftig also noch komplizierter.

Finanzunternehmen suchen im Ausland und im Internet

Trotz veränderter Anforderungsprofile und eines umkämpften Kandidatenmarkts findet das Recruiting für Finanzberufe nach wie vor vorwiegend über Print- oder Online-Stellenanzeigen statt. Doch es erscheint immer notwendiger, aktiv nach geeignetem Personal im Internet zu suchen. Dort gilt es, auf den wichtigen digitalen Kanälen präsent zu sein. Denn die Zeiten, in denen auf eine Stellenanzeige Dutzende passende Bewerbungen eingingen oder sogar ausreichend Initiativbewerbungen vorlagen, um die offenen Stellen zu besetzen, sind vorbei.

Der Finanzdienstleister Swiss Life Select ist beispielsweise auf Instagram, YouTube, Facebook, Xing, LinkedIn und der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu präsent. Darüber hinaus bietet Swiss Life Select Interessenten auf seiner Homepage einen schnellen Überblick über die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten.

Andere Finanzunternehmen richten ihren Blick vornehmlich auf Kandidaten aus dem Ausland. Internationale Jobbörsen liefern hier vielversprechende Möglichkeiten. Und auch hausinterne Weiterbildungen werden vermehrt bei Banken und Finanzdienstleistern angeboten, um Mitarbeiter für die digitalen Herausforderungen zu qualifizieren.

Bei Headhuntern liegt vernachlässigtes Potenzial

Trotz des Fachkräftemangels verzichtet der Großteil der Finanzunternehmen bisher auf externe Personalberater zur Mitarbeitergewinnung. Nur 6,5 Prozent der Befragten nutzen Headhunter als vorwiegendes Mittel bei der Personalsuche, ergab die Studie von Maxmatch weiter. Das erstaunt ein wenig, da zwei Drittel der Befragten grundsätzlich schon mit Personaldienstleistern kooperiert haben. Zudem war die Hälfte dieser Personengruppe mit ihren Personalberatern „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“, sodass diese für eine spürbare Entlastung der HR-/Recruiting-Abteilung gesorgt hatten.

29.10.2020 | 17:29

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