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Bijou Brigitte: Börsenperle dank Modeschmuck


Ringe, Armbänder, Ketten, Nasenringe, Bauchnabel- Piercings oder Dekoratives fürs Haar – das glitzernde Sortiment in den Schaufenstern von Bijou-Brigitte-Läden kann zu zügellosem Kaufrausch verführen. Was für die einen überflüssig ist, ist für die anderen essentiell: Naturgemäß erliegt überwiegend der weibliche Teil der Bevölkerung der bunten Versuchung, übrigens völlig unabhängig vom Alter oder Einkommen. Schon kleine Mädchen stöbern in den funkelnden Warenauslagen, und auch Frauen mit einer Schatulle voller echter Juwelen kennen keinen Dünkel und tragen zur echten Perlenkette einen etwas weniger echten Ring. Bei einem Sortiment von 9.000 Artikeln kann das Stöbern durchaus länger dauern. Wer sich gar nicht entscheiden kann zwischen mehreren Schmuckstücken, nimmt einfach alle. Schließlich kosten die scheinbaren Preziosen kein Vermögen, obwohl sie optisch meist durchaus etwas hermachen. Selbst hochwertigere Ware aus echtem Silber, Bernstein, Rosenquarz oder Ähnlichem ist immer noch bezahlbar. Das Erfolgsgeheimnis ist im Grunde keins: Seit 1993 wurde die Produktion des Modeschmucks zunehmend ins Ausland verlagert, um Kostenvorteile zu nutzen. Vor allem in China entstehen Haar- und Körperschmuck sowie Accessoires wie Tücher, Gürtel oder Sonnenbrillen. Um die Kauflust der Kundschaft anzuheizen, müssen die neuesten Trends möglichst schnell den Weg in die Filialen finden. Dafür lassen sich die Einkäuferinnen regelmäßig in Modemetropolen wie Paris oder Mailand von den Entwürfen bekannter Designer inspirieren. In Asien werden dann die Ideen zu bezahlbaren Schmuckstücken verarbeitet. Auch wenn den meisten Männern wohl schleierhaft bleiben dürfte, worin die Faszination des Modeschmucks liegt: Die Aktie avancierte zum glanzvollen Börsenstar. Im April 2006 kostete die Aktie über 250 Euro, und nicht wenige Börsianer dürften sich geärgert haben, dass sie diese Börsenperle nicht rechtzeitig entdeckt hatten. Hintergrund der beeindruckenden Kursentwicklung waren rasante Umsatz- und Gewinnsteigerungen, die sich von Jahr zu Jahr fortsetzten. Bijou Brigitte expandierte auch ins Ausland. Inzwischen gibt es europaweit über 1.000 Filialen, und sogar in den USA wurden Bijou Brigitte-Läden eröffnet. Mittlerweile liegt der Auslandsanteil bei rund 64%.

Schmuckvoll durch die Wirtschaftskrise?

Doch 2007 wurde zum ersten Mal seit zehn Jahren ein Gewinnrückgang verzeichnet, nicht zuletzt auch, weil auch Firmen die Verlockungen des Modeschmucks entdeckten. Sowohl in kleinen Modeboutiquen als auch bei großen Ketten wie Zara, Mango oder H&M sind heute Schmuck und Accessoires Standard. 2008 strahlte der Börsenstar wegen der schwierigeren Wirtschaftslage ebenfalls nicht mehr ganz so hell. Der Konzernumsatz konnte zwar um 2,2% gesteigert werden, doch dies war im Wesentlichen zahlreichen neuen Filialen im Ausland zu verdanken. Flächenbereinigt sanken die Erlöse um 4,9%. Der Trend setzte sich auch im 1. Quartal 2009 fort. Der Konzernumsatz wurde wegen insgesamt 13 neuer Filialen um 0,1 Mio. Euro auf 76,1 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Flächenbereinigt ging er jedoch um 7,8% zurück. Der Nettogewinn reduzierte sich um 28% auf 8,8 Mio. Euro. Doch das Unternehmen will auch in Krisenzeiten weiter expandieren und insgesamt in diesem Jahr 80 neue Läden eröffnen. Vor allem in Ländern, wie der Türkei oder Rumänien, sieht der Modeschmuck-Anbieter noch Wachstumspotenzial. Außerdem verkauft das Unternehmen inzwischen auch seinen Modeschmuck in Kaufhäusern oder bei anderen Einzelhändlern. Dieser Vertriebsweg soll weiter ausgebaut werden. An der Börse scheint der alte Glanz zurückzukehren. Seit Jahresanfang konnte die Aktie rund 16% zulegen.

 

24.11.2009 | 00:00

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