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Telekom soll von Radsport-Doping gewusst haben

Jan Ulrich war einst ein berühmter Sportler, doch das ist lange her. Inzwischen ist er mehrerer Vergehen schuldig gesprochen, und gedopt hat er auch. Nun gerät sein großer Sponsor, die Telekom, mit ins Fadenkreuz. In Bonn soll man vom Doping des Rennradteams „Team Telekom“ Kenntnis gehabt haben. Das behauptet zumindest der Sportwissenschaftler Andreas Singler. Der Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe, doch die Aktionäre interessiert: Was wird hängenbleiben?

BÖRSE am Sonntag

Jan Ulrich war einst ein berühmter Sportler, doch das ist lange her. Inzwischen ist er mehrerer Vergehen schuldig gesprochen, und gedopt hat er auch. Nun gerät sein großer Sponsor, die Telekom, mit ins Fadenkreuz. In Bonn soll man vom Doping des Rennradteams „Team Telekom“ Kenntnis gehabt haben. Das behauptet zumindest der Sportwissenschaftler Andreas Singler. Der Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe, doch die Aktionäre interessiert: Was wird hängenbleiben?

2007 war ein schwarzes Jahr für das Radsportsponsoring der Deutschen Telekom. Damals wurde bekannt, dass das in Mangenta fahrende Radsportteam „Team Telekom“, dessen Kapitän Jan Ulrich war, wohl vollständig, also in voller Mannstärke, gedopt hat. Die telekom musste das Sponsoring einstellen. Eine Kommission wurde eingesetzt. Sie untersuchte, welche Rolle Ärzte des Teams der Universität Freiburg bei dem unsauberen Spiel hatten und ob die Telekom ein Schuld trifft. Die Kommission kam zum Ergebnis, dass bei dem Telefonkonzern nichts bekannt gewesen sein dürfte.

Im Handelsblatt widerspricht dieser Bescheinigung nun einer, der früher selber mit in dieser Kommission gesessen hat: Andreas Singler. Ina Karabasz, Redakteurin des Düsseldorfer Finanzblattes, berichtet, dass der Sportwissenschaftler ein Gutachten veröffentlicht habe, in dem er erklärt: „Vieles, wenn nicht alles, deutet darauf hin, dass das Unternehmen vom Doping der Fahrer wusste“. Die Telekom wies nach Angaben des Handelsblattes den Vorwurf als „absurd“ zurück. Man habe sich damals bewusst dazu entschieden, die Betreuung des Teams nicht einen Arzt vornehmen zu lassen, der von diesem bezahlt wird, erklärt ein Unternehmenssprechern. Stattdessen habe man das zu dieser Zeit renommierteste deutsche Universitätsklinik als unabhängigen Kontrolleur engagiert.

Hätte der Konzern vom Doping gewusst, würde das im Umkehrschluss bedeuten, er hätte 1991 von den kriminellen Machenschaften der Freiburger Klinik gewusst, so der Sprecher weiter. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Wissenschaftler Singler jedoch: „Dass die Telekom meine Ergebnisse für absurd hält, war erwartbares Feedback. Sie tut es mit denselben Argumenten, die im Gutachten schon dekonstruiert wurden.“

Ihm gehe es auch nicht darum, der Telekom zu schaden, sagt er, wie Karabasz berichtet: „Mir geht es darum, den Sachverhalt aufzuklären“, betont Singler. Warum er dies nicht in seiner Zeit als Mitglied der Expertenkommission tat, aus der er Mitte des vergangenen Jahres ausschied, erklärt er damit, dass dessen Fokus aus seiner Sicht zu eng gewesen sei: „Das Problem geht tiefer, als die Expertenkommission es damals untersucht hat.“ Man habe längere Zeiträume untersuchen müssen, um auch die Gründe für das Doping zu verstehen und warum es damals niemand gemeldet hat.

2014 seien zudem erstmals Ermittlungsakten aus dem Verfahren gegen zwei beschuldigte Ärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich zugänglich gewesen. Dadurch habe er neue Erkenntnisse gewinnen können. Er kommt auf zu dem Ergebnis: „Das Gesamtverhalten der Telekom zeigt: Es gab keine einzige Maßnahme, die überzeugend darauf hindeuten würde, dass man Doping hätte verhindern wollen. Es gab aber sehr viele Einzelvorkommnisse, die Anlass zu Misstrauen geben.“

Die Telekom hat von 1991 bis 2007 einen Rennstall unterstützt, der den Namen „Team Telekom“ trug. Wie Singler dem Handelsblatt sagte, haben Vorstände einen „wahnsinnigen Leistungsdruck auf das Team ausgeübt.“ 2003 wurden die Rennradler in „Team T-Mobile“ umbenannt. Bekannteste Mitglieder sind der deutsche Tour-de-France-Gewinner Jan Ullrich (1997) und der sechsfache Gewinner des Grünen Tour-Trikots, Erik Zabel. 2007 war es aufgelöst worden, nachdem der ehemalige Masseur der Mannschaft, Jef D’hont, der Mannschaft organisiertes Doping unterstellte und Mitglieder dieses gestanden.

Singler räumt gegenüber dem Handelsblatt jedoch ein, dass in seinem Gutachten „viele Einzelheiten aufgrund der dünnen Quellenlage nicht sicher aufgeklärt werden können“. Trotzdem sei es möglich, „ein Sittengemälde zu skizzieren“. Er stützt seine Behauptungen unter anderem auf Zeitzeugeninterviews, in Medien zitierte Aussagen der Protagonisten, Vernehmungsprotokolle der Staatsanwaltschaft sowie Briefwechsel. Welche Auswirkungen diese Affäre, die natürlich in der ausgehenden Ferienzeit ungelegen kommt, weil viele Menschen ihren Fokus auf den Sport richten, für die Telekom und vor allem für die Entwicklung der Aktie haben wird, bleibt abzuwarten. sig