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„Wir müssen uns vorbereiten“

(Foto: Picture Alliance / Geisler Fotopress)



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Lauterbach rechnet mit neuen Virusvarianten im Herbst. Der Minister kritisiert auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel die klinische Forschung in Deutschland. Sie habe die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt.

Karl Lauterbach verteilt schlechte Noten in der Pandemie an die klinische Forschung in Deutschland. Der Gesundheitsminister geht damit mit jenen Wissenschaftlern ins Gericht, die mit Hilfe von aufwendigen Studien versuchen, den Verlauf der Pandemie zu beschreiben und daraus Konsequenzen zu ziehen. „Die klinische Forschung in Deutschland hat die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt“, sagte Lauterbach auf dem Ludwig Erhard Gipfel am bayerischen Tegernsee.

Umgekehrt haben Grundlagenwissenschaftler und Impfstoffforscher die Erwartungen, die Politik und Gesellschaft in sie gesetzt haben, mehr als erfüllt. Sowohl der erste gut funktionierende Impfstoff wie auch die ersten brauchbaren flächendeckenden PCR-Tests stammten aus Deutschland.  Der Minister schloss daraus, dass die klinische Forschung stärker gefördert werden muss.

Mit Voraussagen über den weiteren Verlauf der Pandemie hielt sich Lauterbach zurück. Die Pandemie sei nicht vorbei, sagte er. Der Peak der Omikron-Welle  sei überwunden. Allerdings warnte er: „Wir unterschätzen die derzeitigen Fallzahlen um den Faktor 2. In Wahrheit gibt es doppelt so viele Fälle.“ In Deutschland seien weit über 200 000 Menschen an Corona gestorben und das Sterben werde weitergehen. „Wir müssen mit neuen Varianten im Herbst rechnen. Das Zeitfenster, in dem neue Varianten entstehen, wird immer kleiner“, sagte Lauterbach. „Wir müssen mit Varianten rechnen, die gegen Impfungen immun sind, und tief in das Lungengewebe eindringen.“ Er wehrte sich gegen den Vorwurf, Panikmache zu betreiben. „Ich werde dafür bezahlt, die Wahrheit so vorzutragen, dass sie weder übertrieben noch untertrieben ist. Wir müssen uns vorbereiten“, schloss der Minister.

Oliver Stock

21.04.2022 | 15:17

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