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Steiff: Klassiker im Kinderzimmer



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Dass Kunstwerke, Oldtimer oder Uhren eine lohnenswerte Geldanlage sein können, vorausgesetzt, man verfügt über genügend Kapital und das nötige Fachwissen, ist kein Geheimnis. Doch auch alte Stofftiere können erstaunlich viel Geld wert sein. Vor einigen Monaten kam beim Auktionshaus Christie’s in London eine umfangreiche Stofftiersammlung unter den Hammer, die für insgesamt 1,23 Mio. Euro versteigert wurde. Darunter war auch ein Fuchs der Firma Steiff aus den 1920er-Jahren, der einem Sammler 24.000 Euro wert war, sowie ein extrem seltener Harlekin-Teddybär aus dem Jahr 1925, der für 53.000 Euro versteigert wurde. Dem Verkäufer der Sammlung dürfte der Erlös der Auktion dennoch kaum aus der Klemme geholfen haben: Es handelte sich um einen Hedgefondsmanager, dem eine hohe Strafe droht, da er Medienberichten zufolge zusammen mit einem Geschäftspartner Anleger um mehrere 100 Mio. US-Dollar geprellt haben soll. Unter den 13.000 Tieren der Sammlung waren nicht nur Teddys, sondern auch Hunde, Löwen und Affen sowie das Ur-Steiff-Tier: ein Nadelkissen in Form eines Elefanten, genäht von Margarete Steiff. Die Tatsache, dass Margarete als Folge von Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen war, hatte sie nicht von einer Ausbildung zur Schneiderin abgehalten. 1880 gründete sie die Firma im schwäbischen Gingen an der Brenz, die aus einem Filzkonfektionswarengeschäft hervorgegangen war. Ihre „Elefäntles“ aus Filz hatte sie ursprünglich als Nadelkissen verkauft, doch Kinder schlossen sie als Spielzeuge ins Herz. Das brachte Margarete auf die Idee, auch andere Stofftiere zu nähen.

Beliebter Teddy

Der Steiff-Klassiker, der berühmte Teddy-Bär, erblickte allerdings erst 1902 das Licht der Welt. Margaretes Neffe hatte den Bären mit einem Fell aus Mohair-Plüsch sowie beweglichen Armen und Beinen entworfen und präsentierte ihn auf einer Messe. Margarete hatte zwar nicht so recht an einen Erfolg geglaubt, doch ein amerikanischer Einkäufer war begeistert und orderte gleich 3.000 Stück. In den folgenden Jahren wurden die brummigen Genossen in den USA zum Verkaufsschlager. Benannt wurden die Bärchen der Legende zufolge nach Theodore „Teddy“ Roosevelt. Weil der US-Präsident sich auf einer Jagd geweigert hatte, einen Bären zu erschießen, wurde er häufig in Zeichnungen und Karikaturen mit einem solchen Tier dargestellt. Dank des großen Verkaufserfolges der pelzigen Freunde war die Firma Steiff bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem weltweit bekannten Unternehmen geworden. Seit 1904 sind sämtliche Tiere aus der Steiff-Produktion an ihrem berühmten Markenzeichen, dem Knopf im Ohr, zu erkennen. Bis heute ist das Unternehmen im Besitz der Nachkommen der legendären Gründerin. Die Geschichte der Firma wird auch im Erlebnismuseum erzählt, das 2005 zum 125-jährigen Jubiläum eröffnet wurde. Für die kuscheligen Steiff-Gesellen muss man indes vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Hochwertige Materialien wie Mohair oder Alpaca und eine aufwendige Fertigung mit viel Handarbeit haben eben ihren Preis. Der Versuch, Teile der Produktion ins preiswertere China zu verlagern und so der Konkurrenz mit ihren billigen Kuscheltieren trotzen zu können, scheiterte. Die Qualität der Produkte überzeugte nicht und die Ware war zu lang auf Containerschiffen unterwegs. Dabei ist das Unternehmen schon lange nicht mehr nur eine Teddymanufaktur: Spielzeug für Babys sowie Kinderkleidung gibt es ebenfalls. Weniger bekannt ist indes, dass zur Steiff-Gruppe auch eine Ventilfabrik sowie eine Webmanufaktur gehören.

08.02.2011 | 00:00

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