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Streiks in Kuwait treiben Ölpreis

Trotz des gescheiterten Treffens der Ölförderländer am Sonntag in Doha hat sich die Talfahrt des Ölpreises am Dienstag nicht fortgesetzt. Das ist vor allem dem Streik der kuweitischen Ölarbeiter zu verdanken. Die Börse in Frankfurt honoriert unter anderem diese Nachricht mit deutlichen Kursaufschlägen, auch der EuroSTOXX 50 ist deutlich im Plus. Steht ein Höhenflug der Märkte ins Haus?

BÖRSE am Sonntag

Trotz des gescheiterten Treffens der Ölförderländer am Sonntag in Doha hat sich die Talfahrt des Ölpreises am Dienstag nicht fortgesetzt. Das ist vor allem dem Streik der kuweitischen Ölarbeiter zu verdanken.

Kurioses ereignet sich derzeit am Ölmarkt: Das Branchenkartell Opec zankt sich über eine Begrenzung der Förderung, scheitert damit und pumpt weiter deutlich mehr Öl aus dem Boden als nachgefragt wird – doch der Ölpreis steigt. Am Mittwoch verteuert sich ein Barrel (159 Liter) der nordamerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Mai um 27 Cent. Damit durchbricht der Preis wieder die 40-Dollar-Marke. Deutlich darüber notiert Brent-Öl bei 43,23 Dollar, was einem Plus von 0,7 Prozent entspricht.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen waren die Preise – wie von vielen Beobachtern erwartet – um zeitweise fast sieben Prozent abgestürzt, erholten sich jedoch in weniger als zwei Tagen. Der Grund für die Kurswende ist in Kuwait zu finden, dem viertgrößten Förderland der Opec. Dort streiken Ölarbeiter am Dienstag den dritten Tag infolge wegen geplanter Lohnkürzungen. Die Ölförderung des Landes treffen sie damit empfindlich: Produzierte das Land Ende März noch 2,8 Millionen Barrel täglich, sollen es am Sonntag zeitweise nur noch 1,1 Millionen Barrel gewesen sein. Damit wäre die aktuelle Überproduktion von 1,5 Millionen Barrel am Weltmarkt sogar mehr als ausgeglichen.

Vorsicht vor übertriebeben Hoffnungen!

Der drastische Einbruch der kuwaitischen Produktion dürfte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Nach Angaben kuwaitischer Ölfirmen steigerte das Land seine Förderung am Dienstag wieder auf 1,5 Millionen Barrel. Beschwichtigend versucht auch das Staatsunternehmen Kuwait Petroleum einzuwirken. Ein Sprecher verkündete über das soziale Netzwerk Instagram, dass nicht nur die Raffinerien im Norden des Landes laufen, sondern auch im Südosten wieder hochgefahren werden. „Die Streiks dürften voraussichtlich nicht länger als ein bis maximal zwei Monate andauern“, sagte Per Magnus Nysveen, Seniorpartner des norwegischen Ölberatungsunternehmens Rystad Energy.

Noch weiter gehen die Rohstoffanalysten der Commerzbank. In einem Kommentar schreiben sie, dass der Streik kaum mehrere Wochen andauern dürfte. „Zu abhängig ist die kuwaitische Wirtschaft von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Kuwait will die Ölproduktion in den kommenden Tagen wieder auf das normale Niveau erhöhen und plant rechtliche Schritte gegen den Streik“, schreiben die Commerzbank-Analysten. Die Lieferungen sollen zunächst aus Lagerbeständen bestritten werden.

Indes hat Russland bereits angekündigt, die Gespräche mit Saudi-Arabien über eine Begrenzung der Förderung fortzusetzen. Russland hatte im März mit 10,9 Millionen Barrel zuletzt so viel gefördert wie seit Zeiten der Sowjetunion nicht mehr. Zudem will der Irak, der mit 4,55 Millionen Barrel ebenfalls auf Rekordniveau produziert, die Gespräche über eine Begrenzung auf dem nächsten Opec-Treffen im Juni fortsetzen.

Die Opec hat immer noch das Sagen

Experten glauben jedoch kaum, dass dies etwas bringen wird. „Weil die meisten Opec-Länder ihre Produktion ohnehin kaum erhöhen können, hätte ein solches Abkommen kaum einen Effekt“, erklärt Nysveen. Manche Analysten begrüßen den Nicht-Kompromiss der Opec, da das dem Rohstoff zu einer Balance verhelfe, die vom tatsächlichen Angebot-Nachfrage-Verhältnis getrieben werde. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass das erst 2017 so weit sein wird. Unwägbarkeiten aber bleiben. So weist der Rohstoff-Analyst der Saxo Bank, Ole Hansen, zwar auf die rückläufige Produktion in den USA hin. „Die US-Produktion ist seit letztem Juli um 600.000 Barrel pro Tag gefallen“, sagt Hansen. Doch gleichzeitig konnte der Iran seine Förderung seit Jahresbeginn deutlich steigern, von 2,8 auf im März 3,2 Millionen Barrel täglich.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete zudem, dass der Iran seine Schiffslieferungen im April auf zwei Millionen Barrel täglich erhöht habe. „Sollte sich dies bewahrheiten, hätte der Iran im Alleingang den bisherigen US-Produktionsrückgang wettgemacht. Wenn dieses Niveau in den kommenden Monaten gehalten werden kann und Produktionsengpässe des Nordiraks und Nigeria schwinden, dürfte die Wiederherstellung des Gleichgewichts auf den Ölmärkten noch auf sich warten lassen“, erklärte Hansen. Handelsblatt / Matthias Streit