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Kaufgelegenheit bei Apple?

(Foto: Shutterstock)



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Das wertvollste börsennotierte Unternehmen heißt seit kurzem nicht mehr Apple, sondern Saudi Aramco. Der Ausverkauf der Tech-Werte hat seine Spuren hinterlassen. Doch Apple zeigt im Vergleich zu vielen anderen Technologie-Konzernen fundamental Stärke.

Der amerikanische Technologiekonzern aus Cupertino ist gemessen an der Marktkapitalisierung mit USD 2,5 Billionen bis vor Kurzem das wertvollste Unternehmen der Welt gewesen. Doch der Ausverkauf der Tech-Werte in Kombination mit dem starken Preisanstieg beim Rohöl haben dazu geführt, dass der Öl-Gigant aus Saudi-Arabien, Saudi Aramco, wieder an erster Stelle steht. Der Konzern aus dem Mittleren Osten ist alles andere als ein Liebling der Privatanlegerinnen- und Anleger. Mit grade einmal 1,82 Prozent der Aktien im Streubesitz liegen fast alle Anteile weiterhin in Händen des saudi-arabischen Staates. Beim iPhone-Hersteller aus Kalifornien ist es genau andersherum mit über 99 Prozent der Aktien im Streubesitz der Anlegerinnen und Anleger.

Apple hat mit den letzten Quartalszahlen (28.04.2022) gezeigt, warum das Unternehmen für Anlegerinnen und Anleger als sicherer Hafen gilt. Trotz des schwierigen makroökonomischen Umfelds, einschließlich geopolitischer Unruhen und daraus resultierender Lieferschwierigkeiten, konnten Umsätze und Gewinne überzeugen, angetrieben durch die besser als erwarteten iPhone-Umsätze.

Für das laufende Jahr (2022) erwartet das Unternehmen knapp 240 Millionen verkaufte iPhones bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von USD 838 pro Smartphone. Große Wachstumspotenziale in diesem Segment könnten aufgrund einer annähernden Marktsättigung der westlichen Hemisphäre vorerst nicht zu erwarten sein.

Weitere Umsatz- und Gewinntreiber könnten jedoch stärkere Margen, sowie ein größerer Marktanteil in Schwellenländern sein, vor allem in China. Denn laut dem Marktforscher Counterpoint Research, verzeichnete das Unternehmen sein bisher bestes Quartal (Q4 2021) gemessen an einem Marktanteil von 23 Prozent im chinesischen Smartphone-Markt. Durch die aktuelle Eintrübung des Konsumklimas im bevölkerungsreichsten Land der Welt könnte sich ein weiteres Wachstum jedoch vorerst verzögern.

Die Servicesparte des Technologiekonzern, in der unter anderem Reparaturen, Streaming oder der Bezahlservice Apple Pay angesiedelt sind, könnte sich laut Analystenprogosen als die wachstumsstärkste Sparte herausstellen. Die Dienstleistungen entpuppen sich als wahre Gewinntreiber mit einer Bruttomarge von knapp 73 Prozent (Q1 2022) währen die Hardware-Sparte mit den iPhones oder iPads gerade mal auf eine Bruttomarge von rund 36 Prozent kommt.

Wachstum durch Zukäufe?

Durch das engverflochtene Ökosystem, welches das Unternehmen über lange Jahre aufgebaut hat, können außerdem neue Angebote problemlos an das bestehende Produktportfolio angeschlossen werden und so Synergieeffekte genutzt werden. Oft sind die Namen kleinerer Unternehmen als mögliche Akquisitionen im Gespräch. Allen voran Peloton und Netflix. Apple verfügt derzeitig (2022) über Bargeldreserven in Höhe von USD 116 Milliarden und könnte in der Lage sein, den angeschlagenen Platzhirsch der Streaming-Welt, Netflix, aufzukaufen. Auch Peloton als Anbieter von Indoor-Heimtrainern könnte bei der aktuellen Bewertung ein attraktives Ziel für eine Übernahme darstellen. Das Unternehmen hat mit Marktkapitalisierung von weniger als USD 5 Milliarden (24.05.2022) nicht mal mehr ein Zehntel des Börsenwertes zu seinen Höchstzeiten (Juli 2021) vorzuweisen.

Neben dem Streaming-Bereich und der Indoor-Heimtrainer könnte auch Apple Pay als Zahlungsdienstleister weiteres Wachstum bieten. Schon seit Jahren kämpft der Tech-Gigant um Marktanteile gegen den einst zu Ebay gehörenden Payment-Anbieter PayPal. Die weltweite Akzeptanz von Apple Pay kommt auf knappe 27 Prozent, während PayPal als absoluter Marktführer mit rund 76 Prozent heraussticht. Apple versuchte in jüngster Vergangenheit im Rennen um das kontaktlose Bezahlen Konkurrenten vom Wettbewerb auszuschließen, indem man Dritten den Zugang zur Technologie auf den iPhones und Wearables verwehrte. Ein Versuch Marktanteile im Bereich der mobilen Geldbörsen zugunsten der eigenen Lösung, Apple Pay, zu gewinnen. Die EU-Kommission habe diesbezüglich bereits Beschwerden erhalten und könnte zeitnah dagegen klagen.
Was ist ohne Prognose zu erwarten

CEO Tim Cook verzichtete zuletzt eine Prognose zum zukünftigen Geschäft abzugeben, denn das Unternehmen könnte kurz-bis mittelfristig zusätzlich starken Gegenwind spüren. Zum einen könnte sich der derzeit starke US-Dollar negativ auf die Bruttomargen auswirken. Ebenfalls könnten Umsätze und Gewinne, aufgrund der „zero tolerance“-Politik (in China) und den daraus sinkenden Konsumausgaben, geringer ausfallen. Nichtsdestotrotz ist der Konzern aufgrund der breiten Produktpalette und den riesigen Cash-Beständen bestens positioniert, um selbst in einem turbulenten Marktumfeld durch Unternehmenskäufe langfristig profitieren zu können.

Bei Bloomberg setzen 36 Analysten die Aktie auf BUY, 11 auf HOLD und 1 Analyst auf SELL mit einem durchschnittlichen 12-monatigen Preisziel von USD 186,93.

Eine Analyse von Vontobel

02.06.2022 | 18:48

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