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Katjes: Schwarze Katzen und mehr


Hervorgegangen ist der Süßwarenhersteller Katjes aus einer 1910 in der niederländischen Stadt ’s-Heerenberg gegründeten Firma, die zunächst mit chemischen Produkten wie Fliegenfängern handelte und diese später auch selbst herstellte. Da im Winter Fliegenfänger weniger gefragt waren, stellte man in der kalten Jahreszeit eben Lakritzesüßigkeiten her – Zuckersirup brauchte man für beides. Außerdem wird dem aus der Süßholzpflanze hergestellten Lakritz eine wohltuende Wirkung bei Halsschmerzen oder Husten zugeschrieben, und solche Beschwerden traten in den Wintermonaten häufiger auf.

Das Rezept für Lakritze hatte Firmenmitinhaber Xaver Fassin, dessen Vorfahren aus Sizilien stammten, von der italienischen Mittelmeerinsel mitgebracht. Lakritze in Katzenform gab es ab den 1930er-Jahren, nachdem es technisch möglich war, Lakritze in Formen zu gießen. Für die Katzenform entschied man sich, weil sie ansprechend wirkte und Glück bringen sollte. 1950 beschloss Xaver Fassin, der inzwischen alleiniger Firmeninhaber war, sein Unternehmen zwischen seinen beiden Söhnen aufzuteilen. Helmut Fassin produzierte am Standort in den Niederlanden weiterhin die sogenannten gezogenen Produkte wie Lakritzrollen. Sein Bruder Klaus errichtete in Emmerich am Rhein direkt an der niederländischen Grenze eine Fabrik für gegossene Erzeugnisse wie die berühmten schwarzen Katzen – so entstand die heutige Katjes Fassin GmbH & Co. KG, die zusammen mit Katjes International Teil der Katjes-Gruppe ist.

Bonbons, Fruchtgummi, Lakritze

1971 brachte Katjes die sogenannten Yoghurt-Gums auf den Markt. Das innovative Produkt stellte eine Kombination von Fruchtgummi und Joghurt da und gehört heute zu den beliebtesten Süßigkeiten, unter anderem in Fernsehkampagnen beworben von dem Model Heidi Klum und der Schauspielerin Alexandra Neldel. Bereits seit 1988 verwendet das Unternehmen keine künstlichen Farbstoffe mehr. Ihre fruchtigen Farben erhalten die Süßigkeiten durch den Zusatz von Fruchtmark sowie durch Frucht- und Pflanzenkonzentrate. 1995 zog sich Firmeninhaber Klaus Fassin aus der Geschäftsführung zurück. Da sein Sohn Bastian noch nicht alt genug war, um die Leitung von Katjes zu übernehmen, kümmerte sich der externe Manager Tobias Bachmüller als geschäftsführender Gesellschafter um die Geschicke der Firma und trieb das Wachstum voran. Dazu gehörten Übernahmen diverser bekannter Süßwarenmarken wie der Kauf des Pfefferminzbonbon-Herstellers Dr. Hiller, der Villosa-Marken Sallos und Hustelinchen. Auch Frigeo, der Hersteller des beliebten Ahoj-Brausepulvers, sowie Gletschereis, bekannt für erfrischende Eisbonbons, wurden erworben. 2004 war es so weit: Bastian Fassin stieg bei Katjes ein. Seither teilen sich die beiden Manager die Leitung des Unternehmens. Mit Granini-Fruchtbonbons bereicherte 2005 eine weitere Bonbonmarke das Produktportfolio. Zugleich kam man auf die Idee, eine gläserne Bonbonfabrik zu errichten, die 2006 in Potsdam, zusammen mit einem Werksverkauf, eröffnet wurde. 2009 beteiligte sich Katjes am französisch-belgischen Süßwarenhersteller Lamy Lutti, 2010 folgte der niederländische Lakritz-Produzent Festivaldi. Um die weitere Expansion in Westeuropa zu finanzieren, platzierte Katjes kürzlich erfolgreich eine Unternehmensanleihe im Volumen von 30 Mio. Euro. Das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren bis zum 18. Juli 2016 und einer festen Verzinsung von 7,125% pro Jahr war rund 2,5-fach überzeichnet. Bei der Nachfrage entfielen etwa 55% auf institutionelle Investoren und Vermögensverwalter, der Rest auf private Anleger.

07.07.2011 | 00:00

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