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Brose: Partner der Autoindustrie


Mühsames Autofenster hoch- und runterkurbeln gehört für die meisten Autofahrer längst der Vergangenheit an – ein Knopfdruck genügt. Mehr als 52 Mio. Fensterheber liefert Brose jedes Jahr aus, damit sind die Oberfranken nach eigenen Angaben Marktführer. Auch Türsysteme für Autotüren und Heckklappen, Vorder- und Rücksitzsysteme sowie mechatronische Systeme und Elektromotoren für Karosserie und Innenraum, um beispielsweise Spiegel richtig einzustellen, gehören zu den Produkten des Unternehmens.

Über 50 Automobilmarken und Zulieferer sind Kunden von Brose, darunter BMW, Ferrari, Peugeot, Ford oder Bosch. Darüber hinaus hat Brose auch den aussichtsreichen Markt der Elektro- und Hybridfahrzeuge für sich entdeckt: Ein Joint Venture mit SEW-Eurodrive, einem Experten für Elektromotoren und Steuerungen für Industrieanwendungen, entwickelt Antriebs- und Ladesysteme für diese Autos. Mit rund 18.750 Mitarbeitern an weltweit 53 Standorten in 23 Ländern hat sich das Unternehmen unter den weltweit 100 größten Automobilzulieferern etabliert.

Nachdem 2009 für die Automobilindustrie ein schwieriges Jahr war, lief es für Brose im Jahr 2010 bereits wieder deutlich besser: Die Verkaufserlöse erreichten insgesamt 3,5 Mrd. Euro, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von rund 35% entsprach. Im Jahr 2011 rechnet das Unternehmen vor dem Hintergrund einer anhaltend guten Nachfrage und zahlreicher Produktanläufe mit einer Umsatzsteigerung um etwa 12% auf rund 3,9 Mrd. Euro. Vor allem in Asien sowie in Nordamerika erwartet Brose weitere Geschäftszuwächse. 300 Mio. Euro sollen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten fließen. Im chinesischen Chongqing entsteht derzeit ein neues Fertigungswerk, das ab 2012 Kunden in Zentral- und Westchina beliefern soll. Die insgesamt 13 asiatischen Standorte, unter anderem in Japan, Korea und Thailand, stehen für etwa 20% des Gruppenumsatzes.

Mit Familienunterstützung auf Erfolgskurs

Indes ist Brose, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1908 zurückreichen, bis heute ein Familienunternehmen. Max Brose, der in Berlin bereits ein Handelsgeschäft für Automobilausrüstung besaß, hatte 1919 in Coburg zusammen mit seinem Geschäftspartner das Metallwerk Max Brose & Co. gegründet und stellte dort unter anderem auch Automobilteile her. Dazu gehörten auch Fensterheber, damals noch mit Kurbel. Das Besondere daran war die sogenannte Schlingfederbremse, die es ermöglichte, die Fensterscheibe in jeder beliebigen Position zu halten. Schnell entwickelten sich Fensterheber zur Basis für den Erfolg des Unternehmens. In den 1950er-Jahren wagte das Unternehmen einen kurzen Ausflug in ein neues Geschäftsfeld abseits der Autowelt:

Einige Jahre produzierte Brose eine Schreibmaschine namens Brosette, konzentrierte sich aber schon bald wieder auf Produkte für die Autoindustrie, die in den Wirtschaftswunderjahren boomte. Ab den 1960er-Jahren schuf sich Brose mit Technik zur Verstellung von Sitzen ein zweites Standbein. Nachdem Gisela, die Tochter von Max Brose, zwischenzeitlich das Unternehmen für drei Jahre geführt hatte, übergab sie 1971 die Leitung an ihren erst 23 Jahre alten Neffen Michael Stoschek, der in den folgenden 34 Jahren Expansion, Internationalisierung sowie technologische Innovationen und den Aufbau neuer Geschäftsfelder wie Tür- und Schließsysteme vorantrieb. Ende 2005 berief Stoschek mit Jürgen Otto einen neuen Geschäftsführer, der zwar nicht zur Gründerfamilie gehörte, aber immerhin seit 1990 für Brose gearbeitet hatte. Stoschek selbst ist seither Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, der seine beiden Kinder sowie seine Schwester und deren Tochter angehören.

10.10.2011 | 00:00

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