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Schuldenkrise und Konjunktursorgen - Investitionen in Rohstoffe gewinnen an Bedeutung

Dr. Torsten Dennin, Fondsmanager des VCH Commodity Alpha und Co-Manager des VCH Natural Ressources

Dr. Torsten Dennin, Fondsmanager des VCH Commodity Alpha und Co-Manager des VCH Natural Ressources


Von Dr. Torsten Dennin, Fondsmanager des VCH Commodity Alpha und Co-Manager des VCH Natural Ressources

Professionelle Investoren und Privatanleger stehen derzeit stark unter Druck: Die internationale Schuldenkrise und heraufziehende Konjunktursorgen schicken die Aktienmärkte auf Talfahrt. Die Flucht vieler Investoren in vermeintlich sichere Anlagen wie Liquidität, Staatsanleihen bester Bonität, den Schweizer Franken oder Gold verdeutlicht den Grad der Nervosität an den Finanzmärkten und belegt, wie wichtig eine ausgewogene strategische Vermögensallokation ist. Die Anlageklasse Rohstoffe hat sich auch in der aktuellen Krise bewährt und rückt wieder verstärkt ins Blickfeld der Anleger.

Dabei ist es wichtig, die Rohstoffmärkte differenziert zu betrachten. Ein oftmals wenig beachteter Aspekt bei Rohstoffinvestments ist, dass die Erträge der einzelnen Rohstoffe und Rohstoffsegmente – auch längerfristig – erheblich voneinander abweichen. Daher erstaunt es, dass die meisten Anleger ein Engagement in eines der breit gestreuten Rohstoffprodukte wählen, um damit die Chancen einer ganzen Assetklasse abdecken zu wollen.

Edelmetalle, Agrargüter, Rohöl und Kupfer – Anlageerfolge mit aktivem Management

Gerade die Anlageklasse Rohstoffe erfordert ein großes Maß an Erfahrung und spezialisiertem Wissen, um an den Märkten langfristig erfolgreich zu sein: Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, durch eine kontinuierliche fundamentale Marktanalyse vielversprechende Einzelrohstoffe herauszufiltern. Dies sind beispielsweise Rohstoffe, bei denen eine über den Konjunkturzyklus hinausgehende anhaltend steigende Nachfrage zu erwarten ist, die auf ein strukturell limitiertes Angebot trifft, wie etwa Rohöl, Kupfer oder Platin.

Ein Beispiel für strukturelle Knappheit bietet Rohöl. Die Nachfrage nach Öl wird in den aufstrebenden Volkswirtschaften weiterhin deutlich steigen. Die Förderung aus bestehenden Ölfeldern geht hingegen zurück und neue Vorkommen können nur zu sehr hohen Preisen erschlossen werden. Rohöl kann zudem nur eingeschränkt ersetzt werden, sodass mit einem steigenden Ölpreis zu rechnen ist. Einen gegenteiligen Effekt zeigt das Beispiel des – durch unkonventionell erschlossene Vorkommen – entstandenen Überangebots von Erdgas in den USA. Der Preis für amerikanisches Erdgas halbierte sich darauffolgend innerhalb von drei Jahren. In einem breit diversifizierten und passiv investierenden Rohstoffinvestment heben sich durch solche Effekte die positive Performance von Rohöl und die negative Performance von Erdgas gegenseitig auf.

Aktive Fondsmanager identifizieren nicht nur die langfristigen Entwicklungen, sondern können auch auf kurzfristige Trends reagieren. So gibt es gerade im Agrarbereich oft kurzfristige – etwa wetterbedingte – Angebotsveränderungen, die über den Einsatz passender Derivate entsprechend in Rendite umgemünzt werden können. Daneben ist bei einem Rohstoffinvestment stets auch die Struktur der Terminkurve zu beachten, wobei es vor allem auf ein geschicktes Fälligkeiten-Management der gekauften Kontrakte ankommt, um mögliche Rollverluste zu minimieren bzw. Rollgewinne zu maximieren.

Um von diesen Entwicklungen zu profitieren, kommt es mehr denn je auf einen selektiven Ansatz an – und der erfordert die richtigen Kompetenzen. Breite, passive Investitionsvehikel haben in der Vergangenheit nicht überzeugt. Auch weil sie die an den Rohstoffmärkten besonders starken spekulativen Verzerrungen in vollem Umfang nachvollziehen. Vorteile haben dagegen aktive Manager, die einen ausreichenden Freiheitsgrad genießen, um eigenständige Anlageentscheidungen zu treffen und ihre Positionierung auch entgegen kurzfristig anderer Marktentwicklungen durchzuhalten.

05.09.2011 | 00:00

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