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Flip-Flop: Vom Strand in die Modewelt


Die Zurschaustellung nackter Füße in Zehenstegsandalen mag nicht jedem gefallen, vor allem wenn es sich um Männerfüße handelt. Doch Sandalen – wenn auch nicht aus Kunststoff – haben eine lange Tradition: Bereits im alten Ägypten wurden sie getragen, ebenso wie im antiken Griechenland oder im Römischen Reich. Auch in Japan haben Zehenstegsandalen Geschichte. In der Kunststoffvariante waren die luftigen und meist sehr preiswerten Zehentrenner lange nur im Schwimmbad, in der Sauna oder im Urlaub akzeptierte Fußbekleidung, deren Haltbarkeit in der Regel kurz war. Doch die Werbeexpertin Stefanie Schulze erkannte das Potenzial der Sandalen und sorgte dafür, dass aus den nicht besonders aufregenden Latschen ein heiß begehrter Schuhmodetrend wurde. Sie entwickelte die Marke Flip-Flop, deren Name auf das typische Geräusch der Kunststoffschuhe beim Laufen zurückgeht, ließ sie beim Patent- und Markenamt registrieren und gründete 1998 die Flip-Flop GmbH. Zehenriemchen-Sandalen anderer Hersteller dürfen in Deutschland somit nicht Flip-Flops heißen. Bei der Produktion der ersten Schuhe nach ihren Vorstellungen achtete Stefanie Schulze vor allem auf Qualität und Bequemlichkeit: Hochwertiger Kunststoff und weiche Riemchen sorgten für Haltbarkeit und Tragekomfort ohne Scheuern auf der Haut, fröhliche Farben erhöhten den Fashion-Faktor. Die puristischen, bunten Sandalen kamen auf Messen gut an und fanden den Weg ins Sortiment vieler Schuhhäuser. Sogar in Modemagazinen tauchten sie auf. Für die deutsche Ausgabe der Modezeitschrift Vogue gehörten die farbenfrohen Zehensandalen im Jahr 2002 sogar zu den Highlights.

Marke mit Potenzial

2003 verkaufte Stefanie Schulze die Markenrechte an den Unternehmer Bernd Hummel, dessen Holding in Pirmasens zu Hause ist, einer Stadt mit einer langen Tradition in der Herstellung von Schuhen. Hummel selbst war seit Ende der 1960er-Jahre im Schuh-Business aktiv und kannte sich darüber hinaus sehr gut mit Marken aus. So hatte er sich Vertriebs- und Lizenzverträge für eine aufstrebende US-Sportmarke gesichert und die Sportschuhe dieser Firma in Deutschland populär gemacht. Flip-Flop war im Bereich der Badesandalen eine Größe. Doch der bekannte Name bot weiteres Potenzial und sollte für mehr stehen als für lässige Trendsandalen. Und so wurde das Sortiment ausgebaut: Bekleidung, Taschen und Accessoires wie Gürtel, Schals oder Schmuck kamen nach und nach hinzu. Auch das Angebot an Schuhen wurde vergrößert. Stiefel und Stiefeletten, Ballerinas, Sandalen in verschiedenen Variationen, Schnür- und Halbschuhe oder Sneaker stehen mittlerweile zur Wahl, natürlich nicht aus Kunststoff, sondern aus Leder und anderen Materialien. Damit die Kundinnen die jugendlich-modischen Produkte bequem bestellen können, wurde ein Internet-Shop eingerichtet. 2007 eröffnete in Berlin der erste Flip-Flop-Flagship-Store, entworfen von Bernd Hummels Tochter Anne-Katrin, einer ausgebildeten Architektin. Wenig später stieg sie in die Geschäftsführung ein und übernahm den kreativen Bereich wie Design und Markenführung. Weil Berlin in Sachen Mode und Trends Maßstäbe setzt, zog die Design-Abteilung in die Hauptstadt um, um sich von der quirligen Großstadt inspirieren zu lassen. 2008, zum zehnjährigen Jubiläum, verfügte das Unternehmen über Vertretungen in Italien, Österreich, der Schweiz, den Beneluxländern, Zypern und Korea. Außerdem wurde ein weiteres Geschäft in Amsterdam eröffnet. Jüngster Coup des Unternehmens: eine Zusammenarbeit mit dem griechisch-deutschen Modedesigner Kostas Murkudis, der für die Marke unter anderem ausgefallene Plateausandalen, Stiefeletten und Taschen entwarf.

19.07.2011 | 00:00

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