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Dongfeng steigt bei PSA ein

PSA-Chef Philippe Varin bei der Eröffnung der dritten gemeinsamen Fabrik von PSA und Dongfeng in Hubei (China).


Mehr als 3,5 Millionen Autos verkaufte Dongfeng 2013, und doch kennt hierzulande kaum jemand den neuen Peugeot-Mitinhaber. Der Staatskonzern hat ambitionierte Pläne, ist in China aber nur die Nummer zwei. Für den neuen Peugeot-Chef Carlos Tavares könnte er zum Rettungsanker werden.

Mit dem Kapitaleinstieg des chinesischen Autobauers Dongfeng Motor hat der französische Konzern PSA Peugeot Citroën einen starken Partner gefunden. Der 1969 – mitten in der Kulturrevolution – von der damaligen maoistischen Regierung gegründete Staatskonzern ist heute der zweitgrößte Autohersteller Chinas, nach seinem Konkurrenten SAIC, der Shanghai Automotive Industry Corporation. Dongfeng läßt sich sein Engagement bei PSA 800 Millionen Euro kosten und erhält dafür 14 Prozent an PSA.

Zusammen mit den Partnern aus Europa haben die Chinesen eine Tochterfirma gegründet, die Dongfeng Peugeot Citroën Automobile, kurz DPCA. Dieses Unternehmen beschäftigt derzeit rund 15.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr verkaufte DPCA 550.000 Fahrzeuge – ein Viertel mehr als im Jahr zuvor, und die Europäer wirken, so scheint es, sogar prägend: „Elysee“ heißt zum Beispiel eine vom Joint-Venture Peugeot-Citroën Automobile Limited (DPCA) in Wuhan gefertigte Limousine für den chinesischen Automarkt, die 2013 vorgestellt wurde. Auch dank solcher Modelle soll sich der Autoabsatz von DPCA bis 2020 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge verdreifachen.

Von der nun anstehenden engeren Zusammenarbeit würden sowohl PSA als auch Dongfeng profitieren, meint Klaus Paur, der beim Markforscher Ipsos für den Automarkt zuständig ist. Im vergangenen Jahr setzte Dongfeng – was „Ostwind“ bedeutet – 3,53 Millionen Fahrzeuge ab und erreichte damit in China einen Marktanteil von 16 Prozent. Der Konzern ist dabei weltweit bestens vernetzt. Man gründete Gemeinschaftsunternehmen mit mehreren anderen Autoherstellern wie den japanischen Konzernen Nissan und Honda, dem Koreaner Kia, Taiwans größtem Autobauer Yulong sowie erstaunlicherweise mit dem französischen PSA-Konkurrenten Renault. Anfang des Jahres vereinbarte der chinesische Konzern zudem eine Kooperation mit den schwedischen Autobauern von Volvo – mit dem erklärten Ziel, weltweiter Branchenführer beim Bau von Lastkraftwagen zu werden.

Doch die beiden künftig eng verbundenen Konzerne kennen sich schon länger sehr gut. Bereits 1992 gründeten PSA und Dongfeng ein gemeinsames Unternehmen, das heute drei Fabriken in der zentralchinesischen Stadt Wuhan betreibt, dem Sitz des chinesischen Autobauers. PSA brauche dringend frisches Kapital, für Dongfeng gehe es um neue Technologien und Kenntnisse über ausländische Märkte. „Die fehlen den chinesischen Autobauern“ – da sind sich Berater einig: Die bisherigen Partnerschaften des Staatskonzerns Dongfeng hätten sich auf die Produktion in China konzentriert.

Chinesen retten Peugeot am Heimatmarkt


In Europa hatte die Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass deutlich weniger neue Autos gekauft wurden. Während die deutschen Premium-Hersteller BMW und Audi dies in Asien und Amerika mehr als ausgleichen konnten, kamen viele Hersteller für den Massenmarkt am heimischen Binnenmarkt unter die Räder, darunter Opel und Peugeot. Die Franzosen haben darauf mit Kostensenkungen reagiert.

Hintergrund der neuen Finanzhilfen, die sich Peugeot nun im Land der Mitte abholt, ist das Auslaufen der Staatsgarantien über sieben Milliarden Euro im nächsten Jahr, die den Renault-Rivalen bislang über Wasser halten. In China setzte auch Dongfengs Rivale SAIC auf Kooperationen mit Unternehmen in anderen Ländern. Der größte chinesische Autobauer arbeitet bereits seit langem mit dem Volkswagen-Konzern und dem Opel-Eigentümer General Motors zusammen.

Wie zahlreiche andere Zeitungen kommentierte das Regionalblatt „La Montagne Centre France“ den Einstieg Dongfengs bei der urfranzösischen Autoschmiede kritisch: „Welches Hybrid wird aus der Vereinigung von PSA und Dongfeng hervorgehen? Und welche Rolle wird der französische Staat in dieser 'Ehe zu dritt' spielen?“ Die strikte Gleichstellung der Unternehmen, Peugeot, Citroёn und Dongfeng könnte zu Schwierigkeiten führen, so fürchten es jedenfalls die kritischen französischen Beobachter: „Wer wird entscheiden, wenn es Meinungsunterschiede gibt?“.

„Dernières Nouvelles d'Alsace“ aus Straßburg blieb etwas sachlicher in seiner Einschätzung: „Das über 200 Jahre alte Familienunternehmen, das lange Zeit patriotische Wertvorstellungen verkörperte, muss einen hohen Preis dafür zahlen, dass es die Autoproduktion nicht ins Ausland verlagert hat. Peugeot steht immer noch am Rand des Abgrunds. Das Unternehmen ist zu klein, zu französisch, also zu isoliert, und war nicht mehr in der Lage, gegen die Konkurrenz anzukommen. Daher blieb dem Autobauer nichts anderes übrig, als fremdes Kapital aufzunehmen.“

An der Börse in Hongkong wurde die Nachricht vom beschlossenen Einstieg des Staatskonzerns beim angeschlagenen französischen Autobauer durchaus nicht mit Euphorie quittiert. Dongfeng-Papiere gaben am Mittwoch 1,1 Prozent auf 10,84 Hongkong-Dollar nach.

24.02.2014 | 10:44

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