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Melitta - Kaffee schmeckt auch in Krisenzeiten


Ihre Idee war simpel: Mit einem Nagel bohrte die Kaffeeliebhaberin Löcher in einen Messingbecher und legte ein Blatt Löschpapier hinein. Obendrauf kam erst der gemahlene Kaffee, anschließend das heißeWasser. Das war so wirkungsvoll, dass sie den provisorischen Filter weiter entwickelte und schließlich als Gebrauchsmuster eintragen ließ. Bis heute dürfen nur Kaffeefilter von Melitta „Filtertüten“ heißen, alle anderen Hersteller müssen sich andere Bezeichnungen einfallen lassen. Weil ihre Erfindung gut ankam, stieg sie von zu Hause aus in die serielle Produktion ein und gründete mit ihrem Mann zusammen die Firma Melitta. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, die Firma wuchs schnell. 1929 zog das Unternehmen ins westfälische Minden, weil man dort bessere Produktionsbedingungen vorfand. 55 Mitarbeiter beschäftigte Melitta damals bereits. Hergestellt wurden nicht nur das Papier, sondern auch die entsprechenden Filter, in die es eingelegt wurde. Diese waren zunächst aus Messing, später auch aus anderen Materialien wie Blech, Aluminium, Porzellan oder Plastik. Im Laufe der Jahre variierten auch die Formen, Farben und Dekors – besonders seltene Exemplare sind begehrte Sammlerobjekte.

Kaffee, Staubsaugerbeutel, Frischhaltefolie

Bis heute ist Minden der Hauptsitz des Unternehmens, das inzwischen die Enkel der Firmengründerin in der dritten Generation führen. Rund 50 Gesellschaften gehören zum Melitta-Konzern, der 2008 über 3.300 Mitarbeiter beschäftigte und international aktiv ist, unter anderem in Brasilien, Japan, Kanada und den USA. Bekannt ist die Firma nach wie vor in erster Linie für Filterpapier und Kaffee, sie stellt aber auch Kaffeemaschinen her. Dazu gehören klassische Filtermaschinen, inzwischen aber auch Vollautomaten, die ganze Bohnen mahlen. Nicht nur Geräte für den Haushaltsgebrauch, sondern auch für Gastronomie und Gewerbe sind erhältlich.

Auch Teetrinker kommen auf ihre Kosten, denn auch Teefilter gehören zum Sortiment. Außerdem produziert das Unternehmen unter verschiedenen Markennamen Haushalts- und Lebensmittelfolien, Müllbeutel, Filter für Staubsauger sowie Spezialpapiere. Im Jubiläumsjahr 2008 konnte das Unternehmen trotz Wirtschaftskrise wachsen: Der Umsatz legte von 1,16 auf 1,23 Mrd. Euro zu. Von der Abschwächung der globalen Wirtschaft merkte Melitta nur wenig. Den Angaben zufolge gab es bei den meisten Produkten kaum sinkende Nachfrage für die Gesellschaften des Unternehmens. In einigen Bereichen, wie zum Beispiel dem Kaffeegeschäft in Deutschland oder dem Geschäft mit Kaffeemaschinen, konnte Melitta sogar von einer erfreulichen Entwicklung berichten.

Auch Zahlen des Deutschen Kaffeeverbands signalisieren, dass die Deutschen auch in der Krise nicht auf ihre Koffeindosis verzichten: Demnach wurden 2008 durchschnittlich pro Kopf 148 Liter Kaffee getrunken, nach 146 Liter im Jahr 2007. Damit lag Kaffee auf Platz eins vor Wasser mit durchschnittlich 133,8 Liter und Bier mit 111,1 Liter pro Kopf. Beim Ausblick auf 2009 gab sich Melitta dennoch zurückhaltend. Es sei noch nicht abzuschätzen, in welchem Umfang und in welcher zeitlichen Ausdehnung von einem Rückgang des Konsums auszugehen sei, hieß es. Man halte ein Umsatzwachstum von 1% bis 2% für realistisch.

29.10.2009 | 00:00

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