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Wer mit dem Strom schwimmt, hat keine Kontrolle: Aktives Management ist unverzichtbar



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Wer hat im Sommer 2008 diese beispiellose Krise vorhergesehen? Und wer rechnete im März ernsthaft damit, dass der Aktienmarkt so rasch und so gewaltig wieder anspringt? Von „Experten“ hörten wir jeweils die widersprüchlichsten Prognosen. Orientierung gaben sie nicht. Wir erleben eine extreme Zeit. Woran sollen wir unsere Entscheidungen ausrichten?

Betrachten wir die Fakten

Einerseits: Stimmungsindikatoren und Fundamentaldaten klaffen weit auseinander. Insolvenzen und Arbeitslosenzahlen steigen weltweit an – bei uns maskiert durch die Kurzarbeit. Die Notenbankzinsen verharren auf Rekordtiefs. Die Preise sinken, die Gewinnmargen sind unter starkem Druck. Andererseits: Gegenüber den Vormonaten haben sich viele kurz- und mittelfristige Indikatoren verbessert. Der Vorjahresvergleich macht die Probleme deutlich. Keiner kann seriös vorhersagen, wie es weitergeht.

Prognosen bringen nichts

Wie im ganzen Leben besteht die Lösung darin, sich auf Veränderungen vorzubereiten. In einer Rally geht schnell der klare Blick aufs Risiko verloren – nicht zuletzt durch den Druck, Verluste wettzumachen. In einem so hochvolatilen Markt haben jedoch Risikokontrolle, Flexibilität, Liquidität und Liquidierbarkeit höchste Priorität. Das lässt sich nur mit aktivem Management verwirklichen. Ein starrer Blick auf die Benchmark reicht nicht. Und erst recht hilft es nicht, sich auf ein einmal festgelegtes Konzept zu verlassen! Viele „aktive“ Fonds haben immens verloren. Welchen Wert hat eine Strategie, die den Index um ein paar Punkte übertrifft, vielleicht in einer Hausse-Phase glänzt, aber in der Baisse mit abstürzt? Nachvollziehbar, dass betroffene Anleger lieber gleich zu Indexfonds wechseln. Doch damit kommen sie vom Regen in die Traufe.

Die alten Regeln sind außer Kraft

Diesmal sind alle Anlageklassen bis auf Staatsanleihen erster Bonität eingebrochen, Streuung bot keinen Schutz – eine solche Kumulation von Risiken erlebten wir zum ersten Mal. Dennoch war es möglich, jene gravierenden Verluste zu vermeiden, die viele nun wieder aufzuholen versuchen. Entscheidend dabei: Timing und Aktienquotensteuerung. Wer frühzeitig die Aktienquote herunterfuhr, schonte die Nerven seiner Investoren.

Wie weit trägt der aktuelle Optimismus?

Viele Firmen können nur deshalb positive Zahlen melden, weil sie ihre Kosten stark reduziert haben. Auftragslage und Kapazitätsauslastung sind oft weiter kritisch. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse halten, was die Kurse versprechen? Der Markt hat vieles von dem eingepreist, was noch nicht eingetreten ist. Voraussetzung, um die Erwartungen zu erfüllen, wäre eine gewaltige Gewinndynamik. Nach einer Baisse akzeptieren Anleger schwache Kurs-Gewinn-Verhältnisse – für eine Weile. Wenn sich die Relationen weiter verschlechtern, können neue Bewertungsdiskussionen auf uns zukommen – und damit harte Korrekturen.

Zu aktivem Management gibt es keine Alternative

Heute gilt es mehr denn je, jederzeit flexibel und handlungsfähig zu sein. Ich bin Unternehmer. Ich orientiere mich an Fakten, nicht an Stimmungen. Chancen und Risiken müssen zu jedem Zeitpunkt in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Auch wir haben in den letzten Monaten die Aktienquoten heraufgefahren – vorsichtig und unter stetiger Prüfung. Und natürlich wünsche auch ich mir, dass es rasch wieder aufwärtsgeht. Aber Hoffnungen dürfen unsere Wachsamkeit nicht beeinträchtigen. Wir müssen diszipliniert alle verfügbaren Daten auswerten, unsere Entscheidungen immer wieder hinterfragen, unablässig dazulernen und zu schnellen, entschlossenen Korrekturen bereit sein. Dann können wir auch Krisen gut überstehen, mit unklaren Marktsituationen umgehen und im Aufschwung neue Chancen nutzen.

21.10.2009 | 00:00

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