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Biotechnologie ist ein Stück Zukunft


Die Firmen, die im Nasdaq Biotechnoloy Index gelistet sind, haben 2013 kumuliert die 100 Mrd.-US-Dollar-Umsatzgrenze überschritten. In diesem Jahr gibt es in diesem Bereich eine außergewöhnliche Entwicklung mit einem Plus von 20 Prozent. In diesem Markt investiert die BB Biotech AG. Mit Daniel Koller, Portfoliomanager bei BB Biotech, sprach Elwine Happ-Frank.

Elwine Happ-Frank:
Biotechnologie kommt in vielen Bereichen zum Einsatz – in der Medizin, in der Landwirtschaft und in der Industrie. Sie konzentrieren sich ganz auf biotechnologische Arzneimittel. Wieso ist das sinnvoll?


Dr. Daniel Koller:
Wir sehen in der biotechnologischen Pharmazie sehr viel Potential. Deshalb haben wir uns darauf spezialisiert. Es gibt hier eine Vielzahl an spannenden Themen und eine so hohe Dynamik, dass wir in den nächsten Jahren viele bahnbrechende Innovationen erwarten.

Welche Felder sind interessant?


Es geht vor allem um vier Bereiche: Infektionskrankheiten, Onkologie, also Krebserkrankungen, Hämatologie, hier zum Beispiel Leukämie, sowie seltene Krankheiten. Um ein Beispiel für das zukünftige Potential zu nennen: In der Onkologie konzentriert sich die Diskussion momentan auf die Immunonkologie. Wie schaffen wir es, das Immunsystem der Patienten so zu steuern, dass wir den Körper möglichst effektiv für die Abwehr von Krebszellen trainieren? Hier wird es in den nächsten Jahren sehr viele spannende Ansätze für neue Behandlungsmethoden geben.

Man kann oft lesen, dass für die Entwicklung von Medikamenten für seltene Krankheiten zu wenig Geld zur Verfügung steht. Warum?

Es gibt einige attraktive Erfolgsbeispiele in diesem Segment. So hat Alexion, eine unserer Beteiligungen, mittlerweile eine Marktkapitalisierung von 30 Mrd. Euro erreicht. Die Gründe für die Attraktivität dieses Bereichs sind vielschichtig: Zum einen sind die Krankheitsbilder in vielen Fällen klar beschrieben, zum anderen genießen die Neuentwicklungen Patentschutz und damit einen gewissen Marktschutz. Außerdem sind diese Medikamente meist hochpreisig und erzielen eine gute Rendite.

Könnte die Biotechnologie bei der Behandlung von Ebola eine Rolle spielen?

Bei der Bekämpfung von Ebola geht es kurzfristig in erster Linie darum, Prävention zu betreiben und Neuinfektionen zu verhindern. Im Bereich der Impfstoffe zeichnet sich momentan ein Wettlauf ab, wer als erster ein vielversprechendes Medikament auf den Markt bringt. Darüber hinaus werden auch Arzneimittel benötigt, wenn sich jemand infiziert hat. Es gibt dafür interessante Ansätze, die auch die Gentechnik mit einbeziehen. Bei diesem Thema hat die kleine Biotech-Branche die Nase vorne.

Was sind die zukünftigen Treiber?

Die Entwicklung in den nächsten ein, zwei Jahren wird ganz klar getrieben durch das Thema Infektionskrankheiten. Bei uns dreht es sich dabei vor allem um Hepatitis C. Das zweite große Thema ist die Hämatologie. Wir können uns ähnliche Erfolge wie bei dem Medikament Imbruvica für Lymphomerkrankungen auch bei anderen hämatologischen Erkrankungen vorstellen. Darüber hinaus stehen neue Medikamente bei den seltenen Krankheiten vor der Marktreife. Mittelfristig wird es neue Behandlungsmethoden für Nervenerkrankungen, wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder vielleicht auch Alzheimer, geben. Langfristig ist aus unserer Sicht das Thema Antibiotika interessant, wo es durch die Zunahme von Resistenzen enorme Herausforderungen für das Gesundheitssystem geben könnte.

Elwine Happ-Frank ist Chefredakteurin des Wirtschaftskuriers.

23.12.2014 | 13:02

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