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Airbus und Boeing planen Verdopplung der Verkehrsflugzeuge

(Foto: Lukas Wunderlich / Shutterstock)



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Der Luftfahrt stehen große Veränderungen bevor. Strengere Klimavorschriften und veränderte Reisebedürfnisse stellen Airlines, Flugzeugbauer und die gesamte Lieferkette vor neue Herausforderungen. Zusätzlich rechnen die Flugzeugbauer Airbus und Boeing in den kommenden 20 Jahren mit einer Verdopplung der Verkehrsflugzeuge auf über 44.000 Jets.

Strengere Klimavorschriften zwingen Airlines zunehmend neue und effizientere Flugzeuge zu kaufen. Dabei stieg besonders die Nachfrage nach Kurz- und Mittelstreckenjets. Dies spielt besonders Airbus gut in die Hände. Seit Jahren sind sie in diesem Bereich Marktführer.

Doch auch die Nachfrage nach Langstreckenflugzeuge bleibt bestehen. So hat die Deutsche Lufthansa angekündigt, vier neue Airbus A350-900 zu leasen. Laut der Lufthansa verursachen die neuen Flugzeuge rund 30 Prozent weniger Emissionen als die älteren Modelle. Die aktuelle Nachfrage nach neuen Jets ist unter anderem auch auf die niedrigen Leasingraten zurückzuführen.

Insgesamt plane laut dem Handelsblatt die Deutsche Lufthansa AG, ihre gesamte Flotte zu erneuern und bestellt insgesamt 177 neue Kurz-, Mittel- und Langstreckenjets von Airbus und Boeing, wobei gleichzeitig 97 bisherige Flugzeuge ausgemustert werden.

Dabei sollen bei Langstrecken zunehmend kleinere Flugzeuge zum Einsatz kommen. Diese bieten den Vorteil der schnelleren Befüllung wodurch wichtige Verbindungen häufiger angesteuert werden können. Zusätzlich können kleinere Jets auch an etwas kleineren Drehkreuzen effektiv eingesetzt werden. So sei es möglich im Ländergürtel von Skandinavien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien und Italien mit einem möglichst dichten Netz zu punkten.

Durch die große, einheitliche Neuanschaffung verspricht sich die Lufthansa zusätzlich eine Kostenreduktion etwa bei der Wartung. Ebenfalls sollen die Flugzeuge flexibler zwischen den Flugbetrieben verschoben werden, womit schnell auf große Nachfragen reagiert werden kann. Zusätzlich ist ein sogenanntes „Pricing à la carte“ geplant, das heißt diverse Extras wie mehr Beinfreiheit, größere Arbeitsfläche etc. können dazugebucht werden. Dies bietet den Vorteil, individueller auf die Wünsche des einzelnen Kunden einzugehen und zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Flugzeugbauer fahren Produktion hoch

Die Lufthansa ist dabei jedoch nicht die einzige Airline, die ihre Flotte erneuern will. Marketing Manager Darren Hulst von Boeing rechnet mit einer Nachfrage von bis zu 7.100 neuen Flugzeugen bis 2040 allein von europäischen Airlines. Davon sollen bereits 3.000 Maschinen in den kommenden zehn Jahre anfallen.

Auch Airbus geht von einer stark steigenden Nachfrage aus und rechnet bis 2040 mit rund 48.000 Verkehrsflugzeugen in der Luft. Dies würde mehr als eine Verdopplung zur aktuellen Anzahl bedeuten. Aktuell habe Airbus allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 424 Verkehrsflugzeuge produziert, wie CEO Guillaume Faury mitteilt. Für das Gesamtjahr wird mit rund 600 Flugzeugen gerechnet. Um das Jahresziel zu erreichen legt der Hersteller üblicherweise im Dezember einen „Schlussspurt“ hin. Zusätzlich fährt Airbus die Produktion der erfolgreichen Modelfamilie A320 seit dem Sommer wieder stark hoch, nachdem sie im Jahre 2020 stark gedrosselt wurde. Airbus plane bis ins Jahre 2025 monatlich allein von den A320 gut 75 Stück zu produzieren.

Bei diesem ehrgeizigen Wachstumsplänen stoßen die Jetproduzenten jedoch nicht ausschließlich auf Jubel. Gerade bei den Zulieferern wachsen die Sorgen, dass dieses Tempo nicht mitgegangen werden kann, wie das Handelsblatt berichtet. Ein großes Problem dabei sind die langen Vorlaufzeiten bei der Produktion. Gewisse anspruchsvolle Teile brauchen zum Teil bis zu 18 Monate in der Produktion. So warnt Markus Nolte, Chef von Montana Aerospace, einem Produzenten von Flügelstrukturen: „Die Lieferketten sind enorm angespannt. Der geplante Hochlauf der Fertigung bei Airbus und Boeing ist eine echte Herausforderung für die gesamte Branche“.

Dabei mangle es in der gesamten Branche an Personal und Material. Viele Betriebe haben während der Pandemie einen großen Teil ihrer finanziellen Reserven aufgebraucht. Somit ist es diesen Unternehmen nicht mehr möglich die Produktion schnell hochzufahren, da sie zum Beispiel die nötigen Rohmaterialien in diesen großen Mengen gar nicht bestellen können. Gerade der europäische Flugzeugbauer Airbus hat eine sehr komplexe Lieferkette. Branchenkenner schätzen die Zulieferer von Airbus auf rund 10.000 Betriebe. McKinsey rechnet damit, dass das größte Problem das unterschiedliche Tempo beim Hochfahren der einzelnen Zulieferer sein wird. Die gesamte Lieferkette sei dabei noch nicht synchronisiert.

03.11.2021 | 17:35

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