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Fresenius-Aktie: DAX-Konzern erfreut Anleger

Chart: Fresenius-Aktie, Stand vom 27.02.2015.

Chart: Fresenius-Aktie, Stand vom 27.02.2015.

Fresenius Medical Care ist dem Umsatz nach bei weitem die wichtigste Sparte des Gesundheitskonzerns. (Foto: Fresenius)

Fresenius Medical Care ist dem Umsatz nach bei weitem die wichtigste Sparte des Gesundheitskonzerns. (Foto: Fresenius)



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Fresenius sorgte am Mittwoch für Freude bei den Anlegern: Das Jahresergebnis für 2014 konnte mit Rekorden bei Umsatz und Gewinn aufwarten. Besonders stark wirkten sich die Akquisition der Rhön-Kliniken und eine leichte Erholung des Dialysegeschäfts in den USA aus. Damit stimmte der Konzern viele Analysten wieder optimistisch für die Zukunft.

Ulf Schneider ist seit 2003 CEO von Fresenius und sorgt seitdem für viel Bewegung im Unternehmen. Mit Akquisitionen und geschickten Sparprogrammen hat er den Konzern mit Sitz im hessischen Bad Homburg weit nach vorne gebracht. Für das vergangene Jahr konnte er nun wieder Bestwerte bei Umsatz und Gewinn seines Konzerns vermelden. Während der Umsatz in allen Bereichen anstieg, waren die Gewinnentwicklungen der vier Konzernsparten höchst unterschiedlich. Im Gesamtjahr erzielte der Gesundheitskonzern einen Umsatz von 23,2 Milliarden Euro, was bereinigt von Währungseffekten einen Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zu 2013 darstellt. Besonders das vierte Quartal trug mit 6,5 Milliarden Euro (+20 Prozent) zur Steigerung bei. Die EBIT-Marge ging hingegen zurück auf 13,6 Prozent.

Fresenius begründet dies unter anderem mit der erstmaligen Konsolidierung der von der Rhön-Klinikum AG erworbenen Klinken. Besonders schmerzhaft war die Senkung der US-Kostenerstattung für Dialysedienstleistungen für Medicare-Patienten zu Beginn des letzten Jahres. Linderung verschaffte da die Meldung, dass der Gewinn der Fresenius Medical Care (FMC) weniger stark geschrumpft ist als befürchtet. Der Dialysespezialist profitierte von einer leichten Erholung im US-amerikanischen Markt sowie von einem weltweiten Sparprogramm. Gemessen am Umsatzanteil ist FMC bei weitem der wichtigste Konzernbereich von Fresenius. Weltweit ist das Tochterunternehmen der führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit chronischem Nierenversagen.

Schneider entwickelt Fresenius mit Akquisitionen weiter

In mehr als 3.300 Dialysekliniken betreute FMC zum Jahresultimo 2014 über 286.000 Patienten. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich der Umsatz um acht Prozent auf 15,8 Milliarden US-Dollar. Der Konzernbereich ist extrem vom nordamerikanischem Markt abhängig (daher die unterschiedliche Währung). Vor allem dank einem Zuwachs im Geschäft mit Gesundheitsdienstleistungen erreichte es dort einen Umsatz von 10,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2020 will Fresenius im Durchschnitt ein jährliches Umsatzwachstum von rund zehn Prozent erreichen. Das Jahresergebnis von FMC schrumpfte um sechs Prozent auf nur noch gut eine Milliarde US-Dollar, was immerhin besser als von Analysten erwartet war.

Mehr als 1,49 Milliarden Euro investierte Fresenius in Akquisitionen bei FMC – Schneider setzte seine offensive Strategie fort. Auch in der Helios-Sparte wurden weitere Millionen fällig: Nach der gescheiterten Komplettübernahme der Rhön-Klinikum AG im Jahr 2012 sicherte sich Fresenius bekanntermaßen doch den Großteil der Kliniken und trieb im vergangenen Jahr die Integration des Erwerbs voran. Durch diese Akquisition vergrößerte sich die Zahl der Mitarbeiter beträchtlich von rund 178.000 auf 216.000. Der Umsatz der Sparte betrug im vierten Quartal 1,36 Milliarden Euro und stieg damit um 59 Prozent an. Das Konzernergebnis von Helios explodierte dank der Rhön-Kliniken ebenfalls und belief sich auf 400 Millionen Euro, das ist ein Zuwachs von 45 Prozent. In Europa ist Helios unangefochtener Marktführer unter den Klinikbetreibern. 110 eigene Krankhäuser mit 69.000 Mitarbeitern sprechen eine deutliche Sprache.

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Umsatzplus auch bei Vamed und Kabi


Im Vergleich zum gigantischen FMC-Geschäft wirkt Helios in der Bilanz etwas weniger spannend – es ist jedoch für die zukünftige Entwicklung von Fresenius sehr wichtig. Ulf Schneider bekräftigte am Mittwoch: „Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und gleichzeitig bezahlbaren Gesundheitsleistungen steigt weltweit. Das stimmt mich sehr zuversichtlich für weiteres deutliches Wachstum in 2015 und den kommenden Jahren.“ In den Sparten Vamed und Kabi wurde ebenfalls eine Umsatzsteigerung erzielt, auf eine Milliarde beziehungsweise 5,1 Milliarden Euro. Bei Kabi, das sich unter anderem mit Infusionstherapien und klinischer Ernährung beschäftigt, wurde ein Effizienzprogram gestartet. Die erwarteten Kosten für dieses Programm belaufen sich auf rund 100 Millionen Euro vor Steuern und fallen vollständig im Jahr 2015 an. Das EBIT der Sparte sank 2014 um sechs Prozent auf 873 Millionen Euro, jedoch verschaffte auch hier das vierte Quartal wieder Linderung – um drei Prozent ging’s nach oben.

Insgesamt konnte Fresenius zwar nicht überall einen Aufwärtstrend verzeichnen, überzeugte die Anleger an der Börse aber mit einem guten Endspurt in 2014. Nach der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch gehörte die Aktie der FMC AG zu den stärksten Werten. Aufgrund seiner Größe ist der Konzernbereich eigens an der Börse notiert. Am Freitag schloss der Kurs bei 73,17 Euro und behielt damit ein Plus von 2,44 Prozent. Die britische Investmentbank HSBC hat Fresenius Medical Care auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel von 56 auf 75 Euro angehoben. Solide Ergebnisse im vergangenen Jahr seien Grund genug für einen optimistischen Ausblick auf 2016, schrieb der Analyst Jan Keppeler. Credit Suisse hob das Kursziel gar auf 77 Euro an und beließ die Einstufung bei „Outperform“.

Analysten prognostizieren deutliches Wachstum an der Börse

Die Aktie des Mutterkonzerns Fresenius SE & Co KGaA verbuchte ebenfalls einen satten Zuwachs. Zum Börsenschluss am Freitag notierte das Papier des Gesundheitsriesen bei 51,18 Euro und lag damit mit 3,41 Prozent im Plus. Für die US-Bank JPMorgan war das der Anlass, das Kursziel auf 58,60 Euro von zuvor 49,20 Euro anzuheben. Der stetige Aufwärtstrend des Konzerns sei durch die neuen Zahlen bestätigt worden, begründete David Adlington die Entscheidung. Erhöhte Umsatz-und Gewinnprognosen seien ein gutes Zeichen für die zukünftige Entwicklung des Aktienkurses. Bei Société Générale sieht man das Ganze ähnlich. Besonders die gestiegene Werthaltigkeit von Kabi, FMC und Helios dürfe den Aktienkurs auf bis zu 60 Euro treiben – Kaufempfehlung der Franzosen. Direkt profitieren können die Aktionäre von der Dividende, die Fresenius um Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent erhöhen will. Vorgeschlagen wurde eine Ausschüttungssumme von 238 Millionen Euro, was 0,44 Euro pro Aktie entspricht. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen könnte die Fresenius-Aktie also in diesem Jahr erfrischt durchstarten. Gesundheit!

Marius Mestermann

02.03.2015 | 13:14

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