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Trump vs. China: Vom Handels- zum Währungskrieg

(Bild: Shutterstock)


Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist in vollem Gange. Auch Europa bereitet sich darauf vor, noch stärker ins Visier von Donald Trumps Strafzöllen zu geraten. Dabei kommt den Plänen des US-Präsidenten jetzt jedoch ein neues Hindernis in die Quere: Der starke US-Dollar.

Von Sascha Sadowski

Ein starker US-Dollar hat, wie jeder weiß, die Eigenschaft, dass er US-Produkte im Ausland deutlich verteuert und damit unattraktiver macht. Chinas Yuan hingegen hat gegenüber dem Dollar in den letzten Tagen eine regelrechte Talfahrt hingelegt, wodurch chinesische Produkte gerade in Amerika interessanter – weil billiger – werden. Das steht den Zielen von Donald Trumps Handelskrieg natürlich diametral entgegen – schließlich sollen ja weniger Produkte aus dem Ausland und insbesondere aus China, in die USA importiert werden. Da wundert es kaum, dass der Präsident eine Verschwörung witterte und in einem seiner berühmt-berüchtigten Tweets China und der EU vorwarf, ihre Währungen und Zinssätze ganz gezielt zu manipulieren, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA zu verschaffen.

Präsident Trumps Handelskrieg verläuft bislang nicht ganz so einfach und erfolgreich, wie er sich das vielleicht vorgestellt hat. Nun hat er einen neuen Schuldigen dafür gefunden und damit ein weiteres Schlachtfeld eröffnet. Seine Worte lassen erkennen, dass er der Meinung ist, dass China und die EU einen Währungskrieg gegen die USA eröffnet haben, was natürlich ganz und gar nicht fair gegenüber den USA ist. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Verdacht allerdings nicht, zumindest was China betrifft, denn noch hat die chinesische Regierung keine Schritte unternommen, um den Absturz des Yuan zu stoppen. Im Gegenteil: Die Entscheidung der People’s Bank of China, PBOC, den Referenzkurs auf unter 6,70 US-Dollar zu senken, hat ihren Teil dazu beigetragen, den Kurs des Yuan weiter fallen zu lassen.

Hinzu kommt, dass die Regierung in Peking den Banken den klaren Auftrag erteilt hat, Geld in die heimische Wirtschaft zu pumpen, um diese weiter anzukurbeln. Diese lockere Geldpolitik ähnelt der Strategie der EZB in den letzten Jahren. Auf der anderen Seite ist nicht zu erwarten, dass China den Yuan mit Absicht soweit schwächen würde, dass tatsächlich Chaos an den Währungsmärkten ausbricht. Das könnte zu einer Kapitalflucht aus dem Land führen, wie bereits bei der plötzlichen Abwertung des Yuan im Jahr 2015 und schlimme Folgen für die chinesische Wirtschaft haben. Hinzu kommen die globalen Auswirkungen, die ein Währungskrieg haben würde. Von Aktien über Rohstoffe bis hin zum Öl – die Kollateralschäden wären kaum absehbar.

Im Moment können wir beobachten, wie die weltweiten Handelsbeziehungen neu geordnet werden. Die USA isolieren sich durch Trumps Handelskrieg immer weiter und sowohl die EU als auch die asiatischen Länder suchen sich neue, verlässlichere Handelspartner. Das Abkommen JEFTA zwischen der EU und Japan dürfte da nur der Anfang gewesen sein. In dieser Situation, die nicht zuletzt durch sein eigenes Zutun von starker Volatilität geprägt ist, wird es Trump schwerfallen, eine Währungsmanipulation der Chinesen zu Ungunsten der USA nachzuweisen. Und es kommt für die US-Seite noch dicker: Sollte die PBOC nicht ins Marktgeschehen und die Kursentwicklung des Yuan eingreifen, auch wenn das eine weitere Schwächung der eigenen Währung bedeutet, würde das Trumps Verdacht eines Währungskriegs völlig den Wind aus den Segeln nehmen. Denn dann wären schließlich einfach die Kräfte des Marktes am Werk und eine Manipulation widerlegt.

Sascha Sadowski ist Finanzexperte beim Online-Broker LYNX.

10.08.2018 | 01:11

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