boerse am sonntag - headline

Vermögensvermehrung – Was heute noch geht


Die Nullzinspolitik macht es Sparern und Anlegern schwer bis unmöglich, über altbewährte Möglichkeiten wie einem Tagesgeldkonto den Umfang ihrer Finanzen zu vermehren. Dieser Umstand wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Daher setzen Privatinvestoren neben Aktienkäufen zunehmend auf alternative Anlagemöglichkeiten. Einige dieser Modelle sind vor allem bei langfristiger Planung durchaus rentabel.

Anlegen in Aktien – Nach wie vor lohnenswert

Von einer Nullzinspolitik weitgehend unbetroffen sind Investments in Wertpapiere. Dabei kommt es vor allem auf eine Gewinnsteigerung der jeweiligen Aktie, also des entsprechenden Unternehmens, an. Natürlich beinhalten Aktieninvestments ein höheres Risiko, dieses lässt sich allerdings minimieren.

So sollten vor einem Investment Fragen zu den individuellen Zielen und der Risikobereitschaft zunächst von jedem Anleger für sich selbst beantwortet werden. Dazu zählen unter anderem Aspekte wie Lang- oder Kurzfristigkeit der Investition (wovon möglicherweise auch ihr Umfang abhängt) oder eine Verteilung auf mehrere Wertpapiere mit dem Ergebnis einer Risikostreuung. So kann jeder Investor sich zunächst selbst ein perfekt auf ihn zugeschnittenes Regularienkonstrukt zusammenstellen.

Natürlich spielt auch die Frage der Branche, in welcher der Anleger investiert, eine bedeutende Rolle. Einerseits macht es Sinn, in zukunftsträchtige Geschäftszweige, die aktuell und auch in den nächsten Jahrzehnten stark wachsen, anzulegen. Dazu zählen vor allem der IT-Sektor und ökologische Produkte wie erneuerbare Energien.

Andererseits kann mit etwas mehr Risikofreude in Branchen investiert werden, die aktuell eher brach liegen, aber ein Wachstum in absehbarer Zeit hochwahrscheinlich machen. Der Vorteil: Ein Sparer bekommt viele Aktien zu einem günstigen Preis und kann bei einer Erholung des Geschäftsfeldes mit satten Gewinnen rechnen. Nachteil: Für ein solches Investment sind etwas mehr Risikofreude und vor allem umfassende fachspezifische Kenntnisse gefragt.

Die aktuell wohl sicherste Anlagemöglichkeit in Wertpapiere sind ETFs, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten einer steigenden Beliebtheit und Nachfrage erfreuen. Sie bieten durch die Verteilung auf eine Vielzahl von Unternehmen in mehreren Staaten eine besonders breite Risikostreuung. Für vorsichtige Anleger sind ETFs also die ideale Alternative.

Anlegen in Rohstoffe

Neben Aktien gibt es weitere Wege, gewinnbringend Geld zu investieren. Vor allem Rohstoffe wie Edelmetalle, aber auch Energierohstoffe haben für Investoren in den letzten Jahrzehnten an Attraktivität zugelegt.

Investieren in Edelmetalle

Seit einigen Jahren sehr beliebt sind Investitionen in Gold. Kein Wunder: Der Wert des Goldes hat im letzten Jahrhundert, aber mehr noch in den letzten Jahrzehnten rasant zugelegt. Es erscheint nur logisch und folgerichtig, hier anzulegen. Dabei ist jedoch auch auf nicht offensichtliche Ausgaben zu achten, in diesem Sektor können verschiedene Anbieter sich durchaus beträchtlich unterscheiden.

Auch Investitionen in Silber erfreuen sich einer wachsenden Popularität. Andere Edelmetalle, die sich zum Investment eignen, aber weniger gehandelt werden, sind zum Beispiel Palladium oder Platin. Investitionen in solche Metallstoffe geschehen in vielen Fällen durch einen physischen Kauf.

Es wird allerdings vielerseits angeraten, nur einen kleineren Teil des Kapitals in Edelmetalle zu investieren. Dies liegt vor allem an möglichen starken Preisschwankungen und aufkommenden oder eben auch wieder zurückgehenden Hypes.

Andere Rohstoffe

Auch andere Rohstoffe bieten sich zur Geldanlage an. Einerseits Erdöl: Dies Nachfrage hiernach wird wohl weiterhin steigen, zudem schrumpft auf natürlichem Wege das Angebot. Artverwandt zu dieser Investitionsform sind Anlagen in Erdgas. Anders als bei Edelmetallen wird zum Beispiel Öl aber nicht physisch gekauft, sondern die Anlage geschieht durch Aktieninvestments in Firmen im entsprechenden Sektor oder den Erwerb von Rohstoffzertifikaten.

Weitere Rohstoffe, die eine Anlage ermöglichen, sind Lebensmittelgrundlagen wie Weizen oder Kakao, welche aufgrund von ethischen Fragen der Preissteigerung gerade für ärmere Teile der Welt hochumstritten sind. Grundsätzlich ist bei allen Rohstoffinvestitionen eine gewisse Vorsicht und gute Vorinformation unabdingbar, da diese Anlageformen häufig spekulativ und riskant sein können.

Investieren in Immobilien

Eine Investition in Immobilien ist in einigen Fällen nach wie vor lohnenswert und auf mehreren Wegen umsetzbar. Hierzu zählen unter anderem:

•    Bausparverträge
•    Immobilienkäufe
•    Immobilien-Fonds
•    Immobilien-Aktien und -ETFs

Bausparverträge

Bausparverträge funktionieren nach einem einfachen Prinzip. Der Anleger legt regelmäßig (meistens monatlich) Geld in das Investment, ab einer bestimmten Summe hat er Rechtsanspruch auf ein Baudarlehen und eventuell einen Bonus. In früheren Jahren ergaben auch Bausparverträge Zinsen, diese Fallen jedoch ebenfalls der Nullzinspolitik zum Opfer. Ältere, laufende Verträge werden daher oft durch die Anbieter aufgelöst.

Es macht trotzdem in einigen Fällen Sinn, einen Bausparvertrag abzuschließen. Je früher im Laufe des Lebens des Anlegers dies geschieht, desto zielführender. Denn: Bausparverträge bieten einerseits manchmal in Form eines Bonus einen Gewinn, andererseits erleichtern sie Immobilieninvestments und machen diese häufig auch für Menschen mit geringeren Gehältern möglich.

Bausparverträge haben trotz Zinslosigkeit mehrere Vorteile: Sie sind eine langfristige Investition, und neben dem Anlagecharakter vor allem eine gute und solide Planungsmöglichkeit für unentschlossene Sparer. Sie "zwingen" den Anleger durch ihre Machart sozusagen zum Sparen. Zudem können sie häufig ausgezahlt werden, dann entfallen zwar Bonus und Darlehensanspruch, aber der Investor erhält eine eventuell in diesem Moment benötigte größere Summe, die er ohne den Vertrag möglicherweise nicht angespart hätte.

Immobilienkauf

Der Kauf einer bereits fertigen Immobilie erfordert einerseits ein gewisses Grundkapital, birgt jedoch jede Menge Nutzungs- und Gewinnmöglichkeiten. Hierzu zählen:

•    Eigenbedarf
•    Erträge durch Mieten
•    Erträge durch Wertsteigerung

Einerseits kann der Anleger die Immobilie selbst bewohnen. So macht er keine direkten, aber indirekte Gewinne: Er spart jegliche Mietkosten. Auch auf diesem Weg kann eine Vermögenssteigerung stattfinden, die je nach Lebensstil durchaus beträchtlich ist.

Zudem gibt es die Möglichkeit der Vermietung. Hierdurch werden mit geringem Risiko Gewinne erzielt, die durch Zinsen heutzutage unmöglich wären. Das Investment bleibt in Form der Immobilie bestehen, Mieteinnahmen sind oft ein satter Zusatz- oder sogar Hauptverdienst.

Zum Dritten besteht die Option einer Wertsteigerung. Die richtige Immobilie im richtigen Wohngebiet und Umfeld kann vor allem über einen längeren Zeitraum zulegen. Nicht nur die "laufenden Gewinne" wie Mieteinnahmen oder das Sparen von Mietkosten, auch ein Plus bei einem späteren Verkauf kann so erwirtschaftet werden.

Andererseits sind Risiken zu beachten. Hierzu zählen zum Beispiel Mietausfälle durch Leerstand, sich über die Zeit entwickelnde Mängel oder andere Probleme mit den Mietern. Zudem kann eine Immobilie in ihrem Preis nicht nur steigen, sondern auch Sinken. Dies liegt oft vor allem an der Lage oder an einem Zuwachs an Mängeln.

Immobilienkäufer sollten sich also vor einer Anlage über das Objekt selbst, wie auch über die Lage sehr gut informieren, langfristig denken und das Eigentum stets in einem möglichst perfekten Zustand halten. Zudem macht es Sinn, im Rahmen der Risikominimierung in zukunftsweisende Bauarten zu investieren.

Investieren mit den eigenen Interessen

Neben diesen allgemeineren Anlageoptionen gibt es auch die Option der Investition in Nischen, die meist ohnehin eine Leidenschaft des Investors sind. Durch den Erwerb eines Produktes wird eine Anlage geschaffen, der Käufer pokert sozusagen auf eine Wertsteigerung.

Möglichkeiten für solche Investments bieten unter anderem Objekte wie zum Beispiel Uhren, Autos (vor allem Oldtimer oder solche, die es bald werden) oder wertvolle Weine. Über die Jahre entwickeln sich solche Produkte oft zu Klassikern für Sammler und steigern durch geringes Angebot und Kultstatus ihren Wert.

Eine Uhr kann schnell ein Plus für den Käufer abwerfen, hierfür eigenen sich oft vor allem Artikel der Anbieter im hochpreisigeren Segment. Oldtimer- und Weinanlagen sind eher eine langfristige Investition, die neben Fachwissen auch gute Nerven und vor allem Geduld erfordert.

Zudem ist große Vorsicht geboten. Denn solche Anlagen benötigen eine große und umfassende Fachkenntnis und langfristige Beschäftigung mit dem Thema. Der fachfremde Investor hat häufig ein großes Risiko hoher Verluste, da er anders als ein Insider oft die (ungeschriebenen) Regeln und Gepflogenheiten der jeweiligen Branche nicht ausreichend überblicken kann.

Fazit

Trotz Nullzinspolitik gibt es nach wie vor eine ganze Reihe lohnenswerter Anlagemöglichkeiten. Neben Aktien zählen hierzu Immobilien, Rohstoffe oder andere ihren Wert steigernde Produkte. Im Gegensatz zur einfachen Verzinsung des investierten Betrages erfordern die allermeisten dieser Investments jedoch umfassende Fachkenntnisse des entsprechenden Bereiches und zudem eine gewisse Risikobereitschaft. Der Grund: Nahezu keine dieser Optionen kann die Sicherheit einer Anlage zu geringen Zinsen ohne Verlustgefahr bieten.

Lesen Sie auch: Im Zweifel ETF: Mit diesen Indexfonds können Anleger in der Krise punkten

30.04.2020 | 10:08

Artikel teilen:

-->