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Die Performance kann beginnen!


Dass die Papiere mit dem wohlklingenden Namen für die aktuelle Börsensituation wie geschaffen sind, hat sich unter Anlegern schnell herumgesprochen. Bereits im März erhöhte sich das ausstehende Volumen der Outperformance- und Sprint-Zertifikate deutlich. Gestiegene Zertifikatekurse sowie eine starke Nachfrage erhöhten den Open Interest (ausstehendes Volumen) innerhalb eines Monats um 9,3%. Auch wenn die Gattung noch immer die kleinste Produktkategorie darstellt, hat sich ihr Anteil am Zertifikatemarkt zwischen Januar und Mai mit einem Anstieg von 0,39% (Januar 2009) auf 0,61% (Mai 2009) doch deutlich erhöht. Aufgrund der positiven Entwicklung an den Aktienmärkten legte im Mai auch der vom Deutschen Derivate Verband (DDV) veröffentlichte Outperformance-Index zu. Der entsprechende Referenzindex konnte sich in diesem Zeitraum nicht nur absolut um 5,4% verbessern, sondern schlug auch den DJ EURO STOXX 50, der im selben Zeitraum nur 3,2% gewinnen konnte. Interessanterweise erkaufen Anleger dieses Plus an Renditechance nicht etwa mit erhöhten Risiken, wie beispielsweise bei Hebelpapieren. Im ungünstigen Fall – bei Kursverlusten des Underlyings – spiegeln die Papiere am Ende der Laufzeit lediglich die Kursentwicklung des Basiswertes wider.

Erholung macht Outperformer attraktiv

Der Aufbau ist dabei denkbar einfach. Um ein Outperformance-Zertifikat auf Aktien oder Indizes zu konstruieren, behalten die Emittenten die Dividendenerlöse ein und kaufen damit Call-Optionen auf die zugrunde liegende Aktie (oder Aktien). Je höher die Dividende ausfällt und je länger die Laufzeit, desto mehr Calls können gekauft werden, und desto höher ist ceteris paribus die Partizipation bei steigenden Kursen. Die Anzahl der zu beziehenden Calls hängt jedoch noch von zwei weiteren Faktoren ab: Zum einen von der Wahl des Basispreises des Calls, also von welchem Kurs an die Partizipation beginnen soll. Je früher diese greift, also je tiefer der Basispreis des Calls, desto geringer die Partizipationsrate. Zum anderen beeinflusst die Volatilität des Basiswerts den Preis der Call- Optionen. Mit der Erholung an den Börsen ist die Volatilität in den letzten Monaten deutlich gesunken: So sank der VDAX-NEW – dieser gibt die implizite Volatilität des DAX über 45 Tage in Prozentpunkten an – seit Mitte Januar von Werten um 50 auf aktuell nur noch 30. Ein Umstand, der sich positiv auf die Ausstattungsmerkmale von Outperformance-Zertifikaten auswirkt. Denn sinkt die erwartete Schwankungsbreite, werden die benötigten Optionen billiger. Weil dadurch mehr Optionen je Basiswert gekauft werden können, steigt wiederum die Partizipationsrate.

Alles andere als Zockerpapiere

Bei Emission der Papiere wird ein Startwert, in etwa auf Höhe des aktuellen Aktienkurses, festgelegt. Dieser hat die Funktion einer Kursbasis (=100), ab der die Outperformance, also der Mehrertrag gegenüber dem Aktienkurs, gemessen wird. Am Referenztag, rund eine Woche vor Fälligkeit, wird der Schlusskurs mit der Kursbasis verglichen. Notiert die Aktie über der Kursbasis, erhält der Anleger den Startwert zuzüglich eines Outperformance-Betrags zurück. Wie hoch dieser Betrag ausfällt, hängt von der Differenz zwischen Aktienkurs und Basispreis am Bewertungstag sowie der bei Emission festgelegten Partizipationsrate ab. Für die Ermittlung des Outperformance- Betrages wird die Differenz mit der Partizipationsrate multipliziert. Ein Beispiel: Mit dem am 09.02.09 emittierten Outperformance-Zertifikat (WKN: HV5AKP) der HypoVereinsbank auf ThyssenKrupp können Anleger auf eine Erholung des zuletzt arg unter die Räder gekommenen Stahlwerts setzen. Die Partizipationsrate des Outperformance-Papiers beträgt 122%, der Basispreis 16,93 Euro. Beträgt der Kurs der Aktie am Laufzeitende (04.08.2011) 26 Euro, wird das Zertifikat zu 28 Euro zurückgezahlt: eine Outperformance von 16 Prozentpunkten. Würde die Aktie dagegen am Ende der Laufzeit unter dem Startwert von 17,27 Euro, z.B. bei 14 Euro notieren, wird das Papier nur zum Gegenwert der Aktie zurückerstattet – der Anleger macht in diesem Fall einen Verlust in Höhe von 3,27 Euro.

Individuelle Ausstattung bestimmt das Risiko

Die Rendite dieser Papiere hängt maßgeblich vom Schlusskurs der zugrunde liegenden Aktie am Referenztag ab. Notiert die Aktie zu diesem Zeitpunkt bei null, erleidet der Investor, wie auch bei einem Direktinvestment, den Totalverlust seines eingesetzten Kapitals. Daneben spielt für das „downside-risk“ der Kaufkurs eine entscheidende Rolle. Das Risiko steigt, sobald das Zertifikat mehr kostet als die Aktie. Das ist meist dann der Fall, wenn die Aktie bereits über dem Basispreis notiert. In diesem Fall können Anleger mehr verlieren als mit dem Direktinvestment. Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht immer: Im obigen Beispiel war das Outperformance- Papier mit 17,27 Euro sogar günstiger als der Aktienkurs (18,63 Euro), obwohl dieser über dem Basispreis (16,93 Euro) lag. So kommt es, dass Anleger, die das Zertifikat sofort gekauft haben, mit dem Papier selbst dann eine Rendite von 7,3% erzielen, wenn sich die Aktie bis zur Fälligkeit am 4. August 2011 gar nicht bewegt. Natürlich geht dieser Puffer zu Lasten der Partizipationsrate, die normalerweise jenseits der 150%-Marke liegt. Davon abgesehen ist der Erwerb eines Outperformance Zertifikats aber vor allem dann besonders interessant, wenn der Basiswert nur geringfügig unter dem Basispreis des Zertifikats notiert. Bei Überschreiten dieser Turboschwelle profitieren die Zertifikate nämlich besonders stark.

Outperformer mit Handbremse

Neben den herkömmlichen Papieren gibt es mittlerweile auch sogenannte Protect-Outperformance- oder Outperformance-Plus-Zertifikate. Mit Hilfe dieser Weiterentwicklungen kann zusätzlich zur Chance auf eine Überrendite auch das Anlagerisiko gegenüber dem Direktinvestment reduziert werden. Zu diesem Zweck verfügen diese Papiere über eine zusätzliche Barriere. Letztere wird zum Emissionszeitpunkt deutlich unterhalb des Startwerts fixiert und auf diese Weise ein Risikopuffer gegen Kursverluste eingebaut. Wird dieses Sicherungslevel während der gesamten Laufzeit vom Basiswert weder berührt noch unterschritten, erfolgt die Rückzahlung dieser Produkte am Ende der Laufzeit auch dann zum Emissionspreis (ohne Ausgabeaufschlag), wenn das Underlying bei Fälligkeit unter dem Basispreis notiert. In allen anderen Fällen entspricht das Auszahlungsprofil der Protect- Varianten dem der herkömmlichen Outperformer. Dieses Plus an Sicherheit ist jedoch nicht umsonst zu bekommen, sondern muss durch Abstriche bei der Höhe der Partizipation erkauft werden. Gerade in den zurückliegenden Märkten haben sich diese Schutzmechanismen jedoch bezahlt gemacht. Wer die derzeitigen Rahmenbedingungen zum Einstieg nutzen möchte, dem bietet gerade die Kombination aus grundsolidem Basiswert, Sicherheitspuffer und Rendite-Kicker attraktive Chancen.

FAZIT

Anleger die von der momentanen Erholung der Aktienmärkte überproportional profitieren möchten, aber davon ausgehen, dass der Abwärtstrend sich anschließend weiter fortsetzen wird, sollten zu Produkten mit kurzer Restlaufzeit greifen. Wer hingegen davon ausgeht, dass das Schlimmste bereits überstanden ist und aus einer langsamen Erholung das Maximum herausholen möchte, ist mit einer längeren Laufzeit besser bedient. Der Grund: Die Outperformance Regelung greift erst bei Fälligkeit.

04.11.2009 | 00:00

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